Die neue C-Klasse ist nicht bloss ein gutes Auto geworden, sondern ein richtig gutes. Es beinhaltet sämtliche Stern-Tugenden, ist also solid, hochwertig, technisch ausgereift. Doch es ist eben noch mehr, bedeutend jugendlicher als auch schon, clever – und sogar Fahrfreude herrscht. Dies in einem Masse, das man von Stuttgarter Produkten (ausser, es stand AMG hintendran) nun wirklich nicht gewohnt war in der Vergangenheit. Ein Beispiel: Während noch der Vorgänger (W204) gnadenlos über die Vorderräder schob, wenn der Pilot eine Kurve nur schon von weitem sah, gefällt das neue Modell (W205) mit einem ausgesprochen neutralen Fahrverhalten. Dass Daimler sich nochmals eine (teure) Hinterradantrieb-Plattform für die C-Klasse leistet, ist erfreulich, denn die C-Klasse hätte gut auch frontgetrieben werden können (wie das der Konkurrent Audi A4 ja auch ist), dann hätte Stuttgart wahrscheinlich sogar mehr Geld verdient. Doch man blieb sich treu – und schafft in Sachen Fahrdynamik quasi den Anschluss an BMW. Nur «quasi» deshalb, weil da halt eine gewaltige Menge an elektronischen Systemen Einfluss nimmt, doch das scheint heute nicht mehr anders möglich. Was aber gut ist: einmal kurz drücken am Fahrdynamik-Schalter, schon ändert sich das Setting, Komfort, Sport, Sport+ – so einfach ist das sonst bei keinem anderen Hersteller, deshalb wird der Kunde oder die Pilotin das auch nutzen.


Obwohl die neue C-Klasse über so ziemlich jedes erdenkliche elektronische Gimmick verfügt und ein wahres Füllhorn an Assistenz-Systemen, und obwohl sie um 10 Zentimeter auf 4,69 Meter angewachsen ist (immer noch etwas kürzer als der Audi A4), wiegt sie im Schnitt rund 100 Kilogramm weniger als der Vorgänger. Das spürt man im Fahrbetrieb, der Wagen ist erfreulich agil – und soll doch deutlich sparsamer sein. Unter vier Liter will der sparsamste Diesel in Zukunft verbrauchen – Hut ab. Einen Hybrid gibt es auch bald, und nächstes Jahr dann auch noch einen Plug-in-Hybrid.

Innen: mehr Platz, vor allem hinten, mehr Kofferraum (480 Liter) – und eine Gestaltung so nobel wie die der deutlich teureren S-Klasse. Dass der W205 von aussen aussieht wie eine geschrumpfte S-Klasse, ist ein anderes Thema, aber die Schönheit eines Automobils liegt ja immer im Auge des Betrachters. In der Schweiz wird wohl der C250, ein 2-Liter-Benziner mit 211 PS, das meistverkaufte Modell werden. Diese Motorisierung reicht absolut locker, gutes Drehmoment (350 Nm bei 1200 bis 4000/min, das ist eine Wand), gemäss Norm ein Verbrauch von 5,3 Litern. Einverstanden, die 7-Gang-Automatik von Daimler ist nicht mehr ganz so frisch (es gibt unterdessen 9-Gang-Automaten), doch sie versieht ihren Dienst mit der gebotenen Zurückhaltung. Fast schon ein bisschen euphorisch zu empfehlen ist der C400 mit dem 333 PS starken 3-Liter-Turbo, eine gross artige Maschine, die aus dem kleinen Mercedes einen sehr souveränen Gran-Turismo macht. Er kommt allerdings erst im Herbst.


Die neue C-Klasse steht schon nächste Woche bei den Schweizer Händlern; eine sogenannte «Swiss Star Edition» auf Basis des C200 (156 PS) ist mit flotter Ausrüstung schon ab 41’500 Franken zu haben. Im Weg stehen kann einem Erfolg der C-Klasse eigentlich nur Mercedes selber – die Kunden müssen überzeugt werden, dass Schluss ist mit gepflegter Langeweile beim Stern.