Kaum verwunderlich, dass Opel die ersten Testfahrten für den komplett elektrisch angetriebenen Ampera-e in der norwegischen Hauptstadt Oslo veranstaltet. Niemand fördert die E-Mobilität stärker als das skandinavische Land. Nicht nur finanzielle Vorteile in Form von massiven Steuererleichterungen, sondern auch praktische Privilegien sorgen dafür, dass in Norwegen schon 150 000 elektrifizierte Fahrzeuge, also E-Autos und Plug-in-Hybride, unterwegs sind. Der Marktanteil liegt bei rund 35 Prozent. Und von diesem Wachsenden Kuchen will nun auch Opel ein grosses Stück abschneiden.
Die Vorteile, die man in Norwegen als E-Auto-Fahrer geniesst, werden schon auf den ersten Metern im Feierabendverkehr deutlich. Während es auf dem Autobahn-Zubringer stockt und staut, biegt man mit dem Stromer auf die Bus- und Taxispur ab und zieht zügig vorbei. Zudem gibt es kostenlose Parkplätze und vor allem: ein engmaschiges Netz an Ladestationen. Durchschlagende Argumente für das Fahren mit Strom.

Schluss mit ängstlich
Weitere Argumente will Opel nun mit dem Ampera-e liefern. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Ampera von 2012, besitzt der neue keinen benzinbetriebenen «Range Extender» mehr, der die Batterie bei Bedarf mit Strom versorgen kann. Der neue Ampera-e setzt ausschliesslich auf Strom.
Genauer gesagt auf eine Lithium-Ionen-Batterie aus 288 Zellen. Sie wiegt 430 Kilogramm und ist im Fahrzeugboden untergebracht, wo sie auch einen wichtigen Teil zur Stabilität des Wagens beiträgt. Noch wichtiger: Sie speichert bis zu 60 kWh Strom. Das soll im neuen europäischen Fahrzyklus-Messverfahren für bis zu 520 Kilometer rein elektrische Fahrt reichen. Im deutlich realitätsnäheren weltweiten WLTP-Zyklus bringt es der in den USA gebaute Rüsselsheimer auf 380 Kilometer.
Genug jedenfalls, um sorgenfrei von A nach B zu kommen, auch wenn die Bedingungen, wie bei den ersten Testfahrten, denkbar ungünstig sind: Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und leichter Schneeregen. Unter diesen Umständen sind die Sommerreifen beim zügigen Anfahren natürlich etwas überfordert, schliesslich müssen sie an der Vorderachse satte 360 Nm Drehmoment und bis zu 204 PS auf die Strasse bringen.
Das kräftige und verzögerungsfrei anstehende Drehmoment macht das Fahren im Ampera-e grundsätzlich aber E-Auto-typisch souverän und geschmeidig. Auch die Wind- und Abrollgeräusche fallen nicht störend auf, sodass man im kleinen Stromer sehr komfortabel reist. Auch Fahrwerk und Lenkung sind eher auf bequemes Gleiten ausgelegt. Trotzdem fährt sich der Opel sehr handlich. Zum einen, weil er mit einer Länge von lediglich 4,16 Metern in der Liga von Corsa & Co. spielt, zum anderen auch, weil das im Boden verbaute Akku-Paket für einen tiefen Schwerpunkt sorgt.
Durch die komplett auf den elektrischen Antrieb ausgelegte Plattform bietet der Ampera-e ein sehr gutes Platzangebot und ein Kofferraumvolumen von 381 bis 1274 Litern. Da die Batterie zur Stabilität der Karosserie beiträgt, sind dicke Seitenschweller überflüssig, was den Einstieg vereinfacht.
Das Fahren an sich gestaltet sich denkbar einfach und leichtfüssig - wenn auch in einem Punkt anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig. Wer möglichst viel Energie beim Bremsen in die Batterie zurückgewinnen will, stellt den Wählhebel von «D» auf «L».
Der E-Antrieb bremst schon stark ab, wenn man nur das Gaspedal loslässt. Mit einer Wippe am Lenkrad kann man diesen Effekt weiter verstärken – und das Auto damit ganz ohne Bremspedal fahren; sogar beim Abbremsen bis zum Stillstand und beim Warten an der Ampel bleibt das Bremspedal unberührt.

Ab Herbst bei uns erhältlich
In Norwegen ist der Ampera-e schon seit Dezember 2016 erhältlich. Nun baut Opel das Vertriebsnetz langsam aus. In einem nächsten Schritt kommt der Stromer noch diesen Herbst nach Deutschland, in die Niederlande – und auch in die Schweiz. Erste Probefahrten sollen laut Opel im August möglich sein. Schon jetzt bekannt ist der Preis: 41 900 Franken. Damit ist er teurer als die Konkurrenten BMW i3 94 Ah (300 km Reichweite, ab 39 200 Franken), Nissan Leaf 30 kWh (250 km, ab 31 240 Franken) oder Renault Zoë (400 km, ab 36 300 Franken), bietet dafür aber auch die beste Reichweite. Die Busspur darf man in der Schweiz aber auch mit dem Ampera-e noch nicht benützen.