Die Verkäufe von E-Autos legen stetig zu; zwar noch auf kleinem Niveau, doch der Trend ist klar: Die Marktanteile wachsen. Auf einen Gesamtmarkt von knapp 300 000 Neuwagen kamen zwar 2018 nur 5408 reine Stromer, doch das ist immerhin ein Zuwachs von 8,5% gegenüber 2017. Das liegt vor allem am immer breiteren Angebot an Stromern, die darüber hinaus mit immer höherer Reichweite aufwarten. Augenfällig wird das bei Hyundai. Während der 2016 erschienene Ioniq als reiner Stromer noch mit 280 Kilometern Reichweite, gemessen im eher beschönigenden NEFZ-Zyklus, auskommen musste, bietet der jüngste Stromer der Südkoreaner schon deutlich mehr: 449 Kilometer nennt Hyundai, gemessen nach der strengeren WLTP-Norm.


Genug Strom
Ein klarer Fortschritt innerhalb von nur drei Jahren, der sich im Alltag deutlich bemerkbar macht. Gerade im Winter, wenn die Temperaturen um den Gefrierpunkt liegen. Dann büssen E-Autos immer an Reichweite ein, weil die Batterie weniger effizient arbeiten kann und darüber hinaus viel Strom für die Heizung benötigt wird. So ist man froh um jede Kilowattstunde, die der Akku aufnehmen kann, um die viel zitierte Reichweitenangst zu vertreiben.
Tatsächlich schafft der Kona im Test etwas, was bisher nur wenige E-Autos schaffen: Man vertraut ihm und zweifelt nie daran, auch tatsächlich am Ziel anzukommen, ohne sich ständig Sorgen um die Reichweite zu machen. Das liegt zum einen an der präzisen und konstant arbeitenden Berechnung der verbleibenden Reichweite, und zum anderen am effizienten Antrieb mit leistungsfähiger Batterie.
Diese speichert bis zu 64 Kilowattstunden. Damit sind auch im Winter 350 Kilometer problemlos möglich, was für den Alltag völlig ausreichend ist. Für längere Strecken lässt sich der Kona an CCS-Schnellladesäulen mit bis zu 100 kW beladen, sodass er nach 54 Minuten wieder zu 80% geladen ist. Mit der wachsenden Anzahl an solchen Schnellladern werden auch lange Reisen mit dem E-Auto immer einfacher. An den weitverbreiteten Wallboxen mit Wechselstrom kann der Kona mit bis zu 7,2 Kilowatt einphasig laden. So kann der Koreaner zwar das Potenzial vieler Ladestationen, die 11 oder gar 22 kW bieten nicht komplett ausnutzen. Da er aber mit nur rund 14 bis 18 kWh auf 100 Kilometer auskommt, lassen sich so dennoch bis zu 50 Kilometer Reichweite pro Stunde nachladen. Vorbildlich ist der Kona electric nicht nur bei den Lademöglichkeiten, sondern auch bei den dazugehörigen Einstellungen. So lässt sich die Ladung limitieren, damit die Batterie nicht ganz voll geladen wird. Das macht Sinn, wenn man ohnehin nur kurze Strecken fährt. Wird die Batterie zu 100% geladen, wird sie deutlich stärker belastet und nutzt sich früher ab. Diesen täglichen Stress kann man dem Akku ersparen.


Genug Kraft
Das Fahren an sich ist im kompakten Stromer durchaus komfortabel und souverän. Das liegt in erster Linie an den typischen E-Auto-Stärken: Der Antrieb ist praktisch geräuschlos und stellt seine Kraft jederzeit und unmittelbar zur Verfügung. Darüber hinaus ist der E-Antrieb unschlagbar geschmeidig. Mit 204 PS und 395 Nm Drehmoment ist der knapp 1,7 Tonnen schwere Kona electric durchaus auch flott unterwegs, wenn man dies wünscht.
Bei tiefen Geschwindigkeiten kommt die angetriebene Vorderachse durchaus ab und zu an ihre Grenzen und die Traktionskontrolle muss aushelfen.
Jederzeit spürbar ist auch, dass beim E-Auto das Gewicht anders verteilt ist: Kein schwerer Motor unter der Haube, dafür ein gewichtiger Akku, der im Fahrzeugboden verbaut wurde. So liegt der Schwerpunkt tief, wodurch sich der kompakte Crossover in Kurven noch handlicher anfühlt und kaum neigt. Allerdings musste das Fahrwerk auf das höhere Gewicht angepasst werden. Bei tiefen Geschwindigkeiten fühlt sich die Federung daher teilweise etwas trocken an. Bei Autobahntempo wirkt der Hyundai dann aber sehr komfortabel und feinfühlig.


Genug Argumente
Mit vernünftigen Lademöglichkeiten, sehr guter Reichweite und spritzigem wie komfortablem Antrieb kann der elektrische Kona also im Alltag sehr wohl überzeugen. Hinzu kommen das geräumige Platzangebot vorne wie hinten sowie ein Kofferraum mit 332 bis 1114 Liter Stauraum. Das macht den Koreaner zum rundum stimmigen Auto, das zeigt, dass auch ein E-Auto perfekte Alltagstauglichkeit und viel Fahrspass liefern kann, ohne dabei in hohe Preissegmente vorzustossen. Der Kona electric ist ab 46 990 Franken zu haben. Das ist freilich deutlich teurer als ein vergleichbarer Benziner, den es bei Hyundai schon ab 37 900 Franken gibt. Andererseits spielt der Kona im selben Preissegment wie ein BMW i3 oder ein Nissan Leaf, bietet aber deutlich mehr Reichweite und mehr Alltagsnutzen. Darüber hinaus muss der Preis beim E-Auto ohnehin relativiert werden.
Deutlich tiefere Unterhalts- und Betriebskosten machen den Stromer auf lange Sicht auf jeden Fall zur günstigeren Alternative. Nicht zuletzt dieser Umstand dürfte für die steigende Beliebtheit verantwortlich sein, zumal viele Kantone auch Nachlass bei den Strassenverkehrsabgaben gewähren.