Lange war es ruhig um Alfa Romeo, die italienische Traditionsmarke mit grosser Fangemeinde. Doch 2016 haben sich die Italiener mit der neuen Giulia zurückgemeldet. Elegantes Design, sportliche Fahreigenschaften und komplett neu entwickelte Technik. Ein Comeback nach Mass.

Nun folgt der zweite Streich; einer, der die sportlich gesinnte Marke erstmals seit 65 Jahren wieder ins Gelände führt. Der neue Stelvio , der auf der selben Plattform wie die Giulia basiert, ist zwar der erste «SUV», nicht aber das erste geländetaugliche Auto von Alfa Romeo. Im Vergleich zum für die italienische Armee gebauten AR51 und dessen zivilen Zwilling AR52 hat sich freilich vieles getan.

Waren es damals 65 PS aus 1,9 Litern Hubraum, sind es heute mindestens 210 (2,2 Diesel) oder 280 Pferde (2,0 Benziner). Zudem folgen ein Diesel mit 180 und ein Benziner mit 210 PS. Geschaltet wird ausschliesslich über eine 8-Stufen-Automatik, Allradantrieb ist serienmässig verbaut. Mit einem Leergewicht von nur 1250 kg war der AR52 «Matta» ein Leichtgewicht. Eine Eigenschaft, die Alfa Romeo auch demStelvio mit auf den Weg geben wollte; ganz so drastisch wie im kargen Militärwagen ist das allerdings heutzutage nicht mehr möglich. Anstatt auf Komfortausstattungen zu verzichten, ist anno 2017 intelligenter Leichtbau angesagt. Türen, Kotflügel, Haube und Heckklappe sind aus Aluminium gefertigt, die Kardanwelle gar aus Kohlefaser. Dadurch kommt der Stelvio auf ein Leergewicht von knapp unter 1,7 Tonnen – und ist damit fast 100 kg leichter als beispielsweise ein Audi Q5. Hinzu kommt die ideale Gewichtsverteilung von 50:50 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse.

Sportliche Gene

Die Verwandtschaft zur dynamischen Giulia merkt man dem Stelvio durchaus an. Auf der ersten Testfahrt von Innsbruck auf den Hochgurgl gibt sich der Italiener auch auf der kurvenreichen Passstrasse keine Blösse. Natürlich ist die stärkere Seitenneigung aufgrund des höheren Schwerpunktes spürbar. Störend ist das aber nicht. Der SUV fährt sich sehr neutral und leichtfüssig und lässt sich flott durch die Kurven dirigieren. Dank direkter und präziser Lenkung kommt er sehr flüssig durch die Kehren. Traktion ist dank des gut abgestimmten, heckbetonten Allradantriebs ohnehin kein Thema. Optional sind für das Automatikgetriebe grosse, fix hinter dem Lenkrad montierte Schaltwippen erhältlich. Sie sind aus solidem Aluminium gefertigt und fühlen sich sehr wertig an. Noch erfreulicher ist, dass die Schaltbefehle sehr schnell und knackig umgesetzt werden. Etwas ärgerlich dafür, dass die grossen Wippen den Blinkerhebel verdecken und schwerer zugänglich machen. Ansonsten wirkt das Interieur aber sehr aufgeräumt. Besonders gefällig ist der wie schon bei der Giulia fliessend ins Cockpit integrierte Bildschirm für Navi und Co. Die Verarbeitung wirkt tadellos, auch wenn die Materialien in gewissen Details etwas weniger hochwertig gewählt sind als bei der deutschen Konkurrenz. Absolut mithalten können dafür die Motoren. Sowohl Benziner als auch Diesel wirken laufruhig und geschmeidig. Insgesamt passt der Diesel mit seinem maximalen Drehmoment von 480 Nm besser zum geräumigen SUV, weil er souveräner und erwachsener wirkt. Zudem soll er sich laut Prüfstand mit 4,8 l/100 km begnügen. Für den Benziner veranschlagt das Werk sieben Liter. Die Preise für den neuen Stelvio starten bei 54 100 Franken für den Diesel, der stärkere Benziner ist ab 57950 Franken zu haben. Zudem bietet Alfa Romeo den Neuling derzeit auch als «First Edition» mit umfangreicher Ausstattung und 280-PS-Benziner ab 64900 Franken an. Dafür bekommt man derzeit wohl einen der hübschesten SUV am Markt mit sehr agilem Fahrverhalten und guten Platzverhältnissen; Kofferraumvolumen: 525 bis 1600 Liter. Zudem bietet der Italiener zahlreiche Fahrassistenten wie Querverkehrswarner, Abstandstempomat oder Notbremsfunktion. Nicht erhältlich sind allerdings Matrix-LED-Licht, adaptive Stossdämpfer (folgen später) oder ein aktiver Spurhalteassistent. Aber ein Alfa Romeo war halt schon immer ein Fahrer-Auto – auch die QV-Version mit 510 PS wird noch folgen.