Auch wenn inzwischen die Modelle für Europa auch in Europa gebaut und entwickelt werden: Die Philosophie bei Mazda, die kommt aus Japan. «Kodo» nennt sich die geschwungene, ausdrucksstarke Designsprache, die sich inzwischen durch die ganze Modellpalette zieht. Das Fahrerlebnis soll durch den japanischen Begriff «Jinba Ittai» geprägt sein. Das heisst so viel wie «Einheit zwischen Pferd und Reiter». Der Ausdruck stammt vom «Yabusame-Ritual», wo ein berittener Bogenschütze ein Ziel zu treffen hat. Dazu muss er sein Pferd nur mit den Knien reiten können. Um das Ziel zu treffen muss er mit dem Tier im absoluten Einklang sein. Die selbe Harmonie möchte Mazda auch zwischen Fahrer und Auto zustande bringen.

Weiter verfeinert

Das Fahrwerk zählt schon seit der Lancierung der aktuellen Generation 2012 zu den grossen Stärken des Mazda6. Ein gelungener Kompromiss zwischen Reisekomfort und sportlicher Handlichkeit. Das hat man mit der Modellpflege für das anstehende Modelljahr 2017 weiter verfeinert. Nicht nur mit leicht verbesserten mechanischen Komponenten, sondern vor allem auch mit intelligenter Elektronik.
Die neue «G-Vectoring--Control» sorgt beim Einschlagen der Lenkung für einen kurzen, sehr feinen Lastwechsel: Durch kurzes Reduzieren des Motordrehmoments, die Elektronik geht also kurz «vom Gas», erhöht sich kurzzeitig der Anpressdruck auf den vorderen Rädern, sodass das Auto besser auf Lenkbewegungen reagiert. Somit sollen deutlich weniger Korrekturen in Kurven nötig sein. Zudem soll sich laut Mazda auch der Geradeauslauf verbessern - da das Auto eben besser auf kleine Korrekturen am Lenkrad anspricht. Ob es nun wirklich an diesem erstmals verbauten System liegt, oder an den guten Anlagen, die der Mazda6 ohnehin mitbringt, lässt sich schwer sagen. Sicher ist aber, dass sich der nur 1480 kg schwere Mittelklasse-Kombi sehr souverän fährt. Tatsächlich kommt man mit wenigen, gezielten Lenkbewegungen aus und muss den Kurs selten korrigieren - auch wenn man die Kurven etwas flotter angeht. Zudem federt das Fahrwerk auch gröbere Unebenheiten tadellos weg.

Gegen die Welle

Entspanntes Reisen ist denn auch die Königsdisziplin des Japaners. Dazu trägt auch der Antrieb viel bei. Zur ersten Testfahrt stand die für die Schweiz wohl interessanteste Variante bereit: 2,2-Liter Diesel, 175 PS, Allradantrieb und 6-Stufen-Automatik.
Der Selbstzünder wurde fürs neue Modelljahr ebenfalls nochmals überarbeitet. Neue Kolben und Einspritzdüsen und verfeinerte Elektronik-Abstimmung sollen nicht nur für ein verbessertes Ansprechverhalten, sondern auch für mehr Ruhe im Innenraum sorgen. Der Kolbenbolzen wurde dafür mit einer Prägung versehen, die leichte Schwingungen zulässt. So kann er die entstehenden Schallwellen aufnehmen und in Gegenschwingungen umwandeln, womit sich das typische Dieselnageln fast von selbst eliminiert. Natürlich hört man dem Vierzylinder nach wie vor an, dass es sich um einen Selbstzünder handelt. Doch: Für einen Diesel läuft er sehr geschmeidig und kultiviert und bleibt akustisch dezent im Hintergrund.
Auffällig unauffällig agiert auch die Getriebeautomatik. Zwar muss sie, und das erscheint inzwischen im Konkurrenzumfeld schon fast als selten, mit lediglich sechs Fahrstufen auskommen, doch davon bekommt man im Normalfall ohnehin nichts mit. Die Gangwechsel passieren fast unmerklich und passend. Auch beim Beschleunigen reagiert die Elektronik angemessen flott. Wenn man auf kurvigem Geläuf von den Schaltwippen hinter dem Lenkrad gebrauch macht reagieren diese überraschend flott und erhöhen damit den Fahrspass.

Bewährte Stärken

Von diesen technischen Finessen mal abgesehen, bleibt beim Mazda6 aber ansonsten fast alles beim Alten. Und das ist auch gut so. Im Cockpit gibt es etwas mehr Leder und etwas bessere Verarbeitung, doch die Bedienelemente bleiben, wo sie hingehören. Die Bedienung gibt damit keine Rätsel auf. Das Platzangebot ist auch auf dem Rücksitz langstreckentauglich, der Kofferraum des Kombis fasst bis zu 1648 Liter. Damit bietet der Japaner einiges, gibt sich aber mit 4,8 l/100 km Normverbrauch zurückhaltend. Mit 165 PS-Benziner, manuellem Getriebe und Frontantrieb ist der Kombi schon ab 34 850 Franken zu haben. Selbst mit dem starken Diesel, Allradantrieb, Automatik und der höheren Ausstattungsstufe «Revolution» kommt man kaum über 50 000 Franken; hat dann aber LED-Licht, Spurhalteassistent und viele weitere Komfort-Ausstattungen mit an Bord.
Nur eine kleine Kritik muss sich der Kombi gefallen lassen: Der Radartempomat funktioniert nicht bis zum Stillstand. Unterhalb von 30 km/h muss der Fahrer eingreifen. Aber schliesslich muss auch der Reiter noch was tun.