Lange schien er unantastbar zu sein: Der VW Golf, der Jahr um Jahr die Zulassungsstatistik in der Schweiz anführt. Das war schlussendlich auch 2016 wieder so. 11988 Zulassungen reichten für Platz eins. Aber nur hauchdünn, denn nur 267 Zulassungen fehlten dem Skoda Octavia auf den Golf.

Nun, per Ende Mai, hat der tschechische Praktikus den Golf gar überholt – 4264 zu 3539 Zulassungen. Natürlich steht beim Golf ein Modellwechsel an, die überarbeitete Facelift-Generation rollt erst zu den Händlern, während der aufgefrischte Octavia schon fleissig verkauft wird. Aber: Auch die Tschechen haben noch ein Ass im Ärmel. Der sportliche Octavia RS ist neu auch als RS245 mit 245 PS erhältlich, was ihn zum schnellsten Octavia aller Zeiten macht. Das dürfte gerade hierzulande gut ankommen.

Doch das Wichtigste vorab: Auch als sportliches Topmodell bleibt der Octavia das, was er sein soll und will. Das Platzangebot ist, vor allem beim Kombi, unverändert gut. 610 bis 1740 Liter Ladevolumen (Limousine: 590 bis 1580), grosszügige Bein- und Kopffreiheit im Fond und jede Menge Stau- und Ablagefächer.

Eine Runde Sport

Auch den Fahrkomfort kann sich der Sportler grösstenteils erhalten. Hier profitiert der RS245 von verstellbaren Stossdämpfern, die in der sanftesten Einstellung zwar immer noch straff wirken, jedoch nicht zu hart. Unebenheiten werden kontrolliert aufgefangen, der Wagen kommt, auch wenn das Fahrwerk stark gefordert wird, nicht ins Zittern. Und das, obwohl der Tscheche für einen sportlichen Auftritt auf grosse 19-Zoll-Räder mit Niederquerschnittreifen setzt. Auf schlechten Strassen, wie bei der ersten Ausfahrt rund um Rom, ist die Einstellung «Sport» aber nicht empfehlenswert, da sie für merklich mehr Unruhe sorgt. Natürlich ist der Octavia RS245 als reines Strassenauto konzipiert und wird wohl in der Regel nie auf einer Rennstrecke bewegt. Um zu demonstrieren, was das neue Topmodell kann, öffnete Skoda dennoch die Tore zur Vallelunga-Rennstrecke ausserhalb von Rom. Der RS245 kann hier vor allem klarmachen, dass er gegen ein paar schnelle Runden nichts einzuwenden hat.

Die verstärkte Bremsanlage hat den Fronttriebler gut im Griff und zeigt kaum Ermüdungserscheinungen. Zielgenau angebremst, überzeugt der Octavia in schnellen Kurven mit sehr guter Fahrstabilität und lässt sich auch bei höherem Tempo kaum aus der Ruhe bringen. Wer das letzte Quäntchen Fahrdynamik erleben will, wählt übringens die Limousine, die aufgrund eines tieferen Schwerpunktes noch eine Spur stabiler und dynamischer wirkt.

Guter Grip

So oder so: Aus langsamen Kurven beschleunigt der reine Fronttriebler dank serienmässiger mechanischer Quersperre an der Vorderachse kräftig und mit guter Traktion. Einen Allradantrieb, wie ihn die Konzern-Schwestermarken Audi, VW und Seat bei den sportlichen Topmodellen anbietet, vermisst man, zumindest auf trockener Strecke, nicht.

Damit der RS245 nicht nur schneller ist, sondern auch für mehr Emotionen vermittelt, haben die Ingenieure dem Neuen eine überarbeitete Abgasanlage verpasst. Wie gehabt leitet ein sogenannter «Sound-Symposer» Ansauggeräusche durch das Armaturenbrett in den Innenraum, was vor allem bei tiefen und mittleren Drehzahlen unter Last zu einem kernigen Klang führt – zumindest innen.

Von aussen hört sich der Octavia RS245 trotzdem eher brav an. Das ist einerseits gut, vor allem, weil Skoda auf unnötige Effekthascherei mit künstlichen Fehlzündungen und ähnlichen Tricks verzichtet.

Andererseits dürfte das Sportmodell akustisch ruhig eine Spur bestimmter auftreten. Ein lautes Auspuffgeräusch wäre zwar nicht angebracht, aber etwas mehr Charakter stünde dem RS245 gut zu Gesicht – natürlich nur im einstellbaren Sportmodus, denn im Alltag soll der Octavia schliesslich genauso brav seinen Dienst tun können wie seine zivileren Brüder. Dazu empfiehlt sich das nun 7-stufige DSG-Getriebe. Es wechselt die Gänge entweder automatisch verschliffen und geschmeidig, auf Wunsch etwas sportlicher oder per Schaltwippen am Lenkrad flott und präzise. Alternativ ist der RS245 mit 6-Gang-Handschaltung erhältlich. Diese erfreut mit nun etwas kürzeren Schaltwegen und fühlt sich knackig und präzise an.

Sport ist TrumpfDer neue Octavia RS ist ab sofort für 42450 Franken erhältlich. Und wird bestimmt seinen Anteil dazu beitragen, dass der Skoda Octavia weit oben bleibt in der Zulassungsstatistik.

Denn schon bisher war rund jeder vierte Octavia ein RS. Allerdings werden die meisten davon mit 2-Liter-Dieselmotor und 184 PS verkauft; was wohl daran liegt, dass nur dieser mit 4×4-Antrieb gebaut wird. Aber wer weiss, was sich Skoda noch einfallen lässt, um dem Golf seinen Status als Bestseller und Schweizer Liebling streitig zu machen.