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Kaum ein Audi ist politisch so korrekt wie der A6. Sogar als Allroad mit 313 PS ist der Kombi einfach ein Auto, dass dem Fahrer das Gefühl gibt: ich darf das!

Markus Chalilow
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Audi A6 Allroad

Audi A6 Allroad

HO

Eines ist klar: der A6 Allroad kann eigentlich alles. Er kann erstaunlich gut Offroad (die Bergabfahrhilfe funktioniert auf Schnee schlicht perfekt), er kann aber auch schnell (313 PS, 650 Nm) und er kann vor allem: sehr bequem. Und er bietet viel Platz. Das alles kann der Allrad-Audi so gut, dass es schon fast langweilig ist.
Und der A6 Allroad hat etwas geschafft, dass in unserem Testbetrieb schon Ewigkeiten nicht mehr vorgekommen ist: er hat beim Verbrauch die Werksvorgaben nur haarscharf verpasst. Konkret: Audi verspricht einen Verbrauch von 6,7 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Und was stand auf dem Taschenrechner nach dem Test? 6,9 Liter. Dafür gebührt dem Audi ein Applaus. Denn, wir waren nicht gerade zimperlich mit dem A6. Tief verschneite Passagen musste der Ingolstädter ebenso meistern wie Autobahnfahrten oder die Zürcher Rush Hour. Wir wissen nicht genau, wieso der Audi trotz sehr kalter Temperaturen, Winterreifen und dem forcierten Einsatz von Sitz- und Heckscheibenheizung einen derart guten Verbrauchswert an den Tag gelegt hat. Wir sind nur: zufrieden.
Zufrieden auch über die Art und Weise, wie der Biturbo-Diesel seine Kraft abgibt: völlig unaufgeregt, dennoch mit richtig mächtig Druck, akustisch eher zurückhaltend (dazu später mehr) und doch präsent. Der Innenraum ist ebenfalls eine Pracht. Prima Verarbeitung, gute Ausstattung (leider gibts nicht einmal einen USB-Anschluss um elektronische Geräte laden zu können), einigermassen gute Bedienbarkeit und viel Platz im Kofferraum (565 bis 1680 Liter). Mr. Perfect also? Naja, wir dann doch noch ein paar Haare in der Suppe gefunden. Das Auto ist - wie bei Audi üblich - nicht wirklich billig. Mit dem 313-PS-Diesel muss man mindestens 84'000 Franken investieren. Bei unserem wirklich gut ausgerüsteten Testwagen kamen aber dann noch ein paar Positionen dazu, welche sich auf satte 20'000 Franken summierten. Allein die Einparkhilfe vorne und hinten kostet 1200 Franken, die Eschenholzeinlagen im Innenraum läppische 1030 Stutz. Und die Tierhäute für die Sitze lässt man sich mit 3420 Franken löhnen. Tja, dann noch etwas Bose-Sound (1450.-) oder das grosse Navigationssystem (4260.-), schon ist man auf einem Gesamtpreis von 104'000 Franken. Und dann muss man, man glaubt es kaum, die Sitze noch von Hand verstellen...
Zum Thema Sound haben wir eh noch etwas zu berichten. Die Audioanlage von Bose klingt wirklich fein. Kein Wunder, 600 Watt Leistung verteilt auf 14 Lautsprecher, das gibt Dampf. Wobei, eigentlich sind es ja 15 Lautsprecher. Denn einer liegt verborgen, in einem zusätzlichen Auspufftopf am Unterboden. Ja, Audi hat in der Abgasanlage tatsächlich einen Lautsprecher verbaut. Damit der V6-Diesel klingt wie ein V8-Benziner. Immerhin kann man mittels des «Fahrerlebnisschalters» die Technoparty im Endrohr stoppen. Ob all den modischen Gimmicks wie einer elektrischen Heckklappe, die sich mittels einer Kickbewegung unter dem hinteren Stossfänger öffnen lässt, könnte man um ein Haar vergessen, dass der Audi A6 Allroad eigentlich einfach ein grundsolides, sparsames Automobil mit hohem Nutzwert ist.

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