Renault
Elektro aus Frankreich

Mit dem kleinen Fünfplätzer Zoe bietet Renault ein gelungens Auto fürs urbane Umfeld.

Markus Chalilow
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Renault Zoe

Renault Zoe

HO

Der Zoe (oder heisst es die Zoe) ist ein wirklich kompakter Fünfsitzer, der wie der Nissan Leaf rein elektrisch angetrieben wird. Also: Batterie leer und nichts geht mehr. Bis der Lithium-Ikonen-Akku aber leer ist, dauert es laut dem Elektroauto-Normzyklus aber über 200 Kilometer. Das der Zyklus aber in etwa genauso aussagekräftig ist wie jener für Autos mit Benzin- oder Dieselmotor relativiert Renault die Reichweite gleich selbst. 100 bis 150 Kilometer sollen im kleinen Franzosen problemlos möglich sein, ohne dass er an die Steckdose muss. Diese Angabe finden wir nach den ersten Testfahrten in Portugal durchaus realistisch, so lange man diese Strecke nicht mit 130 km/h auf der Autobahn oder bei sehr kalten Temperaturen zurücklegt. In Sachen Reichweite ist wirklich viel passiert, so lange man sich mit dem Zoe im urbanen Umfeld bewegt kennt man eigentlich keine «Reichweitenangst». Und, der Zoe ist im Gegensatz zum Renault-Spassmobil Twizy, ein voll alltagstaugliches, schnittiges Mobil. Und auch optisch hat man sich dem Mainstream angenähert. Doch das sind ja eigentlich Nebensächlichkeiten. Wichtig ist eher, wie der nur gerade 408 cm lange Wagen fährt. Und da können wir nur sagen: sehr passabel. Denn eines ist allen Elektroautos gemein: beim Ampelstart gehören sie nicht zu den Langsamsten. Das ist auch beim Zoe so, stehen die 220 Nm maximales Drehmoment doch bereits ab wenigen Umdrehungen zur Verfügung. Als Nennleistung nennt Renault 65 kW, was rund 88 PS entspricht. Damit ist der Wagen einigermassen gut motorisiert (Topspeed 135 km/h, 0-50 km/h in vier Sekunden). Denn leicht ist der kleine Franzose nicht. Die Batterie mit 192 Zellen (Spannung 400 Volt, Speicherkapazität 22 kW/h) wiegt alleine 290 kg, total bringt der Zoe fahrfertig 1509 kg an den Start. Das ist nicht wenig und das spürt man auch, wenn man mit dem Flitzer etwas hurtiger unterwegs ist. Die Federung mit relativ langen Federwegen filtert die Schläge zwar schön raus, die etwas lasche Dämpfung aber erstickt alle sportlichen Ambitionen im Keim. Doch ein Sportler will er ja auch gar nicht sein.
Schön ist das Raumgefühl im Zoe. Obwohl das Auto nur 176 cm breit ist fühlen sich auch zwei ausgewachsene Mitteleuropäer vorne wohl und im Fond ist die Knie- und Kopffreiheit auch ausreichend. Störend empfanden wir eigentlich nur, dass sich die vorderen Stühle nicht in der Höhe verstellen lassen und das die Sitze über integrierte Kopfstützen – die sich entsprechend nicht verstellen lassen – verfügen. Auch der Kofferraum ist angemessen: ein Volumen von 340 bis 1225 Liter je nach Sitzkonfiguration ist aller Ehren wert. Natürlich gibt es an Bord alle heute angesagten Sicherheitssysteme wie ABS, ESP und sechs Airbags.
Wie gesagt, irgendwann ist die Batterie im Zoe leer und der Franzose schreit Strom. Füttern kann man ihn mittels einer Ladestecksose unter dem grossen Markenlogo an der Front. Je nachdem, wie viel Strom man ihm zuführt, variiert die Ladezeit extrem. Grundsätzlich ist jedem Besitzer eines Elektroautos eine Wallbox zu empfehlen. Diese Wallbox ist im Basispreis des Fahrzeugs enthalten und wird, wenn man sie nicht möchte, entsprechend abgezogen (minus 1300 Franken). Einzig die Installation der Box zu Hause (oder im Büro) muss vom Kunden dann ebenfalls noch bezahlt werden. Schliesst man den Zoe an eine normale Haushaltsteckdose an, dauert das Laden bis zu 9 Stunden. Hat man eine Wallbox, die auf 32 Ampére abgesichert ist, geht’s deutlich schneller. Laut Renault soll 80% der Ladung nach bereits einer Stunde in den Akkus sein. Mit der maximalen Stromversorgung (64 Ampére; meist nur in Industriebetrieben zu finden) dauerts dann gerade mal 30 Minuten. Die Wallbox ist also schlicht und ergreifend ein Muss.

Renault Zoe Innenraum

Renault Zoe Innenraum

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