Kia

Grosser Wagen, kleiner Motor

Kia Optima Diesel

Kia Optima Diesel

Mit dem Kia Optima mit Dieselmotor versuchen die Koreaner einen ziemlichen Spagat.

Der Wagen, eigentlich für den US-amerikanischen Markt entwickelt, bewies, dass auch die Koreaner Hybrid können. Nun hat man noch ein konventionelles Modell nachgeschoben. Allerdings waren wir skeptisch, ob der kleine 1700er-Diesel den immerhin fast 485 cm langen und gut 1600 kg schweren Wagen auch in Fahrt bringen kann. Kann er, wenn auch nicht gerade forsch. Gekoppelt ist der aufgeladene Vierzylinder in unserem Fall an ein Automatikgetriebe mit sechs Stufen (Basisversion mit manuellem 6-Gang-Getriebe), welches sehr auf Komfort ausgelegt ist. Will heissen, die Schaltvorgänge finden nicht sonderlich schnell, dafür umso sanfter statt. Genau das richtige Rezept für ein Auto in dieser Klasse, denn der Viertürer soll ja kein Sport- sondern ein Allroundwagen sein.

Wie gesagt, die 136 PS des Diesels haben mit dem Kia nicht gerade leichtes Spiel. Aber es funktioniert, zusammen mit der Automatik, sogar richtig gut. Wenn man nur etwas mehr in die Schallisolation investiert hätte. Denselben Motor gibt es zum Beispiel auch im Hyundai i40, dort ist das Arbeitsgeräusch des Diesels deutlich besser gedämpft. Zur Maximalleistung von 136 PS gesellt sich ein Drehmomentmaximum von 330 Nm ab 2000 Umdrehungen. Für einen so kleinvolumigen Diesel ein guter Wert, entsprechend entspannt ist man mit dem Kia unterwegs. Hektik ist nicht das Ding des Koreaners. Er mags gemütlich. Diesem Fakt folgend ist auch die Abstimmung der Federelemente gewählt. Elegant rollt der Kia mit seiner Mehrlenker-Hinterachse auch auf schlechten Strassen ab. Wenn den Fahrer der Hafer sticht, gibts eine beachtliche Seitenneigung der Karosserie – aber alles im Rahmen dessen, was auch die Konkurrenz zu bieten hat.

Sehr schön am Optima i st das Platzangebot. Vorne sowieso, aber auch hinten hat der Kia eine Menge Platz zu bieten. Und unter dem Kofferraumdeckel lassen sich bis zu 505 Liter verstauen, für ein Fahrzeug mit Stufenheck ein richtig guter Wert. Die Bedienung gibt dem Kia-Fahrer keine Rätsel auf, der grosse Navibildschirm ist auch bei Sonnenschein gut ablesbar und vor allem ganz am oberen Rand der Mittelkonsole positioniert. Die Instrumentierung kann man als klassisch bezeichnen, doch ein Klassiker wird ja nur, wer sich bewährt. Allerdings löst der Blick in die Preisliste erst einmal Verwirrung aus. 42’900 Franken, das ist ein stolzer Preis für ein koreanisches Mittelklasseauto. Allerdings gibt es den Optima nur mit einer Komplettausstattung. Will heissen, es ist so ziemlich alles mit an Bord, das bei der Konkurrenz meist einen zusätzlichen Batzen verschlingt.

Ledersitze mit Heizung und Lüftung, eine Zweizonen-Klimaautomatik, DAB+-Tuner, ein Infinity-Soundsystem (12 Speaker), Tempomat und andere Annehmlichkeiten sind in diesem Preis bereits inkludiert. Als einzige Option nennt Kia beim Optima Diesel mit Automatik das Panorama-Glasdach. Da relativiert sich der hohe Basispreis ziemlich schnell. Leider kein Schnäppchen ist der Kia beim Verbrauch. Klar, 6,1 Liter pro 100 Kilometer sind nicht wirklich viel. Aber angesichts der gebotenen Motorleistung ist der Kia doch eher durstig. Und dies, obwohl während des Tests durchaus warme Temperaturen vorherrschten (sehr kurze Warmlaufphasen) und der Wagen mit Zurückhaltung bewegt wurde.

Trotzdem ist der Kia Optima Diesel ein richtig gutes Auto. Er bietet alles, was ein modernes Auto von heute bieten muss. Und, er ist durchaus chic. Einzig die grossen Emotionen sind dem Koreaner fremd, doch das muss ja kein Nachteil sein. Definitiv kein Nachteil ist die Garantie von sieben Jahren, so viel Vertrauen ins eigene Produkt haben nicht einmal die Hersteller der deutlich teureren Oberliga-Konkurrenz aus Deutschland.

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