Audi
Elektrisch ins Glück?

Das Gegenstück zum VW Golf GTE heisst Audi A3 e-tron. Ist es dasselbe, wenn zwei das Gleiche tun?

Markus Chalilow
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Audi A3 e-tron

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Der Audi verfügt über exakt denselben Antriebsstrang wie der Wolfsburger mit einer Systemleistung von 204 PS und einer maximalen elektrischen Reichweite von 50 km. Wo sind also die Unterschiede? Ist der e-tron einfach nur der teurere Golf mit Plug-in-Hybrid? Oder ist er besser als sein nahezu baugleicher Bruder aus Wolfsburg? Oder gar schlechter? Weder noch. In unseren Augen ist es schlicht eine Geschmacks- oder auch Imagefrage, für welchen der beiden man sich entscheidet. Denn beide können alles, was ein Plug-in-Hybrid so können muss. Beide sind trotz des Mehrgewichts gegenüber eines 1400er-Benziners (gut 250 kg gegenüber einem A3 1,4 in Basisausstattung) durchaus fahraktiv. Und, beide dürften beim Wertverlust nicht weit auseinander liegen. Während der Golf GTE sehr bald seinen Dauertest-Dienst bei uns aufnimmt, machte der Audi nur einen zweiwöchigen Stop in der Redaktion. Wobei es natürlich kein Stop war, wird haben den Ingolstädter ausgiebig bewegt. Haben ihn sehr oft an der Steckdose aufgeladen und waren mit ihm oft auch auf der Autobahn unterwegs. Damit kommen wir bereits zur Frage aller Fragen, wenn es um besonders sparsame Automobile geht. Was verbraucht so ein Auto?

Audi A3 e-tron

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Erst mal - gar nichts. Wenn man den Audi wie wir nutzt, um von zu Hause ins Büro zu kommen, fährt man gänzlich ohne Sprit zu brauchen. 28 Kilometer misst die Strecke hin und zurück und das haben wir - ausser als es einmal wirklich bitter kalt war - immer rein elektrisch geschafft. Ist irgendwie schon noch cool, wenn man vier Tage ins Büro und nach Hause fährt und der Bordcomputer zeigt einen Durchschnittsverbrauch von 0,0 L/100 km an. Das echte Leben ist natürlich ein anderes. Autobahnfahrten lassen den Verbrauch natürlich deutlich ansteigen, denn dort ist wegen der höheren Tempi meist bereits nach 22 km Schluss mit elektrischem Vortrieb. Dann schaltet automatisch und fast unmerklich der Vierzylinder-Benziner zu. Der 1400er leistet allein 150 PS und sorgt dafür, dass der A3 keine lahme Ente ist. Wie gesagt, im Hybridmodus schaufelt die Antriebspaarung 204 auf die Vorderräder - da geht schon was vorwärts. Aber eben, das braucht dann Benzin. Wir haben versucht - wie immer - eine typische Arbeitswoche eines e-tron-Besitzers nachzubilden. Also viele Fahrten über kurze Distanzen ins Büro, einkaufen gehen ins 35 km entfernte Shoppingcenter oder auch mal auf der Autobahn von Bern nach Zürich zu einer Sitzung. Das Resultat waren 3,6 L/100 km. Ein wirklich guter Verbrauchswert. Dazu kommen rund 18 kW/h Strom pro 100 Kilometer. Insgesamt kann sich das sehen lassen. Und ja, wir haben den Wagen mit den vier Ringen ab und zu auch mal etwas gescheucht. Durchaus sportlich der A3, nicht zuletzt wegen der verschiedenen vorwählbaren Fahrprofile, die auch Auswirkung auf die Dämpfer, die Lenkung oder die Gaspedalkennlinie haben. Aber, ein Sportwagen ist der Sportback nicht. Das will er auch nicht sein. Der geneigte Leser hat gemerkt, dass unsere realen Verbräuche weit weg vom Normverbrauch liegen, den Audi nennt (1,5 L/100 km). Das ist weder der Fehler des Fahrers, noch derjenige des Fahrzeugs, sondern einzig und allein der weltfremden Messmethode.

Was wir damit sagen wollen? Der Audi A3 Sportback e-tron ist ein wunderbares Auto, innen wie bei Audi üblich hervorragend gemacht und absolut wertig. Und, er wirkt optisch interessanter als der Golf. Schade nur, dass man die Klappe im Kühlergrill von Hand aufmachen muss und mit einem sehr billig wirkenden Plastikknubbel wieder verschliessen. Das kann man bei Audi eigentlich besser. Also wenn schon einen kompakten Plug-in-Hybrid aus Deutschland, dann von VW oder von Audi? Reine Geschmacksache. Und, ein wenig auch eine Frage des Geldes. Denn der Audi ist natürlich etwas teurer (rund 2500 Franken), aber das ist bei Preisen von knapp 50'000 Franken auch kein grosses Thema mehr.