Volkswagen

Elektrisch aus der Nische

Volkswagen e-Golf

Volkswagen e-Golf

VW richtet mit der grossen Kelle an. «Wenn wir uns entscheiden, ein Elektrofahrzeug zu bauen, dann nicht als Nischenprodukt», sagt VW-Vorstand Heinz-Jakob Neusser. Wir sind den E-Golf gefahren.

VW will mit dem zweiten rein elektrisch angetriebenen Modell nach dem e-Up! ofenbar weiter mächtig Strom geben auf dem Elektroautomarkt. Gemäss Statistiken legt Otto Normalverbraucher am Tag in etwa 48 Kilometer mit seinem Auto zurück. Um zur Arbeit und zum Einkaufen zu fahren. Das ist mit dem E-Golf natürlich problemlos möglich. Sogar noch viel mehr. Maximal sollen bis zu 190 Kilometer drin liegen. Wir gehen von einem Wert von 120 bis 150 Kilometern aus. Doch, wieso soll man sich bei einer Durchschnittsfahrleistung von 48 Kilometern einen E-Golf kaufen.

Bald, also im Herbst, kommt der Golf GTE. Mit Plug-in-Hybridtechnik. Also mit aufladbarem, kleinen Akku und Verbrennungsmotor. Seine rein elektrische Reichweite soll bei 50 Kilometern liegen. Aber wenns dann mal in die Ferien geht, kann man dank effizientem Verbrennungsmotor so weit fahren, wie man möchte, ohne dass man sich eine Steckdose suchen muss. Die Antwort auf die Frage nach dem E-Golf muss jeder für sich entscheiden. Sicher ist: Der Golf ist auch als Stromer ein richtig gutes Automobil. Und wir hatten das Gefühl, einfach in einem grossen E-up! zu sitzen. Verstellbare Rekuperationsstufen, ein gutes App zur Ladungssteuerung und Fernklimatisierung, einwandfreier Fahrkomfort – der E-Golf hat alles, um Erfolg zu haben. Und man hat im Innenraum nicht weniger Platz als bei einem Modell mit Benzinmotor. Der Ladestecker be findet sich dort, wo einst der Tankeinfüllstutzen war. Dank einer intelligenten Steuerung kann der Golf mit einer grossen Spanne von Anschlüssen geladen werden. Im besten Fall erreicht man 80% der Ladung innert 30 Minuten.

Diese Hochleistungs-Ladestationen sind aber nach wie vor ein rares Gut. Der Antrieb ist allerdings komplex. Der E-Golf ist mit 264 Lithium-Ionen-Zellen zwischen den Achsen dotiert, welche in 27 Module aufgeteilt sind und eine Kapazität von 24,2 kW/h aufweisen. Durch den Wegfall der Abgasanlage und der Benzintanks wurde für die Stromspender genügend Platz geschaffen, um den Innenraum des Golf dem eines Benzinmodells gleich zu halten. Es gibt also auch im Kofferraum so viel Platz wie bei einem Golf mit Verbrenner (345 bis 1235 Liter). Natürlich ist der elektrische VW deutlich schwerer. Mindestens 1510 Kilogramm (318 kg wiegen alleine die Akkus) ist der E-Golf schwer. Elektromaschine, Getriebe, Leistungselektronik und der Laderegler sitzen unter der Motorhaube. Der Top-Speed ist auf 140 km/h limitiert. Allerdings hat es neben der Standardeinstellung zwei weitere Fahrprogramme, welche die Reichweite verlängern sollen. Im sogenannten «Eco-Modus» rennt der E-Golf maximal 115 km/h schnell (Leistungsabgabe maximal 70 kW, 220 Nm), im «Eco+-Modus» reichts dann noch für 90 km/h (Leistungsabgabe maximal 55 kW, 175 Nm). Und in dieser besonders sparsamen Betriebsart bleibt die Klimaanlage ausgeschaltet. Natürlich kann man dabei aber immer via den grossen Touchscreen alle möglichen Fahrdaten, Kraftflüsse usw. anzeigen lassen, der E-Golf erinnert etwas an ein fahrendes Smartphone.

Beim Preis waren wir dann doch überrascht. 39’950 Franken sind ein Wort für ein Elektroauto mit den Qualitäten eines VW Golf. Es ist denen in Wolfsburg ernst mit diesen Fahrzeugen. Denn der E-Golf ist bereits in der Basisversion sehr gut ausgestattet, geniesst erweiterte Garantieleistungen (acht Jahre auf die Batterie, oder 160  000 km) und fährt in der Schweiz dank Ökostrom- Vignette gemäss VW absolut CO 2 -neutral. Ob diese Art des Ablasshandels sinnvoll ist oder nicht, mögen aber bitte andere entscheiden. Sicher ist, man kann den E-Golf ab sofort bei einem Dutzend spezialisierten VW-Elektrofahrzeughändlern bestellen, geliefert werden die ersten Autos im Juli.

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