Volkswagen
Ein Hauch von Outlaw

Pick-up-Fahrzeuge sind auf Schweizer Strassen immer öfter zu sehen – nicht zuletzt wegen des universell einsetzbarenVolkswagens Amarok.

Markus Chalilow
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VW Amarok Canyon

VW Amarok Canyon

HO

Pritschenwagen mit offener Ladefläche, also Pick-ups, sind absolute Nischenprodukte. Doch einer der neusten Vertreter dieser Gattung, der VW Amarok, verkauft sich deutlich besser, als man das erwarten könnte. Auch, weil so mancher ein wenig vom Outlaw-Image eines Pick-up-Fahrers abhaben möchte.
Dabei haben solche Gefährte – auch bei VW – eine lange Tradition. Man erinnere sich nur an den Caddy der ersten Generation, den es auch als Pick-up gab. Und wenn in den Nachrichten die letzten News aus den Krisengebieten zu sehen sind, fährt garantiert irgendwo ein Pick-up durchs Bild. Als VW den Amarok lancierte, wurden die Autos ausschliesslich in Argentinien gefertigt. In solchen Entwicklungs- und Schwellenländern (Thailand ist das Land mit dem höchsten Pick-up-Anteil und verfügt über einige Produktionswerke namhafter Hersteller) erfreuen sich die robusten Arbeitstiere ja grösster Beliebtheit. Niemand dachte damals (2010) daran, dass der Wagen ebenfalls in Europa einen solchen Erfolg haben würde. Seit 2012 wird der Amarok für Europa nun zusätzlich im Werk Hannover (VW Nutzfahrzeuge, die haben das Fahrzeug auch entwickelt) zusammengeschraubt. Auch in der Schweiz fahren zahlreiche Amaroks rum, vom Büezer-Barden Gölä bis zu Strassenmeistereien hat der Amarok eine weite Verbreitung gefunden. Und, er macht vor allem für die gewerbliche Nutzung auch Sinn. Die zahllosen Konfigurationsmöglichkeiten und spezifische Aufbauten sind der Schlüssel des Verkaufserfolgs.
Aber, VW setzt auch auf die Karte Lifestyle. Der Testwagen, das Sondermodell «Canyon», ist so etwas wie der Edel-Pick-up für die zivile Nutzung. Er ist innen sehr schön mit Leder ausgeschlagen, farbige Kontrastnähte erfreuen das Auge, aber mit Arbeitskleidern sollte man wohl eher nicht einsteigen. Ein Arbeitsgerät ist er nicht. Vom Fahrverhalten aber schon, denn der Amarok ist ein typischer Pick-up, der dann am besten federt, wenn er voll beladen ist. Unbeladen ist der Federungskomfort – vorhanden. Der mächtige, 525 cm lange Wagen läuft mit dem 2-Liter-Turbodiesel (180 PS, 420 Nm) prima. Zumal wenn man den Motor an das 8-Gang-Automatikgetriebe koppelt (allerdings muss man in dieser Konfiguration auf die Geländeuntersetzung verzichten). Aber, wir gehen davon aus, dass der zurechtgemachte Pick-up selten hartes Gelände sehen wird. Aber, er wird sich verkaufen, denn der Hauch von Outlaw wird so manchem Cowboy aus der grossen Stadt schmecken. Und man kann ja auch locker cruisen mit dem Tei l. Hinzu kommen die prima Verarbeitung, der bärenstarke Motor, genügend Platz in der Doppelkabine und dank ESP und ABS auch ein sicheres Fahrverhalten.
Allerdings ist die Sache nicht ganz billig. Mindestens 42’500 Franken kostet der Amarok Canyon mit fünf Sitzplätzen, unser Testwagen kostet die «Kleinigkeit» von 56’807 Franken – schliesslich will allein der Lampenbügel mit den vier Zusatzscheinwerfern mit 1647 Franken zusätzlich bezahlt sein. Mit dem Amarok – egal, ob als Canyon oder als Arbeitstier – macht man zwar nichts falsch. Die Frage ist nur, ob man rund neun Liter Diesel auf 100 Kilometer nicht auch anders einsetzen könnte. Und, noch was zum Lampenbügel auf der Kabine, der das Fernlicht ersetzt: Mit Bügel ist der rund 2 Tonnen schwere Amarok etwas über zwei Meter hoch. Also Vorsicht in den Parkhäusern, sonst wirds finster.