Neue Autos müssen immer besser sein, so wollen es die Kunden. Modernere Elektronik, frischeres Design, weniger Verbrauch bei besseren Fahrleistungen und natürlich auch: mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Das führt dazu, dass die Neuwagen beständig wachsen. Das trifft längst nicht nur auf grosse Kombis oder SUVs zu, sondern längst schon auf alle Klassen. Jüngstes Beispiel ist der neue VW Polo.

Als kleiner Bruder des Golf kam der Kleinwagen 1975 ursprünglich als Dreitürer auf den Markt. 3,51 Meter lang und 1,56 breit. Erst 1994, in der dritten Generation, war der Polo erstmals als Fünftürer erhältlich. Inzwischen ist der Polo ausschliesslich mit fünf Türen zu haben. Und auch bei den Abmessungen hat sich wieder etwas getan. In Länge und Breite legte der inzwischen sechste Polo um rund sieben Zentimeter zu. Oder anders ausgedrückt: War der Vorgänger noch ungefähr so gross wie ein Golf der zweiten Generation, überragt der neue nun schon den Golf 3, der von 1991 bis 1997 gebaut wurde. Dieser Zuwachs macht sich sofort bemerkbar.

Luftiger und erwachsener

Während sich die gewonnene Länge vor allem auf der zweiten Sitzreihe bemerkbar macht, merkt man als Fahrer oder Beifahrer vor allem die zusätzlichen Zentimeter in der Breite. Hier fühlt sich der Polo nun deutlich geräumiger an. Es scheint, als sei er der Kleinwagen-Grösse nun entwachsen und als wolle er nun mit den Grösseren mittun. Dieser Eindruck verstärkt sich beim Blick auf das Technik-Angebot: Vom digitalen Instrumenten-Display über das grosse Navi mit schicken, berürungsempfindlichen Schaltflächen bis hin zu zahlreichen Apps und Smartphone-Integrationsmöglichkeiten bietet der Polo alles, was man eigentlich dem grösseren Golf zuschreiben würde, sofern man diese Optionen mit dazu bestellt. Zwar ist der Polo schon ab 16 750 Franken zu haben und damit fast 6000 Franken günstiger, als der preiswerteste Golf, doch das relativiert sich bei entsprechender Ausstattung schnell.

Der Testwagen mit guter Ausstattung und 1,0-Liter-Turbomotor mit drei Zylindern und 115 PS kostet mehr als 28000 Franken. Dafür gibt es dann aber auch eine sehr komplette Ausstattung mit LED-Licht, Rückfahrkamera und vielem mehr – und vor allem einen äusserst passenden Antrieb.

Leicht wie eh und je

Der Dreizylinder wirkt im gut 1100 Kilogramm leichten Polo – trotz grösserer Abmessungen hat der Kompakte nicht wesentlich zugenommen – sehr lebendig. In Kombination mit der serienmässigen 6-Gang-Handschaltung fühlt sich der Kleinwagen damit sehr handlich und gut motorisiert an. Allerdings braucht der Turbomotor rund 2000 Umdrehungen, um richtig in Fahrt zu kommen. Das äussert sich in kernigem Klang, aber guter Laufkultur mit wenig Vibration. Angenehm ist vor allem auch, dass sich der kleine Motor im Test sehr sparsam gibt. Die vom Prüfstand versprochenen 4,6 l/100 km schafft der Kleine im Test zwar nicht ganz. Doch selbst mit Winterreifen ausgestattet kam der Polo im Test auf einen Durchschnittsverbrauch von nur 5,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

Das gute Fahrgefühl wird durch das harmonisch abgestimmte Fahrwerk verstärkt. Der Polo wirkt sehr ausgewogen und durchaus komfortabel. Trotzdem lässt er, vor allem auch aufgrund der direkten Lenkung, das kompakte Fahrgefühl, das man von einem Kleinwagen erwartet, nicht missen.

So wirkt der neue Polo insgesamt deutlich erwachsener und vielseitiger als sein Vorgänger. Dass er bei voller Ausstattung zu den teureren Vertretern im Konkurrenzumfeld zählt, ist schlussendlich aber auch gerechtfertigt, denn der Qualitätseindruck stimmt. Besser, frischer und sparsamer als der Vorgänger – das kann der neue Polo.