Opel

Der kleine Karl ganz gross?

Opel Karl

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Brot-und-Butter-Autos nennt man die Wagen der kleinsten Kategorie gemeinhin. Der neue Opel Karl konnte bei den ersten Fahrten beweisen, dass er mehr kann.

Benannt ist der Karl nach dem Erstgeborenen des Firmengründers Adam Opel. Und ja, man hat Dokumente gefunden, die beweisen, dass sich Karl wirklich mit K geschrieben hat und das er sich den Vornamen Carl angeeignet hatte, weils nobler klang. Doch das sind Tempi passati, im harten Alltag muss sich der Karl gegen ein ganzes Rudel an Konkurrenten durchsetzen. Vom VW Up!, Renault Twingo, Hyundai i10 über den Toyota Aygo (und natürlich die entsprechenden Brüder dieser Modelle mit anderem Markenemblem) bis hin zum Fiat Panda. Der Opel Karl wird es also nicht leicht haben. Er tritt mit 367 cm Länge an, um seine Konkurrenten das Fürchten zu lehren, und einer Breite von nur gut 160 cm (ohne Aussenspiegel), da sollte er auch engste Gassen schaffen. Und man kann den ausschliesslich als Fünftürer lieferbaren Karl auch als Fünfsitzer haben, was in dieser Fahrzeugkategorie keineswegs Standard ist.

Opel Karl

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Das Design erinnert natürlich an den Opel Corsa, und trotz der geringen Aussenlänge wirken die Proportionen stimmig. Aber gutes Design, tiefe Einstiegspreise und geringe Emissionswerte bieten auch andere Hersteller. Was kann der Karl also besser? Zum Beispiel, dass sich die hinteren Seitenscheiben öffnen lassen und komplett in den Fondtüren verschwinden. Das kann fast niemand in dieser Fahrzeugklasse, oft werden aus Gründen der Kostenreduktion nur – bei Kindern nicht sehr beliebte – Ausstellfenster montiert. Oder dass er mit 75 PS ziemlich üppig motorisiert ist. Der Dreizylinder mit einem Liter Hubraum wurde laut Opel extra für den Karl entwickelt. Uns scheint allerdings eher, dass sie beim in anderen Modellen verbauten Dreizylindermotor einfach den Turbolader weggelassen haben. Egal, die 75 Pferdchen sind sehr okay für so ein Auto. Nicht okay finden wir: Wenn man schon ein Triebwerk für ein einziges Modell entwickelt, wäre es heutzutage wohl opportun, serienmässig eine Stopp-Start-Automatik zu integrieren. Der Motor wird wohl auch in einem anderen Modell seinen Dienst tun, nur werden wir das in Europa nie sehen. Der neue, kleine Chevrolet soll die technische Basis mit dem Karl teilen. Aber GM hat ja beschlossen, die kleinen Chevrolets nicht mehr in Europa zu verkaufen.


Viel Dampf hat der Karl zwar nicht, aber da steht ihm ein Renault Twingo oder ein Hyundai i10 in nichts nach. Und, bei solchen Automobilen ist das auch nicht so wichtig. Aber, fahren und vor allem federn tut der kleine Opel hochanständig. Und, die Geräuschdämmung ist ebenfalls hervorragend. Was uns auch gefallen hat, ist der klar gegliederte Armaturenträger. Schön aufgeräumt und ohne die unzähligen Schalterchen, die so viele Opel-Modelle zieren. Dazu Sitze die, zumindest vorne, sehr gut sind und ordentlich stützen. Für den Stadtbetrieb hat man ein Feature verbaut, dass man sich wohl etwas bei Allianzpartner Fiat abgeschaut hat. Es gibt eine City-Taste für die Lenkung. Drückt man die, kommt man sich vor wie am Steuer eines Cadillac aus den 60ern. So leichtgängig ist das dann. Aber praktisch ists halt auch. Und dank der einigermassen grossen Scheiben ist die Übersicht im Karl gut. Gefragt ist in dieser Klasse auch eine Automatik, aber die gibt es leider beim Opel noch nicht. Früher oder später wird man dort aber sicher noch nachlegen, auch wenn man derzeit bei Opel den Kopf schüttelt.


Deutlich unter einer Tonne wiegt der Fünftürer, das ist sehr okay. Und er soll mit 4,5 Litern pro 100 Kilometer auskommen. Das könnte einigermassen realistisch sein, weil: kein Turbo. Mit einem speziellen Eco-Paket sollen sogar 4,3 l/100 km möglich sein. Cool ist auch die Sicherheitsausstattung. ESP, Traktionskontrolle und eine Berganfahrhilfe sind ebenso serienmässig wie sechs Airbags. Wer etwas mehr ausgeben will als die 11 950 Franken, die ein Basis-Karl kostet, bekommt auch einen Tempomat, Sitz- und Lenkradheizung sowie natürlich ein Multimediasystem.

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