Skoda, die einstige Billig-Tochter aus der Tschechei, meldet schon länger Ansprüche an auf dieses Segment, durfte aber bisher nicht so recht hineinwachsen. Die Mutter in Wolfsburg verhielt sich recht zurückhaltend in Sachen Technologietransfer, Skoda wurde immer so ein bisschen stiefmütterlich behandelt, auch eingebremst. Doch unterdessen scheint man sich in der Plüschetage auf eine neue Strategie besonnen zu haben – schliesslich will der Konzern ja bis 2018 an die Weltspitze, und dafür braucht es jedes einzelne Exemplar, das verkauft werden kann. Nur so ist es zu erklären, dass der Octavia den Golf im Kriterium «Vernunft» um Längen hinter sich lassen darf, warum der neue Superb – kommt im Frühling 2015 – den gerade erst vorgestellten Passat in wichtigen Bereichen übertreffen wird – und warum der neue Fabia den erst gerade kürzlich aufgefrischten Polo ziemlich tief in den Schatten stellt.

Die Spiesse von Fabia und Polo sind nun gleich lang, sprich: sie teilen sich die technische Grundform. Beide Fahrzeuge basieren – erstaunlicherweise – nicht auf der neuen VW-Allzweckwaffe MQB, sondern müssen noch auf seit Jahren bekannte Fundamente zurückgreifen. Ist alles eine Frage des Preises (und vor allem: der Gewinn-Maximierung) und der Kunde wird das auch kaum merken, ausser, er hat einen Bleifuss oder hat sich bereits heftig in die neusten Entwicklungen der Infotainment-Systeme vertieft. Das geht mit MQB, also beim Golf 7 und seinen Brüdern halt viel mehr, da sind die Möglichkeiten viel grösser.

Der neue Fabia ist in erster Linie zehn Zentimeter breiter als sein Vorgänger. Das wirkt sich positiv aus auf die Optik, er wirkt jetzt kräftiger, dynamischer. Und es gibt freche, knallige Farben und schwarze Dächer und schwarze Felgen – so macht der kleine Skoda schon was her, die wahre Biederkeit überlässt er nun dem Polo. Die zusätzliche Breite ist auch beim Fahrverhalten spürbar, der Fabia liegt nun deutlich besser auf der Strasse. Die Lenkung ist ausreichend präzis, aber wer halt mal die progressive Variante in anderen VW-Gruppen-Produkten in den Händen hatte, empfindet die klassische Variante als unpräzis, zu leichtgängig. Wenn man etwas flotter fährt, merkt man das dann nicht mehr – und flott kann er auch, agil ist er, der Fabia, angenehm wendig mit seinen genau 3,99 Metern Länge. Innen ist die Übersicht gut, die Ergonomie sowieso (wie bei allen VW-Konzern-Produkten), die Haptik auch – da wird auch bei Skoda unterdessen kein billiger Plastik mehr verbaut. Gutes Gestühl, da haben sich die Gestalter Mühe gegeben, das auch optisch ein bisschen wirken zu lassen. Hinten hat es für diese Kategorie erstaunlich viel Platz, fast schon fürstlich, und auch der Kofferraum ist mehr als okay: 330 Liter gibt es immer, bis 1150 Liter sind möglich. Das ist dann nicht mehr weit vom Golf entfernt – und wer mehr braucht, der kann ja auf den Kombi warten, der ebenfalls bald auf den Markt kommt.

Wir sind den 1,4-Liter-Diesel mit 90 PS und den 1,2-Liter-Benziner mit 110 PS gefahren. In dieser Klasse werden in erster Linie Benziner gekauft, in der Schweiz sowieso. Der mit einem Turbo aufgepumpte Benziner dagegen macht richtig Laune, hat mit den 1,1 Tonnen des Tschechen (im Schnitt 65 Kilo weniger als beim Vorgänger) wahrlich keine Mühe. Aber er ist etwas laut. Was aber irgendwie zum optisch durchaus sportlichen Auftritt passt. Und auch zum durchaus vorhandenen Fahrspass, den der Fabia ebenfalls bieten kann. Und dann geht es da noch um den Preis: den neuen Fabia, der ab Mitte Januar bei den Schweizer Händlern steht, gibt es für 14’490 Franken, dies für den 1-Liter-Dreizylinder mit 75 PS. Der Polo kostet mindestens 15’650 Franken, doch dafür gibt es nur 60 Pferdchen; für den vergleichbaren 75-Pferder müssen schon mindestens 16’700 Franken ausgelegt werden. Nochmals: Vorteil Skoda.