Es lohnt sich trotzdem, sich den neuen BMW M2 am Genfer Autosalon genauer anzuschauen, auch wenn Sie ihn vielleicht schon auf diversen Bildern gesehen haben. Klar, auch auf Bildern im Internet kann man einen Blick unter die Haube werfen. Da sieht man dann zwar den Motor, nicht aber, was eigentlich noch viel interessanter ist. Sollten Sie sich also den jüngsten Renner aus der bayrischen Sportabteilung ansehen, öffnen Sie die Haube und blicken Sie am grandiosen Reihen-Sechszylinder vorbei: Dort findet man nämlich massive Streben. Und die tragen massgeblich dazu bei, dass sich der kleine Bayer derart scharf fährt. Denn der M2 ist zwar das Einstiegsmodell in die M-Welt, wurde aber dennoch mit den feinsten Komponenten versehen. Vorder- und Hinterachse stammen aus dem grösseren M4, genauso die Bremsanlage, das optionale Doppelkupplungsgetriebe und einige Motor-Bauteile. Der Motor im M2 muss allerdings mit nur einem Turbolader auskommen. Er leistet 370 PS und 465 Nm (M4: 431 PS und 550 Nm). So gelingt der Sprint auf 100 km/h in bestenfalls 4,3 Sekunden, Schluss ist bei maximal 270 km/h.

Messerscharf um die Kurve
Was das M2 Coupé trotz geringerer Leistung zum begehrenswertesten M macht? Er ist klein, kompakt und verhältnismässig leicht. Und das spürt man in jeder Kurve. Bei den ersten Testrunden auf dem Laguna Seca Raceway in Kalifornien beeindruckte der Bayer vor allem mit seiner einzigartig präzisen Vorderachse. Die baut enorm viel Grip auf und ist kaum aus der Ruhe zu bringen. Hinzu kommt die sehr direkte und feinfühlige Lenkung. Anders als in den meisten anderen Autos sind die Federbeine hier nicht mit Gummipuffern am Chassis befestigt, sondern direkt mit Aluminium-Buchsen verschraubt. So folgt das Coupé noch präziser und zuverlässiger dem eingeschlagenen Kurs. Beste Voraussetzungen für viel Fahrspass. Denn der M2 ist nach klassischer BMW-Manier ausschliesslich mit Heckantrieb samt mechanischem Sperrdifferenzial zu haben. Während sich die Vorderräder fest in den Asphalt verkrallen, kann die Linie der Hinterachse nach Belieben beeinflusst werden. Dank guter Balance bleibt der M2 aber stets gutmütig; auch bei deaktiviertem ESP.

Pure Freude
Geschaltet wird gegen Aufpreis über sehr schnell reagierende Schaltwippen am Lenkrad. Für noch mehr puren Fahrspass sorgt allerdings die serienmässige 6-Gang-Handschaltung. Mit knackig kurzen Wegen und sehr präziser Führung macht sie das Schalten zum Vergnügen. Nur im wirklich argen Stau wünscht man sich da noch den Automaten.

So oder so ist der kleinste M durchaus auch alltagstauglich. Schliesslich will die sportliche BMW-Tochter mit der Erweiterung nach unten auch neue, jüngere Kunden anlocken. Die können sich zwar den Einstandspreis von 69900 Franken, der immerhin schon die grundlegende Ausstattung beinhaltet, leisten, in der Regel aber kein zweites Auto. Macht nichts, denn der M2 bietet auch auf den Rücksitzen zumindest für kürzere Strecken genügend Platz. Zudem kann man längere Strecken ohne grössere Strapazen hinter sich bringen. Nur bei tiefen Geschwindigkeiten wirkt der Bayer sehr straff und die höheren Abrollgeräusche durch die sportliche Bereifung sind ohnehin Teil des Konzepts. Das werden die Fans in Kauf nehmen und sich sagen: «Es lohnt sich!»