Mercedes-Benz

Die feine Mittelklasse

Mercedes C-Klasse Kombi

Mercedes C-Klasse Kombi

Dass Mercedes mit der neuen C-Klasse ein grosser Wurf gelungen ist, das hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Die Verkaufszahlen sind gut, die Kritiken noch besser, Oberklasse-Niveau wird dem kleinen Benz attestiert – und auch noch jede Menge Fahrfreude. Dass ein Mercedes in diesem Bereich quasi auf einer Stufe wie BMW genannt wird, das ist selten. Und tut den Stuttgartern sehr gut. Zwar verkaufen sich im Premium Segment, also: Audi A4, BMW 3er-Reihe, Mercedes C-Klasse und ein paar Exoten, auch die viertürigen Limousinen ganz anständig, sogar in der Schweiz. Und doch: der Kombi ist und bleibt der Bestseller.

Traditionell schickt Mercedes die geräumigere Variante erst mit einer gewissen Verzögerung ins Rennen. Unterdessen ist aber auch das sogenannte T-Modell angekommen, mit allen Ingredienzien, die es für einen Erfolg hierzulande braucht, also auch: Allrad. 4×4 in Kombination mit Diesel und Automat, das ist in der Schweiz nicht nur bei Flottenkunden eine sehr beliebte Kombination – und genau so war auch der Testwagen konfiguriert, ein 220 CDI 4matic. Der steht mit einem Basispreis von knapp über 50  000 Franken in der Preisliste, ein auf den ersten Blick durchaus vernünftig erscheinender Preis für einen 170 PS starken Selbstzünder. Dann kommt aber das grosse Aber. Das Testfahrzeug kostete mit allen Extras über 90  000 Franken, und das ist dann sehr viel Geld, auch wenn die Ausstattung sehr edel daher kommt.
Womit wir bei einem «Problem» vieler aktueller Modelle sind, nicht nur bei Mercedes: es gibt unterdessen eine kaum mehr überblickbare Masse an Assistenz-, Infotainment- und Sicherheits-Systemen. Im Basispreis inbegriffen sind nur die elementarsten Sachen, wer etwas Luxus will, die modernsten Technologien, ein anständiges Sound- oder Navigationssystem, der muss tief in die Tasche greifen.

Bei den «nackten» Autos ist der Preisdruck hoch, die Konkurrenz hart – also müssen die Hersteller ihre Margen über den Verkauf von Sonderausstattungen verbessern. Und das nimmt dann teilweise ungesunde Ausmasse an. Wie der massive Aufpreis beim Mercedes-Kombi zeigt. Oberklasse gibt es nur, wer auch dafür bezahlt, von einer «Demokratisierung des Hightech» kann keine Rede sein. Selbstverständlich erhält man für so viel Geld einen feinen Wagen. Sehr edle Materialien, ausgezeichnet verarbeitet; da befindet sich Mercedes unterdessen wieder auf höchstem Niveau, ganz nah bei den Perfektionsstrebern von Audi. Die Gestaltung des Innenraums ist etwas altmodischer als bei den beiden deutschen Konkurrenten, doch das vermag durchaus zu gefallen, auch spricht so ein Stern eine andere Kundschaft an. An der Ergonomie gibt es nichts zu mäkeln; die Mercedes-Fahrer kommen ja auch mit dem Multifunktionshebel zurecht. Richtig gut ist die Funktionalität beim Kofferraum, 490 Liter sind es, mit abgeklappten Rücksitzen gar 1510, das ist ein klein wenig mehr als beim A4 Avant und beim 3er-Kombi.

Mit dem 2,2-Liter-Diesel ist der Benz mehr als nur ausreichend motorisiert, die perfekt schaltende 8-Gang-Automatik trägt da ihren Teil dazu bei, weil sie immer den richtigen Gang bereithält, das mächtige Drehmoment auch genutzt werden kann. Man ist dann an der Tankstelle aber trotzdem etwas erstaunt: Die 4,5 Liter Normverbrauch schafft der C-Klasse-Kombi bei weitem nicht, es waren im Test gut 2 Liter mehr im Schnitt. Ist der Diesel noch kalt, nagelt er gut hörbar; hat er die Betriebstemperatur erreicht, bleibt er erfreulich zurückhaltend. Vom Allradantrieb bekommt der Pilot im Alltag nichts mit, es gibt keinerlei Einflüsse auf die Lenkung, die Fahrfreude bleibt erhalten. Und auch diese wirklich feine Mischung aus wunder barem Komfort und flotter Sportlichkeit, welche schon die Limousine der C-Klasse ausgezeichnet hat.

Meistgesehen

Artboard 1