Die Zukunft beginnt in der Oberklasse. Vieles, was heute in Kleinwagen selbstverständlich ist, Airbag, automatisches Fernlicht oder Tempomat, wurde zuerst in grossen Oberklasse-Limousinen angeboten. Wer also einen Ausblick auf die automobile Zukunft wagen will, sollte sich in diesem Segment umschauen.
Mit dem Panamera Turbo S e-Hybrid setzt Porsche erstmals das Topmodell einer Baureihe unter Strom. Der Benziner leistet, wie im Panamera Turbo, 550 PS aus vier Litern Hubraum und acht Zylindern. Zusätzliche 130 PS steuert ein E-Motor bei. Das macht die Limousine bis zu 310 km/h schnell – bei einem Normverbrauch von lediglich 2,9 l/100 km.
Auch bei der sportlichsten Ausführung der Limousine setzt der kalifornische Hersteller auf rein elektrischen Antrieb. Das Model S P100D kombiniert die derzeit grösste Batterie mit 100 kWh Kapazität mit einem Allradantrieb aus zwei E-Motoren. An der Hinterachse kommt ein besonders leistungsstarker Motor zum Einsatz, sodass der Stromer auf satte 611 PS kommt. Noch entscheidender: 967 Nm Drehmoment stehen jederzeit und ansatzlos zur Verfügung. Der Sprint auf 100 km/h soll in 2,7 Sekunden gelingen. Damit spielt die fünf- oder auf Wunsch gar siebensitzige Limousine in einer Liga mit reinrassigen Supersportlern und kann diese auf den ersten Metern gar abhängen. Allerdings braucht es für solche Höchstleistungen etwas Vorbereitung: Über den grossen Touchscreen wählt man den «Von Sinnen»-Modus an. Dieser heizt die Batterie auf optimale Betriebstemperatur vor, was bei kalter Witterung auch fast eine Stunde dauern kann. Zudem sollte genügend Strom im Speicher sein, damit dieser auch die volle Leistung abgeben kann.


Der schnellste Panamera sprintet in 3,4 Sekunden auf 100 km/h. Auch er braucht dafür genügend Strom im Akku. Doch beim Plug-in-Hybrid lässt sich der Akku auch während der Fahrt über den Verbrenner aufladen. Das treibt zwar den Verbrauch nach oben, hält aber auch die Leistung konstant hoch, was aber nur auf der Rennstrecke oder auf langen Vollgaspassagen zum Tragen kommt.


Zwei Hochspannungsathleten
Im Alltag schaffen es beide Hochspannungs-Athleten, die faszinierenden Seiten des elektrischen Antriebs zu vermitteln. Der Tesla gefällt mit seiner ansatzlosen und unfassbar starken Durchzugsbeschleunigung und seinem fast geräuschlosen Antrieb. Auch ohne vorgewärmte Batterie steht im Alltag immer enorm viel Kraft bereit – und das ohne Schaltpausen oder sonstige Verzögerung. Wer das Leistungspotenzial oft ausschöpft, sollte schon nach rund 350 Kilometern wieder an die Ladesäule. Lässt man es ruhig angehen, sind 450 und mehr Kilometer machbar.
Der Panamera Turbo S e-Hybrid fasziniert vor allem mit seiner Vielseitigkeit und der Perfektion, mit welcher er diese abliefert. Vom fast geräuschlosen, rein elektrischen Gleiten bis hin zum beeindruckenden Vollgas-Sprint auf der Rennstrecke, untermalt von kernigem V8-Gebrüll, ist alles möglich. Im Alltag schafft man rund 35 Kilometer rein elektrische Fahrt mit einer Akkuladung. Wer die Batterie oft lädt und behutsam mit dem Gaspedal umgeht, kann den Verbrauch durch den Hybridantrieb deutlich verringern. Rund
8 l/100 km sind auch auf längeren Strecken möglich. Für ein Auto mit 680 PS und einem Leergewicht von 2,4 Tonnen mehr als beeindruckend.
Beeindruckend ist die Vielseitigkeit des Panamera auch in Bezug auf das Fahrwerk. Denn der Porsche fährt nicht nur sehr komfortabel, sondern auf Knopfdruck auch sehr sportlich. Aufwendige Luftfederung und eine Hinterachslenkung werden durch den ausgeklügelten Allradantrieb und die gute Gewichtsverteilung unterstützt, sodass sich die grosse Limousine deutlich handlicher anfühlt, als man es ihr zutrauen würde.


Verbesserte Kurvenlage
Auch Teslas Model S scheut sich nicht vor Kurven. Zwar ist das Gewicht von gut 2,2 Tonnen immer spürbar. Doch: Der schwere Akku ist im Fahrzeugboden verbaut, sodass der Schwerpunkt sehr tief liegt. Das verbessert die Kurvenlage spürbar. Auf der anderen Seite wirkt der Federungskomfort allerdings nicht ganz so seidenweich wie im Panamera. Auch in Sachen Materialanmutung und Verarbeitungsqualität wirkt der Deutsche edler.
Doch mit 243 000 Franken Grundpreis ist er auch rund 100 000 Franken teurer als das Model S P100D.