Test: Toyota RAV4

Platz statt Durst

Der Toyota RAV4 will Gegensätze vereinen: Bringt das SUV im Test Vernunft und SUV-Feeling unter einen Hut?

SUV sind ein interessantes Phänomen. Sie sind vielerorts verhasst, gelten als unnötig und nicht mehr zeitgemäss. Doch: Sie verkaufen sich wie warme Weggli. Kaum ein Hersteller kommt mehr darum herum, ein SUV anzubieten. Bei vielen Marken verdrängen die hochbeinigen Geländewagen-Abkömmlinge gar Vans und Kombis.
Auch bei Toyota steht mit dem RAV4 ein SUV in der vordersten Reihe; mit bisher 488 Zulassungen ist er 2019 das zweitbeliebteste Modell der Japaner in der Schweiz. Sein Erfolgsrezept: Er will die beliebte SUV-Karosserie dank Hy-brid-Antrieb mit viel Vernunft kombinieren. Einen Benzinverbrauch von 4,5 l/100 km verspricht Toyota für den 4,60 Meter langen Fronttriebler; die Allrad-Version wäre gar noch um einen Zehntel sparsamer. Das nimmt SUV-Kritikern, zumindest in Sachen Verbrauch, schon gehörig Wind aus den Segeln.
Trotzdem fühlt sich der RAV4 von Anfang an wie ein echtes SUV an. Ob die kantige Formensprache gefällt oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Fest steht jedoch, dass der Japaner selbstbewusst auftritt und dem Fahrer viel Sicherheit vermittelt. Man sitzt angenehm hoch und blickt über die wuchtige Haube hinweg, sodass man das Gefühl hat, viel Auto um sich herum zu haben. Bis zu 1690 Liter Kofferraum und viel Beinfreiheit auch im Fond unterstreichen diesen Eindruck. Trotzdem gibt sich das SUV eher sanft als rustikal, die Federung eher sanft als sportlich und auch die Lenkung ist leichtgängig, dafür aber auch nicht sehr mitteilsam. Das passt zum Gesamtkonzept. Wer einen Sportwagen sucht, ist hier an der falschen Adresse. Obwohl der Hybridantrieb mit 222 PS durchaus Leistungsreserven hat, wird er lieber gediegen als sportlich gefahren. Das stufenlose Getriebe lässt den Motor bei voller Beschleunigung immer noch etwas angestrengt wirken, auch wenn Toyota dieses Problem mit dem neuen RAV4 massiv verbessert hat. Ausserdem ist das im Alltag so gut wie nie nötig. Der Antrieb reagiert unverzüglich auf Gasbefehle, wirkt souverän und geschmeidig und hält sich vor allem auch beim Verbrauch zurück: Im Test auf Winterreifen waren es schliesslich 5,4 l/100 km. Wer sehr vorausschauend und umsichtig fährt, kann zeitweise auch mit weniger als 5 l/ 100 km auskommen. Das ist für ein SUV dieser Grösse beachtlich – vor allem für einen Benziner. Das macht den Toyota RAV4 zu einem bequemen und vernünftigen Alltagsbegleiter, der viele SUV-Vorteile bietet, einige der typischen Nachteile solcher Fahrzeuge aber vermeidet. Mit konventionellem Benzinmotor ist der RAV4 ab 30 900 Franken erhältlich; die Hybrid-Varianten starten bei 36 900 Franken. Dieser Aufpreis lohnt sich allemal.

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