Toyota
Einer der Letzten seiner Zunft

In der Flut von SUV gehen echte Geländewagen wie der Toyota LandCruiser fast unter. Zu Unrecht, wie unser Test beweist.

Markus Chalilow
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Toyota LandCruiser

Toyota LandCruiser

HO

Eigentlich ist der LandCruiser ein Dinosaurier. Seit über 40 Jahren produziert Toyota Geländewagenmodelle unter diesem Namen. Vom legendären Buschtaxi bis hin zum extrem edel ausgerüsteten V8-Modell. Allein gemein ist, dass sie noch über einen massiven und entsprechend robusten Leiterrahmen verfügen, auf welchem die Karosserie aufgesetzt ist. Das ist vor allem in afrikanischen Ländern ein Trumpf, auch weil Reparaturen im Busch möglich sind. Allerdings hat diese Bauweise auch Nachteile, wie zum Beispiel hohes Gewicht, hoher Fahrzeugschwerpunkt oder nur beschränkte Möglichkeiten, auch alternative Antriebstechniken einzusetzen. Doch, der LandCruiser ist trotz der rustikalen Fahrwerkstechnik alles andere als ein Raubein. Natürlich gibt es Autos in diesem Segment, die sportlicher zu bewegen sind, vielleicht eleganter federn als der Toyota. Aber, der LandCruiser versucht dem Fahrer nichts vorzugaukeln. Und diese Ehrlichkeit schätzt man ziemlich rasch. Genauso schätze man rasch das enorme Platzangebot im 478 cm langen Fünftürer. Und, die üppige Serienausstattung im getesteten Modell Sol. Die Verarbeitung ist gut gelungen, einzig die Flut an Schaltern und Hebeln überfordert den Fahrer am Anfang. Doch, alles folgt einer gewissen Logik, und hat man diese verinnerlich, ist der mächtige Japaner leicht zu beherrschen.
Im getesteten Fahrzeug war ein Vierzylinder-Diesel mit drei Liter Hubraum und Turbolader verbaut. Er leistet 190 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 420 Nm bereits ab 1600 Umdrehungen. Allerdings kämpft der Vierzylinder gegen ein Leergewicht von mindestens 2300 Kilogramm an. Ob dieser Zahlen erstaunt es schon, wie leichtfüssig sich der LandCruiser gibt. Natürlich spürt man die grosse Fahrzeugmasse, doch Fahrwerk und Bremsen sind dem Ganzen durchaus gewachsen. Einzig die Seitenneigung der Karosserie in engen Kurven kann zuweilen enorme Ausmasse annehmen. Im Gegenzug bietet der Toyota hervorragende Offroadeigenschaften, drei sperrbare Achsen und spezielle Offroadfahrprogramme. Ein echtes Arbeitstier also, dem man den harten Arbeiter aber nicht ansieht. Lieder auch ein etwas durstiger Arbeiter. Im Test genehmigte sich der LandCruiser 9,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer.
Im Heck gibt der LandCruiser den Lademeister: Mindestens 1150 Liter passen in den Kofferraum, legt man die Rücksitze um, sind es bis zu 2000 Liter, die transportiert werden können. Wahlweise kann man dabei nur das Heckfenster öffnen oder die ganz Hecktüre öffnen. Allerdings ist diese wie bei japanischen Autos üblich auf der «falschen» Seite angeschlagen. Denn dort herrscht Rechtsverkehr, entsprechend öffnet die Türe bei uns zur Gehsteigseite hin, was nicht sehr praktisch ist. Beim Thema Anhängelast hat der LandCruiser nur wenige Gegner. Im Normalfall dürfen drei Tonnen an den Haken genommen werden, mit einigen Umbauten sind es bis zu 3500 kg, und wem das nicht reicht, kann beim Importeur auch eine Druckluftbremse nachrüsten lassen und die Anhängelast entsprechend nochmals massiv erhöhen. Mit der guten Serienausstattung, den Sicherheitsfeatures und der gebotenen Performance scheint uns der Preis des Testfahrzeugs von 69’850 Franken durchaus gerechtfertigt. Den günstigsten LandCruiser mit drei Türen gibt es ab 39’950 Franken.

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