Jeep
Die neue Jeep-Mittelklasse

Optisch polarisiert der neue Jeep Cherokee – in Sachen Technik und Komfort gibt es dagegen nur eine Meinung.

Markus Chalilow
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Jeep Cherokee Trailhwak

Jeep Cherokee Trailhwak

HO

Vor einem Jahr tauchten die ersten Bilder des neuen Jeep Cherokee auf. Schon damals polarisierte die Optik extrem – trotzdem wurde an der sehr speziellen Front festgehalten. Da Schönheit im Auge des Betrachters liegt, muss sich nun bei den Händlern zeigen, ob der neue Mittelklasse-Jeep bei der Kundschaft ankommt. Das technische Rüstzeug dafür hat er auf jeden Fall. Und: Der neue Cherokee ist eines der wenigen Autos, das in natura besser aussieht als auf den Bildern.
Schön ist, dass auch das neuste Modell der Familie (der mächtige Grand Cherokee wurde erst letztes Jahr überarbeitet) einigermassen kompakt ist. Mit einer Länge von 462 cm passt er bestens auf europäische Strassen. Und die Breite von 186 cm stellt den Fahrer auch nicht vor unlösbare Probleme. Damit ist klar: Der Cherokee tritt gegen europäische Konkurrenten wie den BMW X3 oder einen Audi Q5 an. Es gibt den Cherokee – wie so viele andere SUV auch – nun auch nur mit Vorderradantrieb. Das ist gut für den Verbrauch und den Flotten-CO 2 -Ausstoss. Aber man kann den Cherokee auch ganz anders konfigurieren. Als Trailhawk zum Beispiel, mit erhöhter Bodenfreiheit, Geländeuntersetzung und sperrbarer Hinterachse. Es ist also ein riesiger Spagat, den Jeep da macht.
Und auch bei den Motoren ist die Leistungsrange enorm. Von 140-Diesel-PS aus einem Fiat-Vierzylinder über eine 170-PS-Version aus demselben Motor bis hin zum amerikanischen V6 mit 3,2 Liter Hubraum. Der leistet satte 272 PS. In der Schweiz wohl am meisten verkauft werden dürfte der 170-PS-Selbstzünder, der an das neue Automatikgetriebe mit neun Stufen gekoppelt ist. Offenbar hat man da ganz schön auf die andere grosse Offroad-Automarke – Land Rover – geschielt. Denn auch dort kommt mittler weile eine Neunstufenautomatik zum Einsatz. Insgesamt gibt es drei Ausstattungsversionen. «Longitude» ist das Basismodell, deutlich edler kommt der «Limited» daher, und dann gibts eben noch den «Trailhawk» für all jene, die gerne ins Gelände hüpfen. Was fällt auf Erstes auf, wenn man sich in den neuen Cherokee setzt? Man sitzt hervorragend. Die Stühle vorne sind echte Rückenschmeichler, und auch sonst ist die Ergonomie prima. Offenbar hat Fiat so viel Einfluss bei der Entwicklung genommen, dass nun auch europäische Kunden sich uneingeschränkt wohlfühlen können an Bord des Amerikaners. Denn die Sitze bieten nun auch Seitenhalt. Auch der Verstellbereich von Lenkrad und Sitzen ist gross genug – das war nicht immer so. Und es ist sehr leise an Bord des neuen Jeeps. Auch mit dem Diesel im Bug ist kaum etwas zu hören, egal ob im Stand oder in Fahrt. Von einer derart guten Schallisolation ist Audi beim Q5 beispielsweise noch weit entfernt. Und Audi gilt sonst allgemein als Benchmark. Ein ziemliches Kompliment also für den geländegängigen Fünfplätzer, der zwar unter Mithilfe der Italiener entwickelt wurde, aber in den USA gebaut wird.

Aber: Ruhe an Bord geht meist mit einem hohen Leergewicht einher. Und da sieht man dann, dass auch Jeep nur mit Wasser kocht. Mindestens 1830 kg schwer ist der neue Cherokee, kann aber je nach Motorisierung und Aus stattung auch locker mal zwei Tonnen wiegen. Eine Menge Holz, aber die Konkurrenz ist mit Ausnahme des Mazda CX-5 auch nicht wirklich leichter. Einmal in Fahrt spürt man vom hohen Leergewicht erstaunlich wenig. Klar, in der Anbremszone vor einer Spitzkehre ist der Jeep nicht gerade das flinke Wiesel, aber so wird der Offroader wohl auch selten bewegt. Uns hat gefallen, dass es im Innenraum zwar sehr still ist, man aber trotzdem keine Knarzgeräusche hört. Die Zeiten sind offenbar vorbei, in denen die Lederpolster aneinander rieben und hässliche Töne von sich gaben. Und auch die Zeiten, in denen in den Jeep die wichtigsten Schalter und Hebel überall im Auto verteilt wurden.
Obwohl Chrysler – und damit die Marke Jeep – nun vollumfänglich zum Fiat-Konzern gehören, ist der Cherokee nicht einfach ein aufgemotzter Fiat 500. Es ist schön zu sehen, dass man zumindest in diesem Segment noch auf die Amerikaner hört, denn die können 4x4. Vielleicht hört man auch deshalb auf sie, weil sie derzeit der Goldesel des Konzerns sind. Mittlerweile werden pro Jahr eine Dreiviertelmillion Jeep verkauft. Wenn man das mit Alfa Romeo oder Lancia vergleicht ... Was uns sonst noch aufgefallen ist: Die Lenkung gehört zum Besten, was das SUV-Segment derzeit zu bieten hat. Und die 170 Diesel-PS reichen durchaus aus, um den 1,9-Tonner einigermassen zügig zu bewegen. Klar: Der V6-Benziner verwöhnt nicht nur mit seidenweichem Lauf, sondern auch mit ordentlich Dampf. Aber er ist auch sehr trinkfest, auf der kurzen ersten Ausfahrt genehmigte er sich gemäss Bordcomputer 11,4 Liter pro 100 Kilometer. Die Diesel sind deutlich sparsamer. Jeep nennt einen Wert von 5,3 Liter pro 100 Kilometer

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