Jeep
Die schnaubende Herde

Der stärkste Indianer aus dem Hause Jeep ist so unnütz wie faszinierend. Der Grand Cherokee SRT-8 polarisiert. Passanten wie Fahrer. Ein Test.

Markus Chalilow
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Jeep Grand Cherokee SRT8

Jeep Grand Cherokee SRT8

HO

Was uns als erstes am 468 PS leistenden V8-SUV aufgefallen ist: Er ist qualitativ nicht auf der Höhe der Premium-Konkurrenz – aber viel näher dran als seine Vorgänger. Dabei kostet er nur etwa die Hälfte. Zum Vergleich: Ein BMW X5 kostet in der Basisversion mit 408 PS schon fast zehn Tausender mehr als unser Testfahrzeug, welches ab 83 700 Franken erhältlich ist.
Aber der Jeep ist nix für Introvertierte. Mächtige Alufelgen in 20-Zoll, trompetenhafte Auspuffendstücke und mächtige Ansaugkiemen in der Motorhaube. Der Jeep fährt vor und scheint zu sagen: «Ich bin der Häuptling! Gebt mir Feuerwasser!» Ja, Feuerwasser, dieses Teufelszeug, das mag er der Grand Cherokee. Der Verbrauch schwankt, je nach Einsatzart gewaltig. Der Durchschnitt lag jeweils zwischen 10 und 24 Litern. Dafür klingt der Jeep genial. Ohne Turbo- oder Kompressoraufladung schnaubt der 5,7 Liter grosse Achtzylinder wie eine Herde Bisons. Die Power des Triebwerks würde reichen, um einen Fiat Panda auf den Mond schiessen, beim SRT-8 reicht das aus, um den rund 2,4 Tonnen schweren Jeep in genau fünf Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h zu beschleunigen. Der Topspeed liegt bei 257 km/h. Mit einer Zahl schliessen wir nun noch das Kapitel Verbrauch ab. 14,2 l/100 km. So viel muss man investieren, will man den grossen Indianer bei Laune halten. Wem es das wert ist, wird viel Freude haben. Und ja, es geht auch mit 10 l/100 km.
Blicken wir nochmals zur Konkurrenz. Das hat Jeep nämlich auch gemacht. Ähnlich wie Range Rover hat Jeep jetzt auch vorwählbare Programme für verschiedene Fahrsituationen. Nicht so ausgeklügelt wie das Terrain-Response der Briten, aber immerhin. Vor allem die Stellung «Track» lässt den Jeep zur wilden Furie werden. Nicht ganz leicht beherrschbar, nervös wie ein Wildpferd, aber eben – faszinierend. Im Schnee ist es egal welches Programm man vorwählt. Irgendwie wühlt sich der Grand Cherokee immer durch. Doch er erfordert in extremen Situationen ein kundige Hand. Denn die Regelsysteme sind nicht so fein abgestimmt wie bei Audi, BMW und Co. Für uns ein klarer Pluspunkt, für den typischen SUV-Kunden wohl eher gewöhnungsbedürftig. Gewöhnen kann man sich rasch an die Serviceleistungen. 10 Jahre Gratisservice, drei Jahre Garantie, das kann sich durchaus sehen lassen und liegt auf oder über dem Niveau der direkten Konkurrenten.