Es ist vieles im Umbruch bei VW; das zeigt sich nicht zuletzt auch an den Verkaufszahlen in der Schweiz. Per Ende März fehlten mit 7246 Zulassungen im Vergleich zum Vorjahr satte 15,5%. Bis Ende Mai hat sich die Marke wieder etwas gefangen, es fehlten mit 13 933 Zulassungen noch 9,9% zum Vorjahr. Denn: Die neuen Modelle kommen im Markt an, allen voran der neue Tiguan. Erstmals hat man bei VW mehr SUVs als Limousinen verkauft, was diesen Trend klar bestätigt. Und: Es geht weiter mit Neuheiten. Der überarbeitete Golf kommt nun in immer mehr Motorvarianten in der Schweiz an, gegen Ende des Jahres folgt mit dem neuen Polo die Neuauflage eines bewähren Verkaufsschlagers, mit der Langversion «Allspace» des Tiguan und dem kompakten T-Roc folgen zwei weitere SUV-Variationen, die sich ebenfalls gut verkaufen dürften. Man hat also allen Grund, optimistisch zu sein - zumal mit dem Arteon nun eine weitere Modellreihe lanciert wird. Der Arteon bereichert das Programm als coupéhafte Alternative zur Passat-Limousine.

Ausblick auf die Zukunft

Der Arteon soll, so VW, die progressive Designsprache der Marke verkörpern und damit einen ersten Schritt in die Zukunft machen. Das gelingt der schnittigen Limousine gut, hebt sie sich doch deutlich von der restlichen Palette ab und ist weit mehr als einfach nur ein Passat mit Coupé-Heck. An der Front fällt der breite und weit nach unten gezogene Kühlerschlund auf, dessen Streben nahtlos in die LED-Signatur der Tagfahrleuchten übergeht. Das Heck wird von klaren Flächen und einer diskret integrierten Abrisskante dominiert. In der Seitenansicht sorgen derweil betonte Radläufe für einen stimmigen Auftritt.
Damit hat der Arteon im Vergleich zum CC, was die Optik angeht, deutlich zugelegt und sichert sich auf jeden Fall eine Ausnahmestellung im VW-Programm.
Im Interieur waren die Wolfsburger allerdings weniger mutig. Hier merkt man die enge Verwandtschaft zum Passat deutlich. Das ist auf keinen Fall schlecht - Ergonomie und Bedienerfreundlichkeit zählen zum Besten, was man vorfinden kann - nur hätte man vielleicht noch etwas mehr Extravaganz einpflegen können.
Auffällig ist, im Vergleich zum Passat, die geringere Kopffreiheit, was der flacheren Dachlinie geschuldet ist. Grossgewachsene wünschen sich daher eine etwas tiefere Sitzposition, was die sportliche «R-Line»-Ausstattung ein Stück weit bieten kann. Natürlich leidet die Kopffreiheit auch im Fond leicht, die Beinfreiheit ist aber mehr als ausreichend. Zudem punktet der Arteon mit seiner oben angeschlagenen Heckklappe, wodurch sich der Kofferraum gut beladen lässt. Der Laderaum ist mit 563 bis 1557 Litern zudem sehr grosszügig - die Passat Limousine fasst maximal 1152 Liter.

Für den Arteon bietet VW zum Marktstart sechs Motorvarianten an; drei Diesel und drei Benziner. Die Benziner mit 1,5 oder 2-Litern Hubraum mit 150 bis 280 PS, die 2-Liter Diesel mit 150 bis 240 PS; die stärksten Varianten verfügen serienmässig über Allradantrieb und DSG-Automatik. Für die ersten Testfahrten standen die beiden vorläufigen Topmodelle bereit. Der Benziner überzeugt mit guten Manieren und viel Temperament - im Sportmodus wird der Klang im Innenraum nachgeschärft.
Topmodell bei den Selbstzündern ist der ebenfalls bekannte 2-Liter-Bi-Turbo mit 240 PS und 500 Nm Drehmoment. Er passt noch besser zum grossen Viertürer, zumal sich das kräftige Drehmoment schon früh und gleichmässig aufbaut und bei 1750 Umdrehungen in voller Wucht ansteht. Das 7-Gang-DSG zeichnet sich durch sanfte und passende Gangwechsel aus und hat die oft bemängelte Anfahrschwäche abgelegt. Laut Werk soll der Diesel 5,9 l/100 km verbrauchen. Besonders stolz ist man bei VW auf das speziell für den Arteon abgestimmte Fahrwerk mit neuen Stossdämpfern. Dies ist auch nötig - denn um das Design optimal zur Geltung zu bringen, rollt der Arteon idealerweise auf grossen 20-Zoll-Rädern. Deshalb wurde beim Setup besonderes Augenmerk auf eine noch breitere Spreizung zwischen Komfort und Sport gelegt. Dass sich die Dämpferhärte fast stufenlos regulieren lässt, ist zwar eher als Spielerei einzustufen, doch der Effekt ist gut spürbar: Das komfortable Gleiten beherrscht der Arteon trotz grosser Räder mit wenig Reifen-Querschnitt.

Zum Sportwagen wird er freilich auch bei straff gestellten Stossdämpfern nicht - der Diesel mit Allradantrieb wiegt schliesslich über 1800 kg. Jedoch lässt er sich flott, sicher und präzise bewegen, was bestens zum selbstbewussten Auftritt passt.
Die Basisversion mit 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner und 150 PS ist, mit manuellem 6-Gang-Getriebe ab 44 300 Franken erhältlich. Über der Basis sind zwei Ausstattungsvarianten im Angebot. Im «Elegance»-Trimm wird der Arteon auf edlen Luxus getrimmt, als «R-Line» wird er betont sportlich.

Der empfehlenswerte 2-Liter-TDI mit 240 PS kostet in sportlicher Ausstattung ab 62 500 Franken - und bietet damit zukunftsweisendes Design und auf Wunsch viel Hightech-Ausstattung.