Volkswagen
Der Volkswagen-Sportler für Vernünftige

GTI steht bei VW für den besonders sportlichen Golf - GTD steht für dasselbe, einfach mit Dieselmotor.

Markus Chalilow
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VW Golf GTD

VW Golf GTD

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Aber, ganz so einfach ist das nicht. Im Pressetext bringt es VW selbst auf den Punkt: «der neue GTD ist der Langstreckenexpress im Golf-Programm». Das können wir so unterschreiben, denn ein wirklicher «Hot Hatch» wie die Freunde von der britischen Insel die Kompaktsportler nennen, ist der GTD nicht. Dabei hat VW wirklich viel getan, um dem Golf mit Dieselmotor Beine zu machen. Allem voran mit einem komplett neuen Dieseltriebwerk, welches nun optimal auf den modularen Querbaukasten abgestimmt ist. Und, mächtig Leistung hat. Im GTD leistet der Zweiliter-Selbstzünder 184 PS und drückt ein maximales Drehmoment von 380 Nm auf die Kurbelwelle. Das ist fein, aber eben nicht wirklich heiss. Und so geht der GTD denn auch ans Werk: sehr souverän, fast schon ein klein bisschen langweilig. Und vor allem irgendwie emotionslos. Obwohl er bis zu 230 km/h schnell ist und in 7,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt. Nun, dennoch ist er deutlich emotionsloser als der ebenfalls brandneue GTI.
Da bringen auch Sitze mit Karostoff oder die GTD-Embleme nichts. Dafür soll er schön sparsam sein. 4,2 Liter pro 100 Kilometer nennt VW als Normverbrauch. Schuld daran sind zahllose Systeme wie Stopp-Start-Automatik, verbesserte Einspritzung oder Bremsenergie-Rekuperation. Ausserdem immer mit an Bord: Eine sehr direkte Progressivlenkung (wirklich prima abgestimmt) sowie ein mittels Knopfdruck einstellbares Fahrwerk. Und, auch einen derzeit ach so modischen Sound-Composer hat der Golf an Bord. Doch dieser hält sich auch im Sport-Modus vornehm zurück, und das finden wir eigentlich ganz gut so. Ansonsten ist im Golf - alles Golf. Und das ist nicht schlecht, wie auch unser Dauertestwagen (1,4 TSI ACT) Tag für Tag beweist. Besonders gefallen hat uns am neuen Motor nicht die eigentlich Höchstleistung oder der geringe Verbrauch (den konnten wir bei den ersten Testfahrten nicht selber ermitteln). Nein, besonders gefallen hat uns, wie das neue Triebwerk auf den Wunsch des Fahrers eingeht. Jeder noch so kleine Move am Fahrpedal wird sofort in Vortrieb umgesetzt. Die Verzögerung, bis Ladedruck aufgebaut ist, ist nun wirklich minim. Das macht vor allem auf kurvigen Landstrassen Freude. Kurz nach dem Scheitelpunkt der Kurve ans Gas, dann steht beim Geradestellen der Räder bereits die volle Leistung zur Verfügung. Und, der neue Diesel läuft angenehm ruhig. Fein für ein Familienauto, für einen Sportler aber ist das alles einfach ein wenig: zu zahm.
Der GTD war in der Schweiz nie ein absoluter Topseller. Das wird auch der neue kaum. Obwohl der Basispreis durchaus interessant ist. Ab 38'950 Franken ist der GTD mit manuellem Sechsganggetriebe zu haben. Allerdings muss man sich noch bis Juli gedulden, erst dann werden die ersten GTD in der Schweiz ausgeliefert. Und dann den einen oder anderen sportlich angehauchten Sparfuchs faszinieren. Wer auf richtig charaktervolle Kompaktautos steht wird am GTD allerdings weniger Gefallen finden. Wir finden es schade dass es VW nicht gewagt hat, dem GTD etwas mehr Pfeffer zu spendieren. Oder vielleicht war nur das Timing falsch. Nach dem heissen Golf GTI erscheint der GTD so ein bisschen: lau.