Auf der Hardware-Seite hat man bei VW – für einmal – nicht gerade viel in der Pipeline. Dafür jede Menge Spielereien bei der Elektronik. Was sich die Entwickler in und um Wolfsburg so ausdenken, ist zumindest für Europa wohl eher gewöhnungsbedürftig. Aber VW ist ein Weltkonzern, und vieles, was in Europa nicht ankommt, ist in den USA oder China sehr willkommen. Davon später mehr.

Natürlich ist auch bei den technischen Komponenten etwas in Vorbereitung. Ein neues Doppelkupplungsgetriebe DSG zum Beispiel. Wobei so richtig neu ist es nicht. Mit einem simplen, technisch nicht ganz einfachen Trick wird aus dem bekannten DSG mit 7 Gängen eines mit zehn Fahrstufen. Sogar ein ganzes Dutzend Gänge sind theoretisch möglich. Das Direkt-Schalt-Getriebe mit sieben Gängen wird um ein Zahnrad und zwei Schaltstellen erweitert. Das zugefügte Zahnrad ist ein Rücklaufrad, mit welchem die Drehrichtung der anderen Zahnräder geändert werden kann. So können bis zu 10 Gänge generiert werden, ohne dass man auf den unterbruchslosen Vortrieb eines Doppelkupplungsgetriebes verzichten muss. Will man aus diesem System noch mehr Gangstufen holen, ist es allerdings vorbei mit Schalten ohne Unterbruch. Denkbar wäre ein extrem kurzer Kriechgang für Geländeeinsätze oder ein Super-Overdrive zur extremen Drehzahlabsenkung bei hohen Geschwindigkeiten. Der Pluspunkt aus dem Mehr an Gangstufen: Beim Beschleunigen wird möglichst rasch in einen höheren Gang geschaltet – und durch die grössere Spreizung der grössten Gänge soll CO 2 eingespart werden. Weil nur wenige Komponenten hinzugefügt werden, ist das Mehrgewicht mit nur fünf Kilogramm sehr gering ausgefallen. Auch die Abmessungen des Getriebes – das Motordrehmomente von bis zu 550 Nm übertragen kann – haben sich nicht verändert. Es passt also in jedes Modell des modularen Querbaukastens. Das 10-Gang-DSG könnte bereits in zwei Jahren in den ersten Autos verbaut werden.

Eher in die Spielzeugabteilung gehört die App «Sound Journey». Damit wird der VW zum Musikinstrument. Je nach Fahrstil generiert der Wagen, in unserem Fall ein Polo, unterschiedliche Soundkulissen, die sich dem aktuellen Fahrstil anpassen. Das eigene «Musikstück» kann man auch abspeichern und mit anderen – zum Beispiel in sozialen Netzwerken – teilen. Aber es gibt durchaus auch nützlichere Features in diesem Bereich. Die neuste Generation von Navigationsgeräten merkt sich häufig gefahrene Strecken. So werden zum Beispiel Staus auf der Route zur Arbeit angezeigt, auch wenn man gar kein Ziel ins Navi eingegeben hat. Nach einer Woche soll sich das System die häufigsten Routen gemerkt haben und dem Fahrer automatisch drei Wege – zum Beispiel ins Büro – anbieten. Natürlich beteuert man bei VW, dass niemand diese Daten, welche im Auto gespeichert werden, «verwenden» kann, nicht einmal der nette VW-Händler von nebenan.

Weiter bei den Komfortfeatures. «Easy open» und «Easy close» sind die beiden neusten Errungenschaften im Bereich der Heckklappe. Sensoren detektieren, ob sich der Fahrzeugschlüssel nähert. Wird der Schlüssel erkannt, projiziert man ein farbiges Symbol hinter den Stossfänger. Hält man nun den Fuss auf diese Projektion, öffnet sich die Heckklappe automatisch. Das System gibt es eigentlich schon, allerdings muss man bisher mit dem Fuss unter dem hinteren Stossfänger herumfuchteln, um die Klappe zu öffnen. Das sieht zuweilen nicht sehr elegant aus; mit dem neuen System will man die Steuerung einfacher nutzbar machen. Die Funktion «Easy close» wird per Tastendruck an der offenen Heckklappe aktiviert. Dann hat man 20 Sekunden Zeit, sich mit dem Fahrzeugschlüssel aus dem Heckbereich zu entfernen. Sobald man die Funkreichweite verlassen hat, schliesst sich das Heckportal und das Auto wird abgeschlossen. Nette Gimmicks, mehr nicht. Weiter mit der Elektronik. Da gibt es Systeme (in China schon lieferbar) zur Überwachung des Fahrzeugs. Mit einem virtuellen Zaun, zum Beispiel, kann man auf einer Karte bestimmen, in welchem Bereich sich das Auto bewegen darf. Gibt man die Autoschlüssel also der Jungmannschaft und verlassen die jungen Wilden das definierte Gebiet, gibt es eine Meldung per Mail oder SMS an den Fahrzeugbesitzer.

Weit interessanter finden wir da die verschiedenen Oxidbeschichtungen fürs Armaturenbrett oder das Sonnendach, die das Aufheizen des Innenraums deutlich reduzieren sollen. Das ist nicht nur angenehm, sondern reduziert auch den Verbrauch, weil die Klimaanlage deutlich weniger arbeiten muss. Und auch im Winter sollen diese Beschichtungen helfen, weniger Wärme zu «verlieren».

VW arbeitet also weiter hart an Verbesserungen, wobei längst nicht alle dieser Innovationen einen echten Nutzen bringen. Aber der Kunde will halt immer etwas Neues.