«Brrooong». So in etwa klingt es, wenn die scharfen R-Modelle aus dem VW-Konzern mit ihren DSG-Getrieben unter Volllast die nächste Getriebestufe einlegen. Nicht etwa, weil das Getriebe defekt ist, sondern der Geschwindigkeit wegen. Denn um den Gangwechsel so schnell wie möglich zu erledigen wird die Zündung zurückgenommen, die Einspritzmenge kurz angepasst und der Ladedruck abgesenkt. Und dann klingt das halt so. Im ersten Moment merkwürdig, im zweiten dann aber irgendwie gut. Vor allem, weil die turbogeladenen Vierzylinder heutzutage sowieso kaum mehr nach irgendwas klingen. Da freut man sich über jeden Strohhalm. Und so überrascht es dann auch, dass das Golf R Cabriolet ständig «Brrooong't», ohne das es auch nur im entferntesten den Gang gewechselt hat. Denn das «Brrooong» gibt es scheinbar nicht nur beim Schalten, sondern auch in der ersten Stufe des ESP-Regelvorgangs. «Scheinbar» schreiben wir deshalb, weil uns das vorher noch nie aufgefallen ist. Was nicht daran liegt, dass wir nie in die Regelbereiche des Schleuderkontrolleurs vordringen, nein, sondern eher daran, dass die R-VWs normalerweise keine Traktionsprobleme haben. Denn Golf R gleich Allrad. 

Das Golf R Cabriolet ist aber eigentlich ein Golf Cabriolet, dem man einen Scirocco R untergeschoben hat. Ergo: keine 270 PS und Allrad, sondern 265PS und Frontantrieb. Eine gute Kombination, wenn man bei handwarmem Asphalt und Sonnenschein durch die weiten Bögen der Voralpen fährt. Keine gute Kombination, wenn man bei Schneeregen und 1°C auf der Anfahrt zum Col de Turini in den französischen Seealpen ist.

Denn vor lauter «Brrooong» kommt man kaum vorwärts. Ständig regelt Dir die Elektronik die Leistung raus. Rennen gewinnt man mit dem Golf R Cabriolet also schon mal nicht. Was dann? Im Alltag funktionieren. Golf sein.  Ob mit Dach, oder ohne – das spielt dabei keine Rolle. Das look&feel ist einfach gut, da gibt es nichts zu kritisieren. Und es spielt auch nicht wirklich eine Rolle, dass der Unterbau vom Scirocco kommt und noch nicht auf dem oft gepriesenen, modularen Querbaukasten des Golf 7 aufbaut. Schliesslich war der Golf 6 kein schlechtes Auto.

Man muss sich also vom R-Gedanken lösen, denn das hochgerüstete Cabriolet ist kein Rennwagen, er ist schlicht das Topmodell der Baureihe. Und passt damit bestens an die Côte d’Azur. Überall wird ein bisschen dick aufgetragen. Von allem das Feinste und Beste genommen um zu vertuschen, dass das Wesentliche ein wenig in die Jahre gekommen ist. Das Rezept funktioniert, schliesslich ist  der offene Leitgolf trotz seines horrenden Basispreises für den Sommer bereits ausverkauft. Verstehen kann man die Besteller. 265 PS sind nicht wegzudiskutieren und bei trockener Strasse gewinnst man dank des feinen Doppelkupplungsgetriebes das Gros der Ampelstarts, ohne an der Tankstelle in Panik geraten zu müssen. Und wenn das Dach auf ist, der Wind an der Frisur zerrt und man das Leben in vollen Zügen geniesst, dann vergisst Du sowieso das Zeitenfeilen. Und «Brrooong» macht es dann auch nur noch beim Schalten. Recht so.