Mercedes
Fast vergessener Oberklasse-Cruiser

Ob all den Neuheiten von Daimler ist die überarbeite E-Klasse von Mercedes aus dem Rampenlicht verschwunden.

Markus Chalilow
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Mercedes E-Klasse

Mercedes E-Klasse

HO

Vor allem mit dem neuen Design der A-, B-, un S-Klasse ist Mercedes-Benz derzeit in den Schlagzeilen. Dabei wurde eines der Zugpferde der Stuttgarter ebenfalls überarbeitet. Und zeigt sich im Test als feiner, zurückhaltender Begleiter.
Für einmal haben wir von einer Modellreihe nicht eines der Top-Autos im Test. «Unsere» E-Klasse war ein 250 CDI mit Allrad. Der Vierzylinder-Diesel im Bug leistet 204 PS, was für ein Auto dieses Ausmasses nicht üppig ist. Denkt man zumindest, wenn man die Werte auf dem Papier sieht. 0-100 km/h in 7,9 Sekunden sind aber doch ordentlich und ein maximales Drehmoment von 500 Nm aller Ehren wert. Das alles wird aus einem 2,2-L grossen Vierzylinder generiert. Damit der Fahrer möglichst wenig zu tun hat, ist die Sache bei unserem Testwagen mit der Siebenstufenautomatik sowie Allradantrieb kombiniert. Fahrstufe einlegen, Losrollen und es sich gemütlich machen lautet die Devise in der E-Klasse-Limousine. Sportliche Hektik streift man ziemlich schnell ab, der Benz mag einfach nicht geprügelt werden. Dafür gibt es andere Modelle, auch von Mercedes. «Unser» E ist irgendwie wie ein Butler. Er will es seinem Chef so einfach wie möglich machen, angenehm durch den Tag zu kommen. Dazu gehören auch zahllose Assistenzsysteme, reichliche Platz, feine Sitze. Steif wie ein altgedienter britischer Butler ist aber leider auch das Ambiente im Innenraum. Die Verarbeitung ist zwar schon sehr gut, alles ist dort, wo man es erwartet und die Bedienung ist – nach etwas Eingewöhnung – kein Problem. Premium halt, nicht weniger aber halt auch nicht mehr. Aber das Ganze wirkt aber in etwa so emotional wie wenn Günther Netzer über die deutsche Fussballnationalmannschaft parliert. Wer dies mag, der wird bei Mercedes sicher sehr gut bedient. Und: anders als bei Limousinen einiger anderer Hersteller, ist trotz Allrad kein unkonfortables Abrollverhalten auszumachen. Der E ist weder sportlich noch Sänftenhaft. Wie auch in allen anderen Punkten gilt auch beim Federungskomfort: bloss nicht auffallen.
Gar keinen Grund zur Klage gibt es hingegen beim Verbrauch, im Gegenteil! 6,3 Liter Diesel pro 100 Kilometer finden wir - ziemlich sensationell. Dazu trägt auch die gute Stopp-Start-Automatik bei. Am meisten aber hilft das gewisse Mass an Emotionslosigkeit. Denn der 250er-CDI animiert - wie bereits erwähnt - nicht zur Hektik. Er geht - ja, genau: wie ein altgedienter britischer Butler - gemessenen Schrittes durch die Verkehrswelt. Die Vorzüge des Allradantriebs konnten wir während der Testphase nicht wirklich erfahren, das Wetter war einfach zu gut. Aber, das man im Normalbetrieb absolut nix davon spürt ist in diesem Fall ein Lob. Und, die E-Klasse ist gar nicht mal so teuer. 67'700 Franken kostet das Auto, mit Automatik, mit Allrad und mit 540 Liter Kofferraumvolumen. Klingt vernünftig, oder? Theoretisch ja, aber unser Testwagen war dann schon etwas teurer. Allein für die Metalliclackierung in Iridium-Silber will man 1236 Franken. Zusammen mit der einen oder anderen Aufpreisposition kommt unser Wagen dann auf 100'630 Franken zu stehen (ohne den Abzug der so angesagten Rabatte).
Dennoch ist die überarbeitete E-Klasse sicher ein grundsolides Fahrzeug mit hervorragenden Garantie- und Serviceleistungen. Wer einen unaufälligen, zeitlosen Begleiter sucht, kann mit dem Benz sicher glücklich werden. Auch mit einem Vierzylinder-Diesel im Bug.

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