Fahrbericht Volvo V90 und S90

Luxus aus dem Baukasten

Volvo V90

Volvo V90

Mit dem S90 und dem V90 setzt Volvo die Neuausrichtung der Marke fort.

Seit 2010 gilt bei Volvo die Flucht nach vorne. Von einer Transformation der Marke sprechen die Schweden. Eindeutigstes Zeichen für diese Transformation ist der neue XC90, der seit 2015 auf dem Markt ist. Das grosse SUV überzeugt mit elegant schwedischem Design und moderner, durchdachter Technik. Aufgebaut ist der Meilenstein der Markengeschichte auf einer komplett neuen, modularen Plattform. Fix ist nur der Abstand von Vorderachse zu Armaturenbrett – der bleibt folglich auch dem jüngsten Wurf aus Schweden erhalten: der Limousine S90 und dem dazugehörigen Kombi, dem V90, die dadurch mit langer Haube und gestreckten Linien punkten.

Die Front mit den entschlossen blickenden Tagfahrleuchten macht es auf den ersten Blick klar: «Der V90 soll einer der führenden Premium-Kombis werden», hofft Volvo-Schweiz-Verkaufschef Domenico Gaito. Ein ehrgeiziges Ziel, schliesslich ist diese Liga derzeit fest in deutscher Hand. Doch der neue grosse Schwede hat viel zu bieten, um neue Kunden zu gewinnen. Unter der Haube müssen ihm dafür, getreu der Volvo-Philosophie, vier Zylinder genügen. Von Sechs- oder Achtzylindertriebwerken haben sich die Schweden verabschiedet. Zur Wahl stehen ein Turbobenziner mit 245 PS und ein mit Turbo und Kompressor aufgeladener Vierzylinder mit ebenfalls zwei Litern Hubraum und 320 PS. Bei den Diesel sind es ebenfalls zwei 2-Liter-Motoren mit 190 oder 235 PS. Noch nicht zum Verkaufsstart, sondern erst Ende 2016 folgt der schon aus dem XC90 bekannte Plug-in-Hybrid mit 407 PS und nur 2,1 l/100 km Verbrauch laut Norm. Jeweils die stärkeren Motorvarianten sind serienmässig mit Allradantrieb ausgestattet.

Stressfrei ans Ziel

Ein sehr sportlich ausgelegtes Auto habe zwar seinen Reiz für die Ausfahrt am Wochenende, sei für den Alltag aber nicht geeignet, ist man bei Volvo überzeugt. Souverän soll es aber dennoch vorwärtsgehen. Daher hat man tief in die Trickkiste gegriffen. Im stärkeren Diesel, dem D5, wird mit einer kleinen Pumpe Druckluft in einem Tank gespeichert. Die kommt zum Einsatz, wenn der Fahrer beispielsweise zügig aus dem Stand beschleunigen will; mit einem Luftstoss von 0,5 Sekunden wird der Turbolader in Schwung gebracht, bevor dafür genügend Abgase ausströmen. Dadurch spricht der Motor deutlich flotter an. Mit 480 Nm Drehmoment zieht der mindestens 1833 kg schwere Kombi ordentlich an. Zum Sportwagen wird er freilich nicht, man hat sich stattdessen mit Erfolg auf den Reisekomfort konzentriert. Dank grosszügiger Geräuschdämmung ist von Antriebs- und Abrollgeräuschen auch auf der Autobahn nur wenig zu hören. Mit der optionalen Luftfederung gleitet der stattliche Schwede gediegen, kann aber auf kurvigen Strecken allzu starker Seitenneigung entgegenwirken.

Kombi oder Schönling?

Mit 4,96 Metern Länge und 1,88 Metern Breite zählen die Schweden zwar nicht zu den grössten im Segment, sind aber dennoch imposante Erscheinungen. Von der Kombi-Tradition entfernt sich Volvo mit dem V90 aber ein kleines Stück: Mit 1526 Litern Ladevolumen ist er bei Weitem nicht Klassenbester.

Dafür ist die Ladekante aber angenehm tief und breit und der Kofferraum gut nutzbar ausgeformt – und somit allemal praktisch. Und für das Design des V90, das an den legendären «Schneewittchensarg» erinnern will, verschenkt man ohnehin gerne ein paar Liter Ladevolumen. Klassenbeste wollen die Schweden aber klar in Sachen Sicherheit sein. Fahrassistent wurde weiter verbessert und kann dem Fahrer nun bis 130 km/h auf der Autobahn die Arbeit grösstenteils abnehmen. Zudem verhindert das System nun auch unbeabsichtigtes Verlassen der Spur, auch wenn keine Markierungen sichtbar sind. Im Strassengraben soll man also nicht mehr landen können. Die Fussgängererkennung mit Notbremsfunktion wurde erweitert und kann nun auch grosse Tiere wie Pferde oder Elche erkennen und Schlimmeres verhindern.

Die Preise beginnen bei 53 600 Franken für den Kombi und 50 300 Franken für die Limousine. Ein faires Angebot für viel Technik und Design. Die Transformation der Schwedischen Traditionsmarke trägt also Früchte. Bis 2020 sollen schliesslich alle Modelle komplett erneuert sein – und grossflächig auch mit Hybrid- oder Elektroantrieb auf die Strasse rollen.

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