«Sorry, aber deutsche Ingenieure sind nicht für ihren Humor bekannt», antwortet die Computerstimme in der neuen A-Klasse von Mercedes-Benz auf die Aufforderung, einen Witz zu erzählen. Das wars dann aber auch schon mit dem humoristischen Talent von «MBUX», dem komplett neuen Bediensystem, das die Marke mit Stern mit der neuen A-Klasse erstmals in ein Serienauto bringt.
Das System soll über die schnellsten Prozessoren am Markt verfügen und es damit auch mit modernen Smartphones aufnehmen können; Bedienlogik und -Graphik orientieren sich stark an den Standards aus der Handy-Branche. Und das ist wichtig, schliesslich soll die A-Klasse nach wie vor das Auto für die junge Kundschaft sein.
So kann das System nicht mehr nur über ein Touchpad auf dem Getriebetunnel oder Schaltflächen am Lenkrad gesteuert werden, sondern auch, wie von Smartphone und Tablet gewohnt, mit den üblichen Gesten per Touchscreen. So kann man leicht zoomen, wischen und klicken. Die Symbole für die einzelnen Anwendungen können nach Belieben neu angeordnet werden, auf Wunsch kann sich der Fahrer auch eigene Themenwelten inklusive passender Musik und Ambientebeleuchtung für gewisse Situationen zurechtlegen. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos.

Das Auto hört zu
Sollte das alles, gerade während der Fahrt, zu kompliziert sein, kann man auch einfach mit der A-Klasse sprechen. Eine Sprachsteuerung für die Grundfunktionen im Auto ist an sich nichts neues. Doch Mercedes hat sich auch hier von der Smartphone-Industrie inspirieren lassen. So ist kein Knopfdruck mehr nötig, um die Spracheingabe zu starten. Auf das Stichwort «Hey Mercedes» spitzt die Elektronik die Ohren und hört dem Fahrer zu. Ausserdem ist das System nicht mehr auf langsam und überdeutlich ausgesprochene, fixe Kommandos angewiesen. Es soll natürliche Aussprache, auch mit deutlichem Schweizer Akzent, verstehen. Beim ersten Kennenlernen auf den Testfahrten in Kroatien funktionierte dies in den meisten Fällen problemlos.
Ausserdem kann «MBUX» weit mehr, als nur Radiosender wechseln und Naviziele eintippen. Klimaanlage, Sitzheizung, Ambientelicht und selbst das Sonnendach lassen sich per Sprachbefehl steuern. Ausserdem kann der Computer dank Internetverbindung auch nach dem besten Restaurant in der Stadt suchen, Adressen recherchieren oder Parkplätze finden.
Auch das Navi an sich wurde gründlich überarbeitet. Es zeigt an Kreuzungen nun ein Kamerabild an und passt die Pfeile zur Fahrempfehlung direkt per «Augmented Reality» ins Bild ein. Gerade in unübersichtlichen Städten eine gute Hilfe.

Nicht nur digital
Bei der Flut an digitalen Neuerungen könnte man beinahe vergessen, dass die A-Klasse auch fahren kann. Der Wagen ist komplett neu und im Vergleich zum Vorgänger deutlich erwachsener geworden. Das merkt man schon bei den Abmessungen: Die A-Klasse wuchs in der Länge um 12 Zentimeter auf 4,42 Meter, in der um 1,6 Zentimeter auf knapp 1,80 Meter.
So bietet der kleinste Benz nun deutlich mehr Platz, eine bessere Sitzposition und klar mehr Rundumblick. Zudem fährt er sich nun deutlich stimmiger und ruhiger.
Hat man es bisher bei der A-Klasse mit der Sportlichkeit vielleicht sogar einen Tick zu gut gemeint, waren die Ingenieure nun um mehr Ausgewogenheit bemüht. Der Komfort wurde durch merkbar bessere Schallisolierung gesteigert. Ausserdem wirkt das Fahrwerk nun deutlich harmonischer und federt auch gröbere Schlaglöcher, wie man Sie auf den kroatischen Strassen des Öfteren findet, ohne Poltern weg.
Trotzdem ist der sportliche Grundcharakter, der die A-Klasse bisher so beliebt machte, geblieben. Vor allem zum Vorschein kommt das bei der momentanen Top-Version A250. Der 2-Liter-Turbomotor mit 224 PS beschleunigt die 1455 kg schwere A-Klasse in 6,2 Sekunden auf 100 km/h. Geschaltet wird hier über ein klar verbessertes 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die typische Anfahrschwäche wurde eliminiert; nur nach starkem Beschleunigen fällt auf, dass das Getriebe unnötig lange im tiefen Gang verharrt. Das ist erst recht auffällig, da der Motor bei hohen Tourenzahlen etwas angestrengt klingt. Dank 350 Nm Drehmoment sind hohe Drehzahlen aber ohnehin nicht nötig.
Des Weiteren stehen der A200 mit 1,4 Litern Hubraum und 163 PS, sowie der A180d als einziger Diesel mit 116 PS zur Wahl. Die Preise für die neue A-Klasse starten bei 37 180 Franken.