Volvo Cross Country

«Zu Hause, wo andere nur testen»

Volvo V60 Cross Country

Volvo V60 Cross Country

Erste Ausfahrt mit dem Volvo V60 Cross Country auf Eis und Schnee im Norden Schwedens.

Es ist eine trockene, eisige Kälte, von der man empfangen wird in Luleå (ausgesprochen Luleo), im Norden Schwedens. Sitz- und Lenkradheizung sind willkommene Helferlein, um der Kälte zu entkommen. Doch der Fahrinstruktor, der auf der Eisfläche Anweisungen gibt, steht draussen, während das Thermometer –26 Grad anzeigt. Und man fragt sich: Wie macht er das?
Natürlich ist er gut und warm eingepackt. Man kann jedoch dem Schweden einen gewissen Heimvorteil nicht absprechen, schliesslich ist er den nordischen Winter gewohnt. Den selben Heimvorteil will auch Volvo für sich in Anspruch nehmen. Während andere Hersteller jeden Winter in den Norden Schwedens reisen, um neue Modelle vor dem Serienstart für einige Wochen in der Kälte zu testen, ist Volvo dort zu Hause.
Das macht der jüngste Wurf aus Schweden glaubwürdig nachvollziehbar, nicht nur, weil die Heizung den Kombi auch in der extremen Kälte zuverlässig warm kriegt. Vor allem zeigt der Cross Country auf den unterschiedlichsten schwierigen Strassenverhältnissen, dass er hier entwickelt wurde. Auf der Eisfläche des zugefrorenen Sees demonstriert der Kombi, dass er sich auch im Grenzbereich gut beherrschen lässt. Wie im hohen Norden üblich, wurde der Grip mit Spike-Reifen zusätzlich erhöht, was vor allem auf dem Eis einen merkliche Unterschied macht.
So oder so, es ist spürbar, dass der V60 sehr fein ausbalanciert ist und sich sicher und neutral bewegen lässt. Das ESP lässt sich, wie bei allen Volvo-Modellen, nicht komplett deaktivieren. Stattdessen gibt es einen Sport-Modus, der unter diesen Bedingungen viel Fahrspass erlaubt, den Schwedenkombi aber sicher zurück auf die Spur regelt, wenn man es zu bunt treibt.

Schwedischer Strassenalltag
Ob in Schweden oder in der Schweiz: Auf einer abgesperrten, vereisten Fläche ist man nur selten unterwegs. Viel wichtiger ist natürlich, wie sich das Auto auf der Strasse anfühlt. Hier bietet die Gegend um Luleå beste Testbedingungen. Denn schon um 16 Uhr herrscht Dunkelheit. Es ist kalt, die Strassen sind teilweise vereist und mit zahlreichen Schlaglöchern gespickt. Der V60 Cross Country lässt sich davon nicht beeindrucken. Der Cross Country liegt im Vergleich zum normalen V60 rund sechs Zentimeter höher. Das verschafft ihm nicht nur mehr Bodenfreiheit für leichte Offroad-Passagen, sondern vor allem auch mehr Federweg für schlechte Strassen. So wirkt er auf den malträtierten schwedischen Pisten sehr souverän und ruhig. Natürlich spürt man in Kurven mehr Seitenneigung, doch der Zugewinn an Fahrkomfort passt sehr gut zum gediegenen Ambiente im Kombi, der darüber hinaus mit seiner Laufruhe und der sehr guten Verarbeitung im Innenraum punktet. Nebst den zahlreichen Assistenzsystemen ist es im hohen Norden vor allem das starke LED-Matrix-Licht, das für
Sicherheit durch gute Sicht sorgt. So kann der V60 Cross Country gerade unter diesen Umständen überzeugen – und dürfte auch auf Schweizer Strassen eine gute Figur machen.


Keine Wahl unter der Haube
Einzig verfügbare Motorisierung für den abenteuerlustigen Kombi, der nebst höher gelegtem Fahrwerk auch eine etwas rustikalere Optik mit soliden Plastik-Beplankungen rundum bietet, ist ein 2-Liter-Diesel mit 190 PS und 400 Nm Drehmoment. Allradantrieb und 8-Stufen-Automatik sind im Grundpreis von 59 500 Franken enthalten. Der Selbstzünder überzeugt mit ruhigem Lauf und linearer Kraftentfaltung, wodurch er durchaus souverän wirkt. Laut Werk will er mit 5,1 Litern Diesel auf 100 Kilometer auskommen. So lässt der Diesel eigentlich auch keine Wünsche offen. Wer allerdings etwas mehr Zukunft im Volvo will, sollte nach wie vor zum «normalen» V60 greifen. Der ist nun auch mit 390 PS starkem Plug-in-Hybrid-Antrieb zu haben. Mit der Kombination aus einem 2-Liter-Benziner und einer E-Maschine an der Hinterachse beschleunigt der Allradkombi in rund fünf Sekunden auf 100 km/h; zudem schafft er bis zu 50 Kilometer rein elektrisch, wodurch der Normverbrauch auf 1,9 l/100 km sinkt. Die Kombination aus den beiden Antriebsarten funktioniert geschmeidig und unauffällig, wodurch der Kombi kraftvoll und kultiviert wirkt. So wird aus dem V60 ein gesitteter Sportkombi im schicken skandinavischen Designerkleid. Mit mindestens 76 800 Franken hat der aber auch seinen Preis.

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