Porsche

Ein weiteres Standbein

Porsche Macan

Porsche Macan

Die fünfte Baureihe von Porsche ist ein kleines SUV – der Macan Diesel überzeugt im Test.

Porsche hat der Fahrzeuggattung SUV, also Sports Utility Vehicle, sehr viel zu verdanken. Eigentlich alles. Denn wenn Anfang des Jahrtausends das grosse SUV Cayenne ein Flop geworden wäre – wer weiss, ob es die Sportwagenmarke aus Zuffenhausen heute noch gäbe. Bei der Einführung des deutlich kompakteren Macan sieht zwar alles viel rosiger aus (Porsche verdient mittlerweile richtig viel Geld), trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten.

Wie der Cayenne damals, basiert auch der Macan auf einem Modell der Volkswagen-Gruppe. Während der Cayenne dem VW Touareg gleich war, teilt der Macan einen grossen Teil seiner technischen Basis mit dem Audi Q5. Davon ist allerdings wenig zu sehen, denn die Optik ist eindeutig auf Porsche getrimmt. Weit deutlicher als damals beim Cayenne. Vor allem der Heckabschluss des 468 cm langen Allradlers ist gelungen, aber auch die Front mit dem typischen Porsche-Gesicht vermag zu überzeugen.

Hochbeinige Gefährte wie einen Porsche Macan kauft man sich meist nicht, um auf der Nordschleife des Nürburgrings Rekordrunden zu drehen. Man geniesst die bessere Übersicht durch die hohe Sitzposition, scheut sich nicht vor Waldwegen und erfreut sich am Luxus im Innenraum. In allen Bereichen hat der Porsche Macan S Diesel eine Menge zu bieten. Ganz besonders überzeugend ist aber, wie es sich für einen Porsche gehört, der Motor. Der V6-Diesel leistet 258 PS und bietet ein enormes Drehmoment von 580 Nm bereits ab 1750 Umdrehungen. Und das Zusammenspiel mit dem Doppelkupplungsgetriebe ist hervorragend.

Der Macan ist sehr souverän unterwegs und kann, wenn man es denn will, auch richtig heftig um Kurven gescheucht werden. Natürlich merkt man dann das nicht unerhebliche Leergewicht des ummodulierten Audi. 1880 Kilogramm sind es ohne Passagiere, die der Macan S Diesel mit sich rumschleppt. Dank des hervorragenden Fahrwerks vermag der Macan das eine oder andere Kilo zu kaschieren. Aber fast zwei Tonnen sind nun mal fast zwei Tonnen. Das merkt man auch beim Verbrauch. Mit einem Testschnitt von 7,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer ist der Porsche zwar kein Trunkenbold, aber doch meilenweit von der Werksangabe (6,1 l/100 km) entfernt. Das Gewicht, aber auch die Leistung (0–100 km/h in 6,3 Sekunden fordern einfach ihren Tribut.

Der Innenraum ist eines der Highlights des neuen Porsche. Hervorragende Ergonomie, wunderbare Sitze und genügend Raum auch für die Passagiere im Fond werden etwas von der eingeschränkten Übersichtlichkeit wegen der relativ kleinen Fensterflächen getrübt. Zudem ist der Kofferraum nicht riesig. 500 Liter passen im Normalfall ins Gepäckabteil, die Ladekante liegt ziemlich hoch. Immerhin lässt sich der Kofferraum durch das Abklappen der Sitze auf 1500 Liter erweitern. Gegen Aufpreis ist zudem alles zu bekommen, was schön und schlau macht. Egal, ob Multifunktionslenkrad, zahlreiche Lederfarben, Bi-Xenonscheinwerfer, Luftfederung oder Assistenzsysteme – den Macan kann man bis ins Unermessliche aufrüsten. Vom Basispreis von 76’100 Franken entfernt man sich dann allerdings rasch.

Klar ist aber auch, dass sich der Macan verkaufen wird. Und zwar richtig gut. Denn er bietet alles, was die SUV-Konkurrenz von Audi, VW, BMW oder Mercedes auch hat – nur, dass eben Porsche draufsteht. Und er lässt halt auch den sportlichen Ritt zu, scheut sich nicht vor engen, verwinkelten Gassen und wirkt dabei: völlig unaufgeregt. Mit der Summe seiner Qualitäten wird das «kleine» Porsche-SUV, welches im neu aufgebauten Werk in Leipzig vom Band läuft, sicher zu einem weiteren Standbein der Marke. Einzig das hohe Leergewicht erscheint uns nicht Porsche-like. Aber das war beim Cayenne auch so – und er rettete der Marke damals das Leben.

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