Hart, aber herzlich

Hyundai lanciert mit dem Kona N sein erstes Hochleistungs-SUV. Auf der ersten Testfahrt zeigt sich: Der Fokus liegt auf Fahrspass.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Hyundai Kona N.

Hyundai Kona N.

Bild: zVg

Hyundai ist vorne mit dabei, wenn es um den Umstieg auf alternative Antriebstechnologien geht. Der koreanische Hersteller hat von Hybrid- und Plug-in-Hybrid-über reine E-Autos bis hin zum Wasserstoffantrieb alles im Angebot, was es diesbezüglich am Markt gibt. Mit dem Ioniq 5 hat Hyundai zudem eines der derzeit interessantesten E-Autos im Angebot: der kompakte Stromer mit bis zu 481 km Reichweite laut WLTP und fortschrittlicher 800-Volt-Akkutechnik. Diese erlaubt extrem schnelles Laden – von 10 auf 80 Prozent ist der Akku nach nur 18 Minuten aufgeladen. Und das schon ab 44900 Franken!

Bei aller Vorbildlichkeit, wenn es um neue Antriebe geht, hält Hyundai mit dem Buchstaben «N» trotzdem noch am klassischen Benzinmotor fest und will den Kunden höchsten Fahrspass mit viel Leistung bieten. Der i30 N mit 2-Liter-Turbomotor hat den Koreanern bereits eine ansehnliche Fangemeinde beschert. Denn mit dem starken Kompaktwagen stellte «N», die neu gegründete Sportabteilung der Marke, auf Anhieb einen starken Konkurrenten für den über die Jahrzehnte gereiften Golf GTI auf die Räder.

2021 wird das «N»-Portfolio – der Buchstabe bezieht sich auf die Stadt Namyang in Südkorea, in der die Marke ihren Hauptsitz hat, und selbstredend auf den legendären Nürburgring – um gleich zwei Modelle erweitert. Der i20 N stürmt mit 204 PS in die Klasse der sportlichen Kleinwagen – und der neue Kona N ist das erste Hochleistungs-SUV der Marke.

Die Antriebstechnik teilt sich der sportlichste Kona mit dem i30 N der aktuellen Modellgeneration. Der 4-Zylinder-Turbobenziner leistet 280 PS und 392 Nm und gibt seine Kraft mittels 8-Gang-Doppelkupplungsautomatik an die Vorderräder ab. Ein Allradantrieb ist im sportlichen Topmodell – im Gegensatz zu den zivileren Versionen – nicht zu haben. Dafür sorgt ein Sperrdifferenzial für optimale Kraftverteilung und maximalen Grip an den Vorderrädern: ein erstes Merkmal dafür, dass bei diesem SUV nicht Geländetauglichkeit oder Komfort an erster Stelle stehen, sondern maximale Fahrfreude.

Sprint auf Knopfdruck

Diese verkörpert auch der Innenraum: Sportsitze mit ausgeprägten Seitenwagen halten Fahrer und Beifahrer am Platz. Am Lenkrad finden sich nicht nur grosse Schaltwippen für manuelles Schalten, sondern auch auffällige Tasten, über welche man sich durch die zahlreichen Fahrmodi wählen kann, sowie ein roter «Boost»-Knopf. Dieser erhöht für 20 Sekunden das maximale Drehmoment und schaltet das Getriebe in den optimalen Gang für beste Beschleunigung. Bestenfalls soll der Kona N in 5,5 Sekunden auf 100 km/h sprinten. Für ein fünfplätziges SUV mit bis zu 1143 Litern Ladevolumen ist das auf jeden Fall schnell genug. Zumal Hyundai den Fokus bei den «N»-Modellen nicht auf Beschleunigung, sondern auf Kurvendynamik legt. Bei einem von Haus aus hochbeinigeren SUV ist das eine Herausforderung.

Hyundai Kona N.

Hyundai Kona N.

Bild: zVg

Der Kona N setzt auf 19-Zoll-Räder im 235er-Format, was für guten Grip sorgt. Vor allem aber wurde das Fahrwerk im Vergleich zum «normalen» Kona radikal überarbeitet. Die Lenkung wurde direkter ausgelegt, das ganze Fahrzeug tiefergelegt. Federn und Dämpfer sind deutlich straffer ausgelegt, wodurch die «N»-Version sich kaum in die Kurve neigt, sehr direkt einlenkt und, wie es sich für einen sportlichen Fronttriebler gehört, leicht übersteuernd abgestimmt ist.

Damit kommt er dem kompakten i30 N in Sachen Fahrfreude gefährlich nahe. Allerdings fordert die Freude auch Tribut: Der Fahrkomfort wird deutlich verringert. Motor und Getriebe werden im komfortabelsten Fahrmodus für den Alltag durchaus zahm. Der Klappenauspuff wechselt auf still und fällt kaum mehr auf, das Doppelkupplungsgetriebe schaltet flüssig und verschliffen durch die Gänge. Trotz adaptiver Dämpferverstellung kann das Fahrwerk die sportliche und durchaus rennstreckentaugliche Abstimmung allerdings nie ganz verbergen. Gerade auf schlechten Strassen ist die sportliche Härte durchaus spürbar und bringt viel Unruhe ins Auto. Gerade in einem SUV wirkt das etwas unpassend. Ein etwas entspannteres Fahrwerk würde besser zum SUV-Charakter passen und den Kona N stärker von seinem flacheren Bruder, dem i30 N, abheben.

Trotzdem sorgen die SUV-Gene im Alltag für einen Vorteil, der bei vielen Kunden das ausschlaggebende Argument sein dürfte: Durch die erhöhte Sitzposition geniesst man eine etwas bessere Übersicht und fühlt sich eine Spur sicherer und geborgener. Dafür kostet der Kona N mit 44490 Franken genau 5000 Franken mehr als ein Hyundai i30 N mit identischer Motorisierung und geht damit als faires Angebot unter den Hochleistungs-SUV durch. Allerdings ist der Verbrauch mit 8,5 l/100 km laut Werk eher hoch. Das kann sich Hyundai nur erlauben, weil man durch das grosse Angebot auch genügend Modelle mit alternativen Antrieben verkauft.

Hyundai Kona N.

Hyundai Kona N.

Bild: zVg

Hyundai Kona N

Motor: 4 Zyl., Benzin, 1998 cm 3

Leistung: 280 PS/392 Nm

Antrieb: Aut., 8 Gänge, FWD

L×B×H: 4215×1800×1565 mm

Kofferraumvolumen: 361–1143 l

Gewicht: 1510 kg

0–100 km/h: 5,5 Sek.

Vmax: 240 km/h

Verbrauch WLTP: 8,5 l/100 km

Preis: ab 44 490 Franken

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