Neuer Porsche 911

Das nächste Kapitel

Porsche 911 (992)

Porsche 911 (992)

Der 911 ist der Porsche schlechthin – und erfindet sich immer wieder neu. Nun startet Generation acht.

Evolution statt Revolution lautet die Devise beim Porsche 911. Der Sportwagen aus Zuffenhausen wird schon seit bald 55 Jahren in kleinen Schritten der Zeit angepasst. Mal mit kleinen Auffrischungen – und mit grösseren Schritten, wenn Porsche eine neue Modellgeneration lanciert. Auf die intern 991 genannte siebte Modellgeneration, die seit 2011 unterwegs ist, folgt nun der neue 911, der 992.
Freilich ist das Grundrezept weiterhin dasselbe: runde Augen an der Front, eine abfallende Dachlinie und ein Sechszylinder-Boxermotor im Heck. Trotzdem ist der neueste 911 alles andere als ganz der Alte. Am deutlichsten ist das hinten zu erkennen, wo der Klassiker klar an Breite gewonnen hat. Alle Modellvarianten, ob mit Hinterrad- oder Allradantrieb, verfügen nun über markant ausgestellte, breite Radhäuser. Die Rückleuchten sind über ein Leuchtenband mit dreidimensionalem Porsche-Schriftzug miteinander verbunden, das Nummernschild wurde weit unten, zwischen den dicken Auspuffendrohren, platziert.
Nicht nur das Heck wirkt deutlich bulliger. An der Front wurde die Haube mit stärkeren Konturen geformt, und die Radhäuser wurden weiter nach aussen gezogen. So wuchs der Neue in allen Dimensionen: in der Länge um zwei Zentimeter auf 4,52 Meter, in der Breite um vier Zentimeter auf 2,02 Meter mit Aussenspiegeln. Auch beim Gewicht hat die neuste Evolu-
tionsstufe um rund 50 Kilogramm zugelegt. Für einen Sportwagen, der von seiner Leichtfüssigkeit und Kompaktheit lebt, ist das natürlich nicht wünschenswert. Doch gibt es gute Gründe für die Entwicklung – und viele technische Tricks, um den Zuwachs fast komplett vergessen zu machen.


Ein Schlüssel zum Erfolg ist die breitere Spur an der Vorderachse. Sie gibt dem Sportler vorn mehr Grip, sodass er präziser in Kurven einlenkt. Darüber hinaus wurde die Lenkung noch schärfer abgestimmt, auf Wunsch kann sie weiterhin auch mit einer zusätzlich gelenkten Hinterachse kombiniert werden. So bleibt der 911 ungemein agil, wirkt in der Neuauflage aber noch fahrstabiler. Für zusätzliche Sicherheit bei Regen haben die Ingenieure erstmals Mikrofone in den Radkästen verbaut. Sie können am Abrollgeräusch erkennen, wenn viel Wasser auf der Strasse liegt. So wird der Fahrer vor Aquaplaning gewarnt – und kann in den neuen «Wet-Mode» wechseln. Fahrwerkdämpfer und Regelelektronik werden hier auf maximale Fahrsicherheit getrimmt, sodass der Sportwagen auch bei Nässe spielerisch beherrschbar bleibt, was im Alltag auf der Strasse sehr sinnvoll ist. Und dem Alltag ist der neue 911 unverändert gut gewachsen. Er bietet guten Federungskomfort und ist dank zweier Notsitze hinten durchaus geräumig. Ausserdem überzeugt der neue 911 im Innenraum mit seinem komplett neu gestalteten Cockpit. Der Drehzahlmesser bleibt klassisch analog, die restlichen Anzeigen sind grossflächig digital und gut ablesbar.


Unerschütterlich schnell
Natürlich muss sich ein 911er auch auf der Rennstrecke behaupten. Bei den ersten Testfahrten auf der Motorrad-Rennstrecke in Valencia überzeugte der Neuling vor allem mit seiner Stabilität. Mit höchster Präzision nimmt er auch schnelle Kurven mit grosser Ruhe. Auch beim Anbremsen auf die engeren Biegungen bleibt der 11er absolut sicher in der Spur – und baut beim Beschleunigen viel Traktion auf; sowohl mit Hinterrad- als auch mit optionalem Allradantrieb. Hier ist der Heckmotor deutlich spürbar, der viel Gewicht auf die Hinterachse bringt, sodass die Leistung auch auf der Strasse ankommt. Denn Leistung ist mehr als genug vorhanden: Vorerst ist der neue 911 nur als Carrera S und Carrera 4S mit automatischem Doppelkupplungsgetriebe zu haben. Das heisst: 450 PS und 530 Nm Drehmoment. Der Sprint auf 100 km/h gelingt im Allrad-Modell in irrwitzigen 3,4 Sekunden.
Der Kraftzuwachs von 30 PS ist umso erstaunlicher, als der 911 nun serienmässig mit Partikelfiltern ausgestattet ist, die normalerweise etwas Leistung kosten. Um das auszugleichen, spendierte man dem Motor grössere Turbolader und Feintuning. Einzig spürbarer Nachteil: Das maximale Drehmoment liegt etwas später an als beim Vorgänger. Diese Lücke kann das neue 8-Gang-Getriebe nicht ganz schliessen, weshalb bei Teillast etwas Hektik aufkommt. Dafür ist der Schub bei Volllast umso beeindruckender und der Werkverbrauch mit 8,9 l/100 km für einen leistungsstarken Sportwagen sehr vernünftig.


Auch als Hybrid möglich
Das neue Getriebe bietet darüber hinaus Platz für eine E-Maschine, wodurch der neue 911 in Zukunft auch als Hybrid gebaut werden könnte. Zunächst folgen aber ein Basis-Carrera mit 385 PS, ein manuelles Schaltgetriebe und eine Cabrio-Version im Sommer. Die Preise für den neuen Porsche 911 Carrera S starten bei 156 700 Franken. Mit neu verfügbaren Extras wie Matrix-LED-Licht, aktivem Spurhalteassistenten oder Rundum-Kamera kann er beliebig erhöht werden. Dafür erhält man aber einen alltagstauglichen Sportwagenklassiker in Bestform.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1