Toyota
Sparmeister mit integrierter Steckdose

Drei volle Monate stand der Toyota Prius Plug-in-Hybrid im Dienst der Redaktion

Markus Chalilow
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Toyota Prius Plug-in

Toyota Prius Plug-in

HO

Er ist extrem sparsam, ziemlich komfortabel und von den Abmessungen her auch grossstadttauglich. Aber er ist schon sehr teuer. Denn mit dem zusätzlichen Akkupack unter den Rücksitzen kostet der Prius mindestens 51 900 Franken. Unser Testwagen mit der umfangreichsten Serienausstattung (Sol Premium) war mit einem Basispreis von über 61 000 Franken alles andere als ein Schnäppchen. Klar, es war alles mit an Bord, was das Leben leichter und angenehmer macht. Schaut man sich die Preisdifferenz zum «normalen» Prius an, wird klar, dass der Plug-in nie zum Topseller in der Hybridflotte der Japaner wird. Satte 13 000 Franken beträgt der Aufpreis zum nicht aufladbaren Prius. Ein solcher Aufschlag sollte aber auch einen entsprechenden Mehrwert – nicht nur bei der Ausstattung – generieren.
Klar, für typische Pendler bietet die Plug-in-Variante schon einige Vorteile. Im besten Fall kamen wir mit einer Akkuladung 20 Kilometer weit, ohne dass sich der Verbrennungsmotor zuschaltete. Und weil man das Fahrzeug an der Steckdose «vorheizen» kann, verfügt der Plug-in über eine integrierte Standheizung. Im Winter ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn erstens ist es im Auto dann ab Start schon angenehm warm, und zweitens geht viel weniger der gespeicherten Energie zum Heizen drauf. Bei extremer Kälte schrumpft die Reichweite im Elektromodus dennoch auf rund 12 Kilometer. Wir haben zudem versucht, eine typische Woche von Herrn und Frau Schweizer nachzubilden. Also von Montag bis Freitag ins Büro pendeln, abends jeweils noch kurz ins Kino oder zum Grosseinkauf und am Weekend ein längerer Ausflug mit Kind und Kegel. Das Resultat: 509 Kilometer absolviert, 30,7 kW/h Strom in die Akkus gefüllt und dazu genau 20,38 Liter Benzin (Bleifrei 95) verbraucht.
Doch auch ohne eine Steckdose in der Nähe ist der Toyota sparsam. Einen Trip nach Stuttgart erledigten wir mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,1 Liter. Toll! Und wenn wir gerade vom Stromnachtanken reden. Hier ist Toyota in der Schweiz sehr konsequent. Im Kaufpreis des Autos ist eine Ladestation und deren Montage zu Hause inbegriffen. Das ist wirklich durchdacht. So kann man als Plug-in-Besitzer von der Schnellladestation profitieren. Wir hatten keine solche Wallbox, trotzdem dauert das volle Aufladen der Akkus mit dem liebevoll «Grossmutterkabel» genannten Anschluss keine zwei Stunden.
Praktisch ist auch das kleine Fach im Kofferraumboden, in dem sich Kabel, Adapter etc. verstauen lassen. Zu schätzen weiss man auch, dass der Anschluss am Auto beleuchtet ist und man also nachts nicht mit der Taschenlampe ausrücken muss, um den Prius anzustöpseln. Die Technik scheint zudem absolut ausgereift: keine einzige Fehlermeldung, keinerlei aussergewöhnliche Vorkommnisse, der Prius läuft und läuft und läuft. Über die Gesamtdistanz von fast 6000 Kilometern verbrauchten wir mit dem Japaner im Schnitt 4,4 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Dazu kommen noch rund 80 kW/h Strom, dessen Preis natürlich je nach Anbieter deutlich differieren kann. Wie gesagt, mit Freude am Fahren oder anderen Emotionen, welche Autofahren eigentlich zum Erlebnis machen, hat der Prius Plug-in nicht wirklich viel am Hut. Dafür motiviert er zu einer sehr sparsamen Fahrweise. Und damit hat Toyota das Ziel wohl erreicht.

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