Mazda
Wiederbelebung für den Wankelmotor

Im elektrisch angetriebenen Mazda 2 EV feiert der Wankel als Generator eine Rückkehr.

Markus Chalilow
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Mazda 2 EV Range Extender

Mazda 2 EV Range Extender

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Mazda Wankel-Range-Extender-Modul Das Modul mit dem Range Extender wird unter den Kofferraum montiert und wiegt betriebsbereit 100 kg.

Mazda Wankel-Range-Extender-Modul Das Modul mit dem Range Extender wird unter den Kofferraum montiert und wiegt betriebsbereit 100 kg.

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Der Wankel lebt. Und natürlich bei Mazda. Die Japaner haben nie aufgehört, die Idee des Kreiskolbenmotors weiterzuverfolgen. Aber anstatt als Antrieb für ein Fahrzeug kommt der neuste Wankelmotor als Generator zum Einsatz. Wir sind den Mazda 2 mit Elektroantrieb und Range Extender bereits gefahren und waren begeistert!
Nicht, weil der Mazda 2, der in Japan Demio heisst, ein atemberaubendes Modell ist. Erst recht nicht wegen der Fahrleistungen, die liegen auf dem «üblichen» Niveau für ein Fahrzeug dieser Machart (zum Beispiel den Renault Zoe). Aber Mazda hat mit dem Einscheiben-Wankel-Range-Extender offenbar ein Problem gelöst, das viele Autos mit Reichweitenverlängerer haben. Schaltet sich der Generator zu, rappelt und rumpelt es im Auto, die Soundkulisse – zum Beispiel beim mittlerweile nicht mehr gebauten Fisker Karma – war schlimm. Aber auch an Bord des Opel Ampera oder Chevrolet Volt ist es nicht gerade eine Wonne, dem kleinen Vierzylinder im Bug zuzuhören. Beim Mazda 2 hingegen hört man fast nichts, wenn der «Einzylinder» anspringt. Und spüren, dass der kleine Motor läuft, tut man auch nicht. Denn: Ein Kreiskolbenmotor erzeugt aufgrund seiner Bauart nahezu keine Vibrationen. Gestartet wird ohne die Hilfe des Range Extender, ab ca. 12 km/h schaltet er sich im Bedarfsfall zu und arbeitet dann extrem unauffällig bei drei definierten Drehzahlen, je nachdem, wie viel Leistung abverlangt wird. Bei der Höchstdrehzahl von 4500/min leistet der Motor mit einem Kammervolumen von 330 cm3 rund 30 PS. Maximal wären 38 PS bei 6000/min möglich.

Dank des Generators verdoppelt sich die Reichweite des kleinen Flitzers. Wie gross diese genau ist, liess sich leider nicht erkunden. Gemäss der japanischen Testnorm kommt der normale Mazda 2 EV rund 200 Kilometer weit. Dank des Range Extender soll sich diese Zahl verdoppeln. Wir gehen davon aus, dass 120 plus 120 Kilometer realistisch sind.
Mazda will mit dem System sogar noch einen Schritt weitergehen und den Wankel-Generator als Notstromgruppe einsetzen. Das kleine Ding hat nämlich richtig Power. Einen Output von 20 kW schaffen sonst nur mächtige Dieselgeneratoren, die weit über 500 kg wiegen. Wie bei allen Verbrennungsmotoren ist es zudem theoretisch auch beim Wankel möglich, als Treibstoff Butan- oder Propangas zu verwenden. Wir sind gespannt, was die Wankel-Tüftler aus Hiroshima sonst noch so an Pfeilen im Köcher haben. Mittlerweile sind die Japaner nicht mehr die Einzigen, die sich dem Thema widmen. Offiziell hat Audi die Entwicklung eines Wankel-Range-Extenders zwar eingestellt. Daran gearbeitet wird aber in Deutschland nach wie vor...
So ganz nebenbei arbeitet man bei den Japanern noch an einer ganz anderen Revolution. Bis 2018 will man die aktuellen Skyactiv-Benzintriebwerke so weit haben, dass sie wie eine Kombination aus Benzin- und Dieselmotor funktionieren. Will heissen: Verdichtung bis 18:1, kombinierte Direkt- und Saugrohreinspritzung, Zünd- und Glühkerze und natürlich voll variable Ein- und Auslassteuerung. Daran haben sich schon Giganten wie Mercedes versucht. 2007 zeigte Daimler im Versuchsfahrzeug F700 erstmals so ein Triebwerk mit dem Namen Diesotto. Seither herrscht in diesem Bereich Funkstille. Sollte es Mazda tatsächlich gelingen, einen solchen Motor zur Serienreife zu entwickeln, spricht man von einer Verbrauchseinsparung von 30 Prozent. Eine unglaubliche Reduktion, die einer motorentechnischen Revolution gleichkommen würde. Und dass man bei Mazda hartnäckig ist, wenn man ein Ziel verfolgt, zeigt sich ja beim Wankelmotor.

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