Cadillac CTS-V

Corvette im Business-Anzug

Cadillac CTS-V

Cadillac CTS-V

Ein Cadillac gilt als entspannter Gleiter. Es sei denn, man verpflanzt ihm ein Supersportler-Herz.

Vorurteile sind hartnäckig. Ein Cadillac gilt gemeinhin als Inbegriff des amerikanischen Luxus’. Sanft, geschmeidig, weich, aber eben auch nicht gerade dynamisch, geschweige denn sportlich. Von diesen Vorurteilen will sich Cadillac entfernen. Zwar sollen Komfort und Luxus bleiben, doch will man der Deutschen Konkurrenz auch in Sachen Fahreigenschaften auf die Pelle Rücken. Der CTS der zweiten Generation schaffte es ab 2013 tatsächlich, viele der Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Doch die obere Mittelklasse aus den USA hat noch mehr Potenzial; als CTS-V will der Ami zum ernsthaften Konkurrenten für Audi RS6, BMW M5 und Mercedes-AMG E63 werden. Statt des 2-Liter-Vierzylinders des Basis-CTS bekommt die «V»-Variante das stärkste Triebwerk, was derzeit im GM-Konzernregal verfügbar ist: Den 6,2-Liter-V8 mit Kompressoraufladung aus der Corvette Z06 samt zugehörigem 8-Gang-Automatikgetriebe. Lediglich der Öl-Kreislauf wurde für den Einsatz in der Limousine angepasst.
So gerüstet leistet der CTS anstelle von 276 nun brachiale 649 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 855 Nm. Das macht den Amerikaner klar zur stärksten Limousine in seinem Segment. Der Sprint auf 100 km/h soll in 3,7 Sekunden möglich sein, die Höchstgeschwindigkeit läge bei irrsinnigen 320 km/h.

Mehr als nur Zahlen
Noch wichtiger als die beeindruckenden Zahlenwerte ist aber, dass man sich bei Cadillac grosse Mühe gemacht hat, aus dem CTS-V eine konkurrenzfähige Sportlimousine zu machen. Will heissen: Der Amerikaner kann nicht nur auf der Geraden überzeugen.
Das verstellbare Fahrwerk bietet in der Normalstellung zwar einen Limousinen-würdigen Komfort, lässt den Fahrer aber auch nie daran zweifeln, dass er in einem sportlichen Auto sitzt. In den Einstellungen «Sport» und «Track» wird die Dämpfung schliesslich deutlich straffer und unterbindet fast jegliche Seitenneigung. Es ist wohl kein Zufall, dass es sich bei der Lenkung um das exakt gleiche System des Zulieferers ZF handelt, welches BMW auch für den M5 verwendet. Das Lenkgefühl fällt entsprechend straff und präzise und mit guter Rückmeldung aus. Nur in den beiden sportlicheren Fahrmodi wirkt der Lenkwiderstand etwas zu stark. Ergänzt wird das Sport-Programm durch ein sehr feinfühliges, aktives Sperrdifferenzial, welches die Kraft des Hecktrieblers gut in Vortrieb umwandeln kann und den Wagen, gemessen an der Leistung, leicht beherrschbar macht. Dass bei weit über 600 PS im Regen Vorsicht geboten ist, versteht sich von selbst.
Geschaltet wird im CTS-V über eine 8-stufige Automatik, die auch bei sportlicher Fahrweise gut mithalten kann. Allerdings fühlt sie sich im Automatikmodus wohler - auf Eingriffe an den Schaltwippen dürfte sie noch etwas flotter reagieren.

Mehr als nur Sport
So beeindruckend die sportlichen Talente des CTS-V auch sind: Auf der Strasse kann man sie nur annähernd ausschöpfen. Das tut der Faszination aber keinen Abbruch, da der Amerikaner auch überraschend zivilisiert zu Werke gehen kann. Der Motor macht sich nur beim Start lautstark bemerkbar, schnurrt aber danach zufrieden vor sich hin - und schiebt die 1850 kg schwere Limousine mit Leichtigkeit durch den Verkehr. Innen gibt es viel Leder und Alcantara und gediegenes Ambiente. So rollt man entspannt durch den Verkehr - im Wissen, welche Urgewalt unter der Haube schlummert. Den angegebenen Werksverbrauch von 13 l/100 km kann man so um gut einen Liter unterbieten, auch dank der automatischen Zylinderabschaltung, durch die der CTS-V oft auf nur vier Zylindern läuft, um Sprit zu sparen. Zum Grundpreis von 114 500 Franken kommt der CTS-V schon mit fast kompletter Ausstattung. Auch in Sachen Preis-Leistung eine Bestleistung.

Meistgesehen

Artboard 1