Maserati
Erster Maserati mit Allrad

Maserati will mit Diesel- und Allradmodellen die Produktionszahlen in die Höhe treiben. Als erstes dieser neuen Modele läuft der Quattroporte Q4 vom Stapel.

Markus Chalilow
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Maserati Quattroporte V6 Q4

Maserati Quattroporte V6 Q4

HO

Maserati will in Sachen Produktionszahlen ganz hoch hinaus. Ermöglichen sollen die massive Steigerung auf 50'000 Autos pro Jahr Modelle wie der Quattroporte mit Allradantrieb. Das würde im Vergleich zum Jahr 2011 eine Verzehnfachung der Produktion entsprechen. Wird Maserati nun also massentauglich? Oder gar ein Gesicht in der Masse? Klar, 50'000 Fahrzeuge pro Jahr sind immer noch sehr exklusiv. Da war Porsche in etwa im Jahr 2000. Die Sportwagenbauer aus Zuffenhausen bauen mittlerweile drei Mal so viele Autos. Maserati will den Sprung vor allem durch neue Modelle, unter anderem das SUV Kubang, aber eben auch Allrad- und Dieselversionen des Quattroporte schaffen. Und: natürlich ist auch China ein grosses Thema bei den Italienern. Dort will man besonders viele Modelle absetzen. Eine ganz wichtige Säule der Verkaufsplanungen der Italiener ist: der Preis. Nein, billig ist ein Maserati nach wie vor nicht. Aber, die Autos sind deutlich günstiger geworden, was einem guten Preis-/Leistungsverhältnis sehr entgegenkommt.

Auf der Teststrecke des Fiat-Konzerns in Balocco stehen die Quattroporte mit Allradantrieb hübsch aufgereiht, bereit, sich entweder über die knackigen Landstrassen oder die fast 4 Kilometer lange Teststrecke von Fiat scheuchen zu lassen. Von aussen sieht man es dem Quattroporte nicht an, dass er jetzt über 4x4 verfügt. Zwar ist die Bodenfreiheit ganz leicht erhöht, doch das ist ohne ein Vergleichsmodell mit Hinterradantrieb daneben kaum zu sehen. Einzig das Emblem «Q4» am Heck verrät, dass es sich um einen Allradler handelt. Q4? Da war doch was? Ja, genau, die früheren Alfa-Modelle mit vier angetriebenen Rädern hiessen so... Und, mit Verlaub, die waren alles andere als fein! Da die Alfa-4x4 kaum verkauft wurden wird es Maserati kaum gestört haben, eine «gebrauchte» Bezeichnung zu verwenden...

Grundsätzlich ist der Q4 ein Quattroporte mit V6-Motor. Das mit zwei Turboladern auf 410 PS aufgeblasene Triebwerk ist die einzige Motoroption für den Allradler. Klar, ein über 5 Meter langes und fast zwei Tonnen schweres Automobil braucht schon etwas Power, um aus dem Startpflöcken zu kommen. Da sind 410 PS doch standesgemäss. Doch weil der Motor bereits sehr früh sehr viel Drehmoment zur Verfügung (550 Nm ab 1750/min) stellt setzt sich die Fuhre ordentlich in Bewegung. Vom Allrad merkt man im Normalbetrieb - gar nichts! Und das ist gut so. Der Abtrieb für die Vorderachse erfolgt über ein Differential, welches direkt am Kardanwellenausgang der Achtstufenautomatik sitzt. Befindet die Elektronik, dass es nötig sei die Vorderräder ebenfalls mit etwas Drehmoment zu beaufschlagen, wird eine elektronisch gesteuerte Mehrscheibenkupplung im Ölbad dazu überredet, sich zu schliessen.

Was bringt der ganze konstruktive Aufwand also, wenn man nichts davon spürt? Viel, sehr viel Stabilität. Wir haben den V6-Quattroporte, der wirklich gut geht (0-100 km/h in 4,9 Sekunden) nicht nur gestreichelt. Traktionsprobleme kennt der Italiener natürlich keine. Doch das Herausbeschleunigen aus Spitzkehren ohne durchdrehende Hinterräder ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass man eigentlich gar nicht merkt, ob das ESP nun ein- oder ausgeschaltet ist. Die Regelsysteme für die Kraftverteilung zwischen den Achsen arbeiten natürlich trotzdem. Und das ergibt ein sehr, sehr neutrales Fahrverhalten. Natürlich hilft auch hier die ausgewogene Gewichtsverteilung (50:50 %), aber eben vor allem das Allradsystem, dass nun wirklich gar nichts mit dem Alfa-System gemein hat. Beim Einlenken deutet der Maserati an, dass er eigentlich gerne Untersteuern möchte. Doch nur ein Streichler des Gaspedals bewirkt, dass da Heck wunderbar mitlenkt und der Wagen unter Vollast am Kurvenausgang wunderbar über alle vier Räder in Richtung der nächsten Gerade schiebt

Zum Schluss ein Blick in die Preisliste den ersten Allrad-Maserati. 126'900 Franken kostet die Edel-Karosse mindestens, die Optionenliste ist dabei angenehm kurz. Das ist eigentlich wenig Geld für ein Auto mit einer Länge von 526 cm, 4x4 und einer recht feinen Verarbeitung sowie einem über 400 PS leistenden V6. Aber billig ist der Maserati natürlich trotzdem nicht.

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