Nun hat man sich mit der Cactus genannten Modellvariante des C4 wieder auf die traditionellen Werte besonnen. Das Auto ist auf den ersten Blick einfach gestrickt, bietet aber viel Technik und Innovation. Und, es fährt sich ganz hervorragend. Für die ersten Fahrten stand der stärkste Cactus zur Verfügung, welcher bei den Händlern in der Schweiz allerdings erst ab November dieses Jahres erhältlich ist. Also, 110 PS aus einem Dreizylinder-Benziner mit Turbolader. Der 1200er-Motor generiert 205 Nm ab 1500 Umdrehungen und ist an ein manuelles Fünfganggetriebe gekoppelt. Ja, nur fünf Gänge – und das reicht auch. Das reicht auch, weil das Gewicht des knapp über vier Meter langen Franzosen (L×B×H: 416×173×153 cm) sehr gering ist. 1040 kg nennt Citroën als Mindestgewicht für die von uns gefahrene Version. Das ist: sensationell. Und das bemerkt man auf jedem Meter. Das Auto lässt sich spielerisch bewegen, man verfällt an Bord des Citroën nie in Hektik. Alles geht leicht, locker – eine richtige Entspannung. Nicht zuletzt auch wegen der – für heutige Designverhältnisse – grossen Fensterflächen.

Man sieht, wohin man fährt, dazu kommen die nicht zu leichtgängige Lenkung, das gute Ansprechverhalten des Benziners und die einfache Bedienung. Einfach zumindest für all jene, die mit einem Smartphone umzugehen wissen. Denn durch den grösstmöglichen Verzicht auf Schalter und Knöpfe muss man sich schon wieselflink durch die verschiedenen Ebenen der Menüs «klicken», um ans Ziel zu kommen. Doch wie gesagt, wer sein Smartphone bedienen kann, hat mit dem Citroën nicht die geringste Mühe. Lob gibts auch fürs Fahrwerk. Sportlichkeit stand zwar wohl als letzte Priorität auf der Liste der Fahrwerksingenieure. Trotzdem ist der C4 Cactus alles andre als eine Schaukel. Der Wagen fährt sehr komfortabel, verfügt über genügend lange Federwege und lässt sich dennoch präzis bewegen. Und weil der Franzose kein Renntriebwerk mit über 200 PS hat, ist auch die Traktion nie ein Problem. Selbst bei feuchter Fahrbahn und eingeschlagenen Vorderrädern gibt sich der C4 keine Blösse.

Und wenns beim Einparken mal nicht ganz so klappt, wie man das möchte (natürlich gibts auch einen Einparkassistenten und eine Rückfahrkamera), dem helfen die Air-Bumps. Diese mit Luft gefüllten Designelemente an Front, Heck und den Türen sollen ziemlich viel aushalten können. Und, die Kunststoff-Einlagen lassen sich kinderleicht und preisgünstig ersetzen. Ein Auto also, das den harten Bedingungen im Stadtverkehr problemlos standhalten soll. Dafür sorgt auch der Innenraum mit sehr bequemen Sitzen, genügend Platz und ansehnlichem Stauraum. Mindestens 360 Liter passen in den Kofferraum des C4 Cactus. Und, der Franzose hat ein richtig grosses Handschuhfach, dessen Deckel sich nach oben öffnet, also sehr gut zugänglich ist. Das ist nur möglich, weil der Beifahrerairbag in den Dachhimmel gewandert ist. Auch dieses Feature ist eine Premiere im Automobilbau. So ein Cactus kostet mit 75 PS ohne jegliches Zubehör 18’150 Franken. Das ist nicht viel, zumal bereits zur Lancierung Rabatte von bis zu 2500 Franken möglich sind. Wenn man es etwas kräftiger mag, sind mindestens 22’700 Franken fällig, so viel kostet der e-THP 110 genannte Motor im Citroën C4 Cactus mindestens. Zusammen mit ein paar netten Extras, und derer gibt es viele – da man auch in Frankreich stark auf die Karte Individualisierung setzt – sind dann schnell mal 25  000 Franken fällig. Wir erachten das als eine verpasste Chance. Nein, der Cactus ist nicht teuer. Aber eine Preisrevolution – wie einst bei Dacia mit dem Logan – gelingt den Mannen mit dem Doppelwinkel leider nicht.