Mit immer neuen Innovationen, Ausstattungen und Technologien übertrumpft sich die Autoindustrie schon seit je. Vieles davon ist auf jeden Fall sinnvoll, nützlich und wünschenswert. Doch zwingend notwendig sind die Innovationen dann eben doch selten. Es geht auch ohne Radartempomat, Massagesitz und LED-Matrix-Licht. Vor allem, wenn der Preis ins Spiel kommt. Spätestens seit Dacia unter Renault-Führung zu neuem Leben erweckt wurde, ist bewiesen, dass Autos für kleines Geld definitiv ihre Berechtigung haben – und auch in der Schweiz gut ankommen.

Der Ford KA+ sollte ursprünglich in der Schweiz nicht angeboten werden. Bei der Markteinführung im vergangenen Herbst glaubte man wohl noch nicht so recht daran, dass sich der kompakte Budget-Flitzer für den Schweizer Markt eignen würde. Nun hat man die Meinung bei Ford aber geändert – der KA+ ist auch bei uns zu haben. Und zwar schon ab 9900 Franken mit 70 PS aus einem 1,2 Liter grossen Vierzylinder. Für die erste Testfahrt stand der KA+ allerdings in der stärkeren Version mit 85 PS, ebenfalls 1,2-Liter-Benziner, bereit. So kostet er mindestens 10 900 Franken. Selbst wenn bei der Bestellung alle Extras gewählt werden, kommt der KA+ nicht über 14000 Franken. Natürlich auch, weil die Aufpreisliste schlank gehalten wurde: Farben, Felgen, je nach Ausstattungsvariante Klimaanlage und Parksensoren und noch paar Kleinigkeiten. Das wärs dann auch schon. Und für den normalen Strassenalltag reicht das ja eigentlich auch schon aus.

Bei der ersten Testfahrt rund um den Zürichsee leistete sich der kompakte Kölner jedenfalls keine Schwächen. Natürlich erwartet den Fahrer im Cockpit keine digitale Oase, gebettet in feinstes Leder und edle Hölzer. Im Innenraum des in Indien gefertigten Kleinwagens wurde zwar reichlich Plastik verbaut, doch der wirkt passgenau verarbeitet und solide. Da es noch keinen Touchscreen gibt, wirkt der Radio-Monitor eher klein, es gibt vergleichsweise viele Tasten, die aber leicht zu finden sind und gut zur Hand liegen.

Überraschend ist das gute Raumangebot, denn der KA+ misst nur 3,93 Meter in der Länge. Trotzdem sitzt man vorne wie hinten mit guter Bein- und Kopffreiheit, auch bei über 1,80 m Körpergrösse. Der Kofferraum fasst 270 Liter, bei umgelegter Rückbank bis zu 849. Nettes Detail: Seitlich ist ein kleines «Geheimfach» ins Armaturenbrett eingebaut, das nur bei geöffneter Fahrertür sichtbar ist.

Beim ersten Eindruck macht der kleine Sparwagen also eine gute Falle. Das bestätigt sich auch bei den ersten Kilometern auf der Strasse. Der 1,2-Liter-Motor muss ohne Turboaufladung auskommen und braucht daher etwas mehr Drehzahl, um in Schwung zu kommen. Dank geringem Eigengewicht von nur knapp 1100 kg ist das Motörchen aber nicht überfordert. Und einen Rennwagen wird hier ohnehin niemand erwarten.

KA plus oder Fiesta minus?

Das Fahrwerk punktet mit einer passgenauen Abstimmung und fällt nicht mit übermässigem Ruckeln oder holpern auf. Das passt für den Einkauf in der Stadt und ein paar Autobahnpassagen tadellos. Damit wird der KA+ zum ernsthaften Konkurrenten im Tiefpreis-Segment und bietet auf jeden Fall viel Auto fürs Geld. Zielt damit nicht nur auf Dacia und Co., sondern ein wenig auch auf den Fiesta, der preislich ungefähr da startet, wo der KA+ aufhört, in Sachen Raumangebot aber ebenbürtig ist. In Sachen Ausstattung bietet der grössere Bruder allerdings deutlich mehr Optionen an. Der KA+ ist also nicht nur geschickt eingepreist, sondern in gewisser Hinsicht auch ein «Fiesta Minus».