Tesla

Willkommen in der Familie

Tesla Model X P100D

Tesla Model X P100D

Mit einem Tesla kauft man sich nicht nur ein Auto – sondern ein Eintrittsticket. Eine Woche mit dem Model X.

«Ist das jetzt so ein Tesla, von dem alle reden?», fragt die interessierte Passantin. Ja. So einer ist das. Und ja, es wird viel geredet. Über Finanz-Engpässe, ausbleibende Gewinne und Produktionsprobleme. Aber lassen wir das mal bei Seite und reden über das Auto: Das Model X, den jüngsten Wurf aus Elon Musks Schmiede. Mit dem Model X erschliessen die Amerikaner das, nicht nur im Heimmarkt, enorm wichtige SUV-Segment. Und das auf zunächst mal typisch amerikanische Weise.
Gut fünf Meter lang und mit Spiegeln 2,27 Meter breit. Dafür gibt es, je nach Konfiguration, Platz für fünf, sechs oder sieben Personen. Dank der nach hinten abfallenden Dachlinie und reduziertem Design wirkt das SUV aber auf den ersten Blick weit weniger wuchtig, als man angesichts der Abmessungen meinen möchte. An Showeffekt mangelt es dem Amerikaner aber freilich nicht. Die Fahrertür schwingt automatisch auf, wenn sich der Fahrer ihr annähert, und schliesst sich beim Tritt auf die Bremse wie von Geisterhand.
Für richtig grosses Staunen sorgen aber schliesslich die hinteren Türen, die sich nach oben öffnen – laut Tesla-Namensgebung wie die Flügel eines Falken. Alle Türen sind dank Sensoren schlau genug, nicht an benachbarte Autos, Wände oder Decken zu schlagen. Das Einsteigen gestaltet sich dann in engeren Parklücken vielleicht ungewohnt – ist dafür aber auch von vorne problemlos möglich. Durch den dicken Dachholm ist die Kopffreiheit auf dem Mittelsitz etwas eingeschränkt, dafür geniesst man links und rechts viel Raum nach oben – und dank Glasdach gutes Raumgefühl.

Die riesige Windschutzscheibe sorgt für viel Licht im Cockpit.

Tesla Model X P100D

Die riesige Windschutzscheibe sorgt für viel Licht im Cockpit.


Bekannt geschmeidig
Das Fahren an sich gestaltet sich, bis auf die grösseren Abmessungen, bekannt geschmeidig. Die Technik ist schliesslich grösstenteils identisch zur Limousine Model S. Neu ist – für beide Modelle – die getestete Top-Antriebsvariante P100D mit 611 PS. Ausserdem verspricht Tesla, dass der 2,5-Tönner in sagenhaften 3,1 Sekunden aus dem Stand bis 100 km/h sprinten soll. Das glaubt man sofort, wenn man das Fahrpedal einmal kräftig betätigt: Ansatzlos sprintet der Allradler nach vorne und presst seine Passagiere heftigst in die Polster. Ohne Gedenksekunde oder Schaltpause.
Dazu gesellt sich guter Federungskomfort dank Luftfederung, fast geräuschloser Antrieb und unschlagbar geschmeidiger Vortrieb. Der E-Antrieb kann hier seine konzeptbedingten Stärken voll ausspielen und sorgt für sehr souveränes Fahren mit fast endlosen Leistungsreserven. Nur auf gröberen Bodenwellen geht ein leichtes Zittern durch den Wagen – ein Tribut an die grossen Einstiegsöffnungen der Flügeltüren. Auch das hohe Gewicht kann der SUV in Kurven nicht ganz verbergen – auch das ist nun mal Teil des Konzepts.
Vor allem auf Autobahnen und gut ausgebauten Landstrassen, wo die Elektronik das Steuer übernehmen kann, punktet das Model X dafür mit noch mehr Komfort: Schlussendlich ist der sogenannte Autopilot zwar nicht mehr als ein Spurhalteassistent mit Radartempomat, wie ihn auch andere Hersteller anbieten. Doch das System funktioniert sehr zuverlässig und hält die Spur stoisch, ohne Schlangenlinien zu fahren. Auch beim Autopiloten sollten die Hände am Steuer und die Augen auf der Strasse bleiben. Eingreifen muss man aber sehr selten – in der Regel nur, wenn in Baustellen zusätzliche Linien das Kamera-Auge verwirren. Das entlastet den Fahrer auf langen Reisen enorm. Und lange Reisen sind mit dem Elektro-SUV problemlos möglich.

Bis zu sieben Personen sitzen im Model X - der Einstieg nach hinten erfolgt durch die nach oben öffnenden Türen bequem.

Tesla Model X P100D

Bis zu sieben Personen sitzen im Model X - der Einstieg nach hinten erfolgt durch die nach oben öffnenden Türen bequem.

Strom und Kaffee
Im Fahrzeugboden des Model X ist eine gigantische Batterie von rund 600 kg verbaut. Sie speichert 100 Kilowattstunden Strom, was laut Normzyklus für 542 Kilometer elektrische Fahrt reicht. Im Alltag sind es, je nach Fahrweise, 350 bis 420 Kilometer – mit Klimaanlage und ohne dabei als Verkehrshindernis im Windschatten von Lastwagen durchs Land zu schleichen, wohlgemerkt. Das reicht längst für den Alltag, zumal die Schweiz mit inzwischen elf «Superchargern» gut abgedeckt ist.
An den Tesla-Ladestationen lässt sich der Stromer in 20 bis 30 Minuten wieder zu 80 Prozent laden. Nebst den offiziellen Ladestationen und der Dose zu Hause gibt es schliesslich noch die E-Auto- und Tesla-Fangemeinde. Bei kaum einer anderen Marke dürfte der Gemeinschaftsgedanke unter den Fahrern so stark ausgeprägt sein wie bei den amerikanischen Stromern. Man kommt an der Schnellladesäule ins Gespräch und tauscht sich aus. Man winkt sich zu und grüsst. Und: Man hilft sich gegenseitig aus, wenn man mal Strom braucht. Im Stromtankstellen-Finder «Lemnet.org» finden sich zahlreiche Ladestationen, oftmals auch von Privatpersonen zur Verfügung gestellt.
So auch im Industriegebiet von Villmergen (AG). Während ich sicherheitshalber noch etwas Energie für die Weiterfahrt auftanke, spendiert der «Tankstellenbetreiber» und Tesla-Fahrer Kaffee und Kekse. Wir plaudern über Gott und die Welt, bis schliesslich wieder 60 Kilometer mehr auf dem Bordcomputer stehen. Nach einer Woche mit dem Model X fühlt man sich bereits aufgenommen in der «Tesla-Familie». Der Eintritt kostet mit dem Model X allerdings mindestens 92 100 Franken. Den irrsinnig schnellen P100D gibts ab 149 700 Franken.

Tesla Model X P100D

Tesla Model X P100D

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