Der Honda Civic hat einen Ruf: Er gehört zu den Sporttalenten in der Kompaktklasse. Allen voran natürlich das Topmodell, der Type R, der regelmässig mit Rekordrunden auf der legendären Nürburgring-Nordschleife von sich reden macht.

Die sportlichen Gene hat man bei Honda aber nicht nur dem Topmodell mit auf den Weg gegeben. Auch der zivile Civic ist sportlich unterwegs und überzeugt mit agilem Fahrverhalten, direkter Lenkung und knackiger Schaltung. Das mag vielerorts auf Anklang stossen und ein gewichtiges Argument für den neuen Civic sein. Doch: Eben nicht für jedermann. Schliesslich besteht der Alltag nicht nur aus spassigen Kurvenpassagen und Freude beim Fahren. In der Regel sind es eben einfach nur Pflichtfahrten über die Autobahn und durch die Stadt. Schlicht und einfach von A nach B. Vieles, was auf den richtigen Strecken Freude und Emotionen bringt, sorgt im Alltag genau für das Gegenteil. Ein straff abgestimmtes Fahrwerk, zackiges Einlenken, emotionaler Klang: Schön und gut bei einer einsamen Passfahrt, aber anstrengend im Alltag.

Darum hat sich Honda entschieden, dem Civic als Sedan nicht nur ein anderes Kleid, sondern auch einen etwas anderen Charakter zu verpassen. Für Dynamik-Freunde soll der 5-Türer die richtige Wahl sein, für Komfort-Liebhaber steht nun der 4-türige «Sedan» bereit. Die fliessend abfallende Dachlinie macht sich im Fond nicht negativ bemerkbar, die Kopffreiheit bleibt, auch bei über 1,80 Metern Körpergrösse, bequem ausreichend.

Der Kofferraum fasst bei der Limousine grosszügige 519 Liter. Einzig aufgrund der kleineren Ladeluke ist etwas Kompromissbereitschaft gefragt; sperrige Gegenstände sind naturgemäss schwieriger zu verstauen als durch die grosse Heckklappe eines Fünftürers.

Neue Ausrichtung

Auffälligste Änderung in Sachen Fahrverhalten: Das Fahrwerk wurde für den Viertürer weicher abgestimmt. So erlaubt er in Kurven natürlich mehr Seitenneigung, schluckt dafür aber Schlaglöcher und Bodenwellen souveräner. Auf verstellbare, adaptive Stossdämpfer, die sich per Knopfdruck noch härter und sportlicher abstimmen lassen, verzichtet Honda bei der Limousine, im Gegensatz zum «Hatchback» komplett.

Unterstützt wird die geänderte Fahrwerksabstimmung durch eine andere Rad-Reifenkombination. Anstelle von sportlichen 18-Zoll-Felgen mit Niederquerschnittreifen montiert Honda bei der Limousine 16- oder 17-Zoll-Räder. Die Reifen verfügen über einen entsprechend höheren Querschnitt, also mehr Luft und Gummi, was das Fahrverhalten vielleicht ein Quäntchen weniger präzise, dafür aber spürbar harmonischer macht.

Bekannter Turbo

Einzig verfügbare Motorisierung für die Limousine ist der schon im 5-Türer lancierte 1,5-Liter-Turbobenziner mit 182 PS; wahlweise kann er mit 6-Gang-Handschaltung oder mit stufenloser CVT-Automatik bestellt werden. Letztere passt deutlich besser zur komfortorientierten Gesinnung des Japaners. Honda hat offensichtlich viel Zeit investiert, die bis anhin wenig geliebte CVT-Automatik zu verfeinern. Bisher fielen diese Getriebe mit unangenehmem Aufheulen bei starker Beschleunigung auf. Dies wurde nun behoben, indem das Getriebe bei starkem Beschleunigen wie ein konventionelles Automatik-Getriebe in Stufen schaltet.

Doch: Starkes Beschleunigen wäre dank dem spritzigen Turbomotor zwar möglich, man zieht es aber selten in Betracht. Viel lieber lässt man es gemütlich angehen – und könnte laut Werksangabe mit 5,8 l/100 km Benzin auskommen. Der neue Honda Civic Sedan kostet ab 26 000 Franken.