Fahrberichte

Audi hat nichts verlernt

Der Kombi kommt daher wie ein Bodybuilder: : Breit ausgestellte Schultern, riesiger Kühlerschlund, übergrosse 22-Zoll-Felgen.

Der Kombi kommt daher wie ein Bodybuilder: : Breit ausgestellte Schultern, riesiger Kühlerschlund, übergrosse 22-Zoll-Felgen.

Der RS6 Avant: Ein Auto der Extreme, mit dem Audi zeigt, was man an Technik und Design zu bieten hat.

Ein Kombi für mindestens 149500 Franken – mit Sonderausstattung nur knapp unter 200000 Franken – noch dazu mit V8-Benzinmotor und 600 PS. Kann und soll man ein solches Auto noch testen und beschreiben? Und darf man es, die finanziellen Möglichkeiten vorausgesetzt, kaufen und fahren?

Was man ihm auf jeden Fall zu Gute halten muss: Der Audi RS6 ist ein Auto ist, das es sich noch erlaubt, Charakter an den Tag zu legen. Er bemüht sich mit aufwendiger Technik, so zeitgemäss wie möglich zu sein. Und er ist endlich wieder einmal ein Auto, das die hohen Ansprüche, die Audi an sich selbst stellt, erfüllt – und darüber hinaus sogar fasziniert. Doch der Reihe nach: Der neue RS6 ist optisch alles andere als ein Leisetreter. Im Vergleich zum A6 Avant wurden bis auf die vorderen Türen, das Dach und die Heckklappe alle Karosserieteile geändert. So kommt der Kombi daher wie ein Bodybuilder: Breit ausgestellte Schultern, ­riesiger Kühlerschlund, zwei Auspuffendrohre im XXL-Format. Selbst die übergrossen 22(!)-Zoll-Felgen samt üppiger 10-Kolben-Keramikbremsanlage wirken an diesem Auto nicht zu gross, sondern eher: angemessen.

Trotz der äusserlich extrovertierten Art kann der RS6 auch sehr gut den Komfort-Kombi geben.

Trotz der äusserlich extrovertierten Art kann der RS6 auch sehr gut den Komfort-Kombi geben.

Darüber hinaus verbaut Audi am RS6 die grimmigen Frontleuchten aus dem A7, die den Fahrer beim Aufschliessen mit einem ausgefuchsten Licht-Theater begrüssen. Mehr Showtalent bietet derzeit kein Kombi. Doch – und das ist das einzigartige - seine extrovertierte Art legt er beim Start mit einem lauten Brüllen quasi schlagartig ab. Die Elektronik trimmt den Sportler auf Komfort-Kombi, der sich eher nach A8 mit Laderaum anfühlt. Trotz gigantischer Räder rollt er sanft ab, dank Doppelverglasung und reichlich Dämmmaterial ist vom Motor kaum mehr was zu hören. Selbst die Türen schliessen dank optionaler Soft-Close-Funktion (840 Franken) fast geräuschlos. Passend dazu wirkt das Interieur enorm hochwertig und solide verarbeitet, wie man das nicht nur in dieser Preisklasse, sondern insbesondere von Audi erwartet. In den vergangenen Jahren wurden die Ingolstädter diesem Anspruch nicht immer gerecht – mit dem RS6 zeigen sie aber, dass sie nichts verlernt haben. So wird der Innenraum des Kombis zu einem Ort, an dem man nicht nur gerne, sondern auch überraschend entspannt Zeit verbringt. Einzig auf den Sportsitzen könnte man tiefer und weicher sitzen, der Touchscreen für alle wichtigen Funktionen dürfte dafür etwas höher montiert sein. Das grosse Audiosystem von B&O kostet zwar 7900 Franken extra, passt aber gut ins edle Ambiente - und ist in Sachen Klangqualität über jeden Zweifel erhaben.

Das Interieur wirkt enorm hochwertig und solide verarbeitet, so, wie man es von Audi erwartet - auch wenn die Ingolstädter diesem Anspruch in der Vergangenheit nicht immer gerecht wurden.

Das Interieur wirkt enorm hochwertig und solide verarbeitet, so, wie man es von Audi erwartet - auch wenn die Ingolstädter diesem Anspruch in der Vergangenheit nicht immer gerecht wurden.

Doch: Trotz überraschendem Fahrkomfort, 1680 Liter Kofferraum und 2150 kg Leergewicht bleibt der RS6 ein Sport-Kombi: Der Sprint auf 100 km/h wäre in 3,6 Sekunden möglich. 800 Nm Drehmoment sorgen nach kurzem Durchatmen der Turbolader für satten Antritt in jeder Situation – und in Kurven halten das optionale Stahlfeder-Fahrwerk mit Wankausgleich (RS-Dynamikpaket plus, 16 250 Franken) und der serienmässige Allrad den Kombi auf Kurs. Ohne unnötiges Spektakel, dafür sicher, schnell und effizient.

À propos Effizienz: Laut WLTP verbraucht der RS6 12,4 l/100 km. Daran hält er sich, auf der Langstrecke kommt er gar mit 10,1 l/100 km aus. Dank Mild-Hybrid und Zylinderabschaltung schafft er es auch hier, vermeintliche Gegensätze zu vereinen. Die eingangs gestellten Fragen kann man also eindeutig beantworten: Ja!

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