Volkswagen

Des Schweizers Lieblings-Golf?

VW Golf R

VW Golf R

Der Golf R ist eine Erfolgsgeschichte. In keinem Land werden so viele R-Modelle verkauft wie in der Schweiz. Auch der neue 300-PS-Golf vermag im Test zu überzeugen.

Die Golf-R-Modelle mit dem Sechszylindermotor waren legendär. Allrad, hervorragende Fahrleistungen und der Sound des VR6-Motors machten die alten R-Modelle zum Verkaufsschlager in der Schweiz. Seit der letzten Generation gibts den «R» aber nur noch mit Vierzylinder-Turbo. Schneller und souveräner zwar als die ehemaligen Sechszylinder, aber irgendwie nicht mehr so faszinierend. Der neue Golf R mit 300 PS klingt wegen des Soundgenerators – welcher die Motorgeräusche künstlich verstärken soll – eher wie die alten Fünfzylindertriebwerke von Volvo/Ford. Aber nur innen, aussen klingt es nach noch weniger. Doch die fehlende Soundkulisse darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der böse Golf ein richtig schnelles Auto ist. Bereits von der vierten Generation des Golf – aktuell stehen wir bei der siebten Auflage – gab es eine R-Version.

Der R32 war ein grosser Erfolg, aus der anfangs geplanten Kleinserie wurden insgesamt 12’000 Autos. Herzstück war der VR6-Motor. VR bedeutet V-Motor in Reihe, was widersprüchlich klingt, aber mit dem besonders engen Zylinderwinkel und dem gemeinsamen Zylinderblock und Zylinderkopf zu begründen ist. Der durstige 3,2-Liter schaffte damals 241 PS, welche bereits bei der ersten Version über alle vier Räder auf die Strasse übertragen wurden. Der VR-Motor im Golf V leistete dann 250 PS und war das letzte Triebwerk mit mehr als vier Zylindern. Nun also 300 PS aus einem Zwei liter-Turbo: Allrad und DSG natürlich auch – aber es gibt ihn auch als Handschalter. Und er passt perfekt auf Schweizer Strassen. Nicht zu aggressiv, aber doch präsent, vier Endrohre am Heck, das macht was her. Aber er ist irgendwie nicht so scharf wie ein GTI. Optisch zumindest. Als «R» müsste er ja eine Schippe drauf legen auf den GTI – tut er aber nicht. Was die eingefleischten Fans zum Stöhnen bringt, wird die Hauptzielgruppe für den Golf R erfreuen. Denn Spoilerwerk ist bei denen, die sich einen «R» leisten können, wohl nicht so gefragt.

Der optische Eindruck spiegelt sich auch im Fahrverhalten wider. Wir finden, der «R» ist nicht der schärfste Golf derzeit, sondern einfach der souveränste. Dank Allrad antrieb bringt man die linear anstehende Kraft des Motors locker auf die Strasse, das Auto ist wirklich auch in den Kurven schnell, nur leider merkt man es kaum. Zu geschliffen kommt der «R» daher, egal welche Fahrwerkseinstellung man gewählt hat. Der Unterschied des per Tastendruck veränderbaren Dämpfersetups ist zwar deutlich spürbar, ein böser – sprich tückischer – Golf wird er aber nie. Wir vermuten jetzt einfach mal, dass man sich hier Luft nach oben lassen wollte und wohl innerhalb von zwei Jahren eine noch «bösere» Version nachschiebt. Das Rezept dazu hat man mit dem VW Polo R WRC ja schon erfolgreich erprobt.

Gar nichts zu bemängeln gibt es, wie bei den Golf-Modellen üblich, am Innenraum. Genügend Platz, gute Ergonomie, grosser Bildschirm für all die Fahrzeugfunktionen und die Navigationsanzeige sowie klassische, gut ablesbare Rundinstrumente. Kurz: Innenraum kann man in Wolfsburg. Aber so richtig fesselnd ist der Golf auch innen nicht. Einmal mehr gestaunt haben wir ob der VW-Aufpreispolitik. Wobei, eigentlich muss man den Wolfsburgern ein Kränzchen winden. Wer 90 Franken für ein gewichtssparendes Reserverad verlangen kann, hat alles richtig gemacht. Unser Testwagen, mit Leder dotiert, kostete auch darum statt der ursprünglichen 48’750 Franken satte 60’600 Franken. Das ist nicht wenig, aber wir wissen, dass der souveräne Golf R seine Käufer in der Schweiz finden wird. Denn es spricht eigentlich nichts gegen dieses Auto. Schliesslich ist auch der Verbrauch mit 8,9 l/100 km einigermassen in Ordnung. Wie VW allerdings auf einen Wert von 7,1 l/100 km kommt, ist uns schleierhaft.

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