Jeep
Der kleine Häuptling provoziert

Der neue Jeep Cherokee überzeugt vor allem mit inneren Werten - und zeigt auf, wohin die Amerikaner fahren.

Peter Ruch
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Jeep Cherokee

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Die Marke Jeep spielt in den Überlegungen und Strategien von Sergio Marchionne, seines Zeichens Chef von FCA (Fiat Chrylser Automobiles), eine zentrale Rolle. Das Label Jeep, haben die Verantwortlichen des Konzerns herausgefunden, lässt sich global vermarkten, es hat einen grossartigen Namen und eine lange Historie - und soll die Gewinne einfahren, die der Konzern dringend braucht, um neue Produkte entwickeln zu können sowie die Problemkinder Fiat und Alfa wieder auf Vordermann. Dafür wird das Jeep-Programm auch weiter ausgebaut, der kleine Renegade auf Fiat-Basis ist anscheinend gut angelaufen, findet eine Kundschaft, die Jeep bisher noch nie hatte.

Doch im Mittelpunkt stehen natürlich weiterhin die «grossen» Jeep, der Grand Cherokee, der sowieso eine treue Fangemeinde hat, nicht nur in den USA, und der ganz neue kleine Häuptling, der Cherokee. Da war FCA sehr mutig - das Design des Cherokee polarisierte die Betrachter von Beginn weg (und musste anscheinend kurz vor Produktionsanlauf noch ein bisschen «entschärft» werden). Unterdessen hat man sich an den hohen Aufbau, die schon sehr spezielle Gestaltung der Front aber ein bisschen gewöhnt - je mehr Cherokee man auf der Strasse sieht, desto unproblematischer wird seine Optik. Und vielleicht war das aussergewöhnliche Design ja auch ein gutes Mittel, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Was sich nach einem ausführlichen Test mitteilen lässt: Der Jeep macht seine Sache gut. Richtig gut. Waren die amerikanischen Geländewagen früher nicht über jeden Zweifel erhaben, was die Verarbeitung betrifft, liessen sich beim neuen Modell kaum Schwächen ausmachen. Natürlich können die deutschen Premium-Marken das noch feiner, edler, gerade die Auswahl der Materialien könnte im Cherokee schon noch ein, zwei Stufen besser sein, doch die Fortschritte sind nicht bloss unverkennbar, sondern gross. Auch die Gestaltung des Innenraums ist deutlich besser, das Thema Ergonomie ist auch in den USA angekommen. Nicht begeisternd sind allerdings die Sitze, das ist weiterhin ein Schwimmfest, Seitenhalt scheint in Amerika nicht besonders gefragt zu sein. Und auch nicht gerade überragend für ein Fahrzeug dieser Grösse ist das Kofferraumvolumen von maximal 1267 Litern bei abgeklappten Rücksitzen.

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Der Testwagen war mit dem bekannten 3,2-Liter-V6 ausgerüstet, der 272 PS leistet und seine Kraft über eine 9-Gang-Automatik an alle vier Räder leitet. Dieses neue Getriebe ist zu loben, die Schaltvorgänge geschehen fast unmerklich - falls man nicht die volle Leistung abruft. Im Gegensatz zu anderen Automatiken mit derart vielen Gängen verfällt dieses Getriebe aber höchst selten in eine Gangwechsel-Hektik. Der Sechszylinder läuft seidenweich und ruhig, hat aber einen grossen Durst: Im Schnitt verbrauchten wir deutlich über 13 Liter. Aber es sind halt auch gut zwei Tonnen und eine Geländewagen-typisch unvorteilhafte Aerodynamik, die da durch den Wind und über die Strassen gestemmt werden müssen.

In Sachen Fahrwerk macht der Amerikaner seine Sache auch deutlich besser als seine Vorgänger. Ein Sportwagen wird so ein Cherokee nie, aber die Wankbewegungen halten sich in weit engeren Grenzen als auch schon. Und ausserdem ist der schwere Wagen sehr komfortabel. Eine hohe Qualität des Jeep: seine Geländetauglichkeit. Wir gingen da nicht an seine Grenzen, denn die liegen schon im Abenteuer-Bereich, auch dank hoher Bodenfreiheit sowie guten Rampen- und Böschungswinkel. In der Schweiz schätzt man die Qualitäten eines Jeep aber vor allem im Schnee, und das macht er dann wirklich ausgezeichnet. Mit einem Basispreis von 59'550 Franken (ohne aktuelle Rabatte) für die schon grosszügig ausgestattete 3,2-Liter-Topversion gehört der Jeep zu den besten Angeboten in seinem Segment. Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung darf als gut bezeichnet werden - und wer kein deutsches Premium-Produkt fahren will, der erhält im Cherokee sicher eine valable sowie interessante Alternative

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