Porsche
Die Kombination machts

Der Porsche 911 Targa vereint die positiven Eigenschaften eines Coupés mit denen eines Cabrios.

Markus Chalilow
Drucken
Teilen
Porsche 911 Targa

Porsche 911 Targa

HO

Porsche ist mit dem neuen 911er, der intern auf das Kürzel 991 hört, ein grosser Wurf gelungen. Da ist es klar, dass man in Zuffenhausen aus dem «Grundmodell» so viele Derivate wie nur irgendwie möglich generiert. Der neuste Elfer hört auf den Namen Targa, bietet also ein abnehmbares Dachteil, ohne aber ein Cabrio zu sein. Der Vorteil: Man kann Frischluftfeeling geniessen, ohne aber auf die extreme Verwindungssteifigkeit des Coupés verzichten zu müssen. Erfunden wurde dieses Dachprinzip übrigens aus der Not heraus. Denn in den USA gab es Mitte der 60er-Jahre Bestrebungen, offene Autos ohne Überrollschutz zu verbieten. Daraus entstand 1965 der erste Targa mit dem typischen, farblich zur Karosserie abgesetzten Überrollbügel. Aus der Not wurde ein kleiner Kult, denn die Modelle waren beliebt. Sogar in den letzten Jahren, als es den Targa nur mit versenkbarem Glasdach ohne den typischen Bügel gab. Die intern 996 und 997 bezeichneten Modelle hatten dafür als einzige 911er zwei Kofferräume.
Das ist alles passé, der neue Targa ist wieder als solcher zu erkennen. Auch wenn man sich das manuelle Entfernen des Dachs nun sparen kann. Innert 20 Sekunden öffnet oder schliesst sich das Dach des Targa, ein gewaltiges Schauspiel, das nur im Stand funktioniert. Weil sich die mächtige Heckscheibe so weit nach hinten absenkt, ist das System sogar an die hinteren Parksensoren ge koppelt. Entdecken die ein Hindernis hinter dem Auto, kann das Dach nicht geöffnet werden. Kommen wir zur Kernkompetenz eines jeden Porsche 911: der Fahrdynamik. Und hier gibt es zu berichten, dass die Karosserie des Targa tatsächlich ähnlich stabil ist wie die des Coupés. Aber der Wagen ist mit einem Leergewicht von mindestens 1575 kg (den Bügel-Porsche gibt es nur mit Allrad) auch deutlich schwerer als das Coupé; im Vergleich zum Carrera S nur mit Hinterradantrieb sind es satte 160 kg. Man mag nun vermuten, dass man diesen Unterschied nicht spürt. Tut man aber doch. Vor allem an der Vorderachse gibt sich der Targa etwas behäbiger als seine leichteren Brüder.
Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Wir haben den neusten und – das sind sich viele einig – schönsten der aktuellen Elfer richtig hart rangenommen. In Apulien, wo die Strassen so schlecht sind wie gepanschtes Olivenöl musste der Targa seine Qualitäten unter Beweis stellen. Und wir sind nach wie vor begeistert vom neuen Elfer, auch als Targa. Da ist zum Beispiel das enorm verzeihende Fahrwerk: Es scheint einfach alles mitzumachen. Hartes Anbremsen auf Hauptstrassen, die bei uns als Forstwege in die Karten eingezeichnet würden, entlockt dem Auto keinerlei Geräusche. Das Auto verwöhnt wie die anderen Modelle mit hervorragenden Sitzen und lässt sich spielerisch auch im Verkehrsgewühl dirigieren. Man sitzt einfach in einem tollen Auto. Denn die Summe der Qualitäten, insbe sondere die Ruhe im Innenraum bei geschlossenem Dach, machen den 911 Targa zu einem echt schnellen, eleganten und völlig alltagstauglichen Begleiter. Und wenn man sich die Fertigungsqualität ansieht: zu einem Begleiter, den man über Jahre an seiner Seite hat.

Hinten gibt es weiterhin die in unseren Augen völlig unnötigen Notsitze. Wir fragen uns, wie lange Porsche diesen Unsinn weiter betreiben will, statt hinter den Vordersitzen anständig nutzbare Ablageflächen zu installieren. Der Argumentation, wie so es den Targa ausschliesslich mit Allrad gibt, können wir einigermassen folgen. Porsche glaubt zu wissen, dass der Targa wohl im Gegensatz zum Cabrio als Ganzjahresauto eingesetzt wird. Und darum viele Käufer eh zum Allradmodell greifen würden. Immerhin hat der Käufer die Wahl zwischen dem Targa 4 mit 350 PS und dem Targa 4S mit 400 PS.
Keine Zurückhaltung kennt Porsche bei der Preisgestaltung. Ab 148’200 Franken kostet der Targa, als «4S» mindestens 166’500 Franken. Nicht wenig Geld, das man ab dem 10. Mai zum Händler tragen kann.

Aktuelle Nachrichten