Aber auch wer sich für einen Jaguar, einen alten Alfa oder einen klassischen Mercedes interessiert, muss teilweise enorm tief in die Tasche greifen. Vom Preis-Wahn noch nicht befallen ist dagegen die Motorrad-Szene. Klar, wer sich ein ehemaliges Weltmeisterschaftsmotorrad, zum Beispiel von Kevin Schwantz, sichern will, muss auch einen sechsstelligen Betrag investieren. Aber es gibt wunderbare klassische Motorräder, die für kleines Geld zu haben sind. Dabei sind die Oldtimer in drei Lager eingeteilt. Die Briten mit AJS, BSA, Matchless, Norton und Co., die Deutschen von BMW oder Zündapp – und der Rest der Welt (also Japan und andere «exotische» Länder wie die Schweiz mit den wunderbaren Fahrzeugen von Universal zum Beispiel). Wenn man sich eine typische Renn-Saison für einen Oldtimer-Enthusiasten vorstellt, sind die Kosten überschaubar. Anschaffung eines rennfertigen Bikes (zum Beispiel einer Zweizylinder-Yamaha TZ 350 aus den Siebzigerjahren), Reisen durch halb Europa und die Kosten für die Teilnahme an etwa sechs Events: da kommen keine 30’000 Franken zusammen.

Das kostet bei einigen vierrädrigen Oldtimern das Ersetzen des Zahnriemens. Auch Kosten für Reifen, Benzin und den Transport des Geräts sind gering. Und wenn man sich nicht gerade einen reinrassigen Racer kauft, kann man mit dem Bike auch mal am Abend auf einer gemütlichen Ausfahrt den Tag ausklingen lassen. Mit meist unvergleichlichem Sound im Ohr. Infos zum Oldtimerrennsport in der Schweiz gibt es unter www.fhrm.ch, aber es gibt auch zahlreiche Marken- und sogar Modell-Clubs in der Schweiz.

Doch das alles ist nicht der Kern der Geschichte. Denn während die Oldtimer-Automobilisten immer häufiger eine Ego-Show abziehen, gleich mit ganzen Mechaniker-Teams anreisen und sich grausam ärgern, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es möchten, gehts bei den Bikern weit entspannter zu. Da wird – wie früher auch bei den Automobilisten üblich – ausgeholfen, wenn ein Teil fehlt. Oder auch mal ein Ratschlag erteilt – und der Event als solcher ohne starren Blick auf Runden- oder Abschnittszeiten genossen. Es gibt nicht wenige in der Motorradszene, die sich darüber beklagen, dass sie an Oldtimer-Events (wie dem im August ausgetragenem Ligniéres Historique) als eine Art «Füllmaterial» zwischen den Shows der Autofraktion eingesetzt werden. Das mag bis zu einem gewissen Punkt stimmen. Andererseits sorgt genau das dafür, dass der «Kitt» in der Bikerszene erhalten bleibt. Für die ganz verwegenen bietet sich zudem auch noch der Seitenwagen-Rennsport an – allerdings ist es erfahrungsgemäss nicht ganz leicht, einen unerschrockenen «Plampi» (Beifahrer) zu finden. Und: in absehbarer Zeit ist nicht damit zu rechnen, dass die Preise für Oldtimer-Motorräder extrem anziehen. Das bedeutet zwar, dass keine enorme Wertsteigerung zu erwarten ist. Als Wertanlage sind Bikes, mit Ausnahme der ganz seltenen Werksrennmaschinen aus allen Epochen und einigen wirklich ganz raren Fahrzeugen, nicht zu sehen.

Das Schöne daran ist aber, dass deshalb auch keine Spekulanten auf den Plan gerufen werden, die seit Jahren in der Auto-Szene ihr Unwesen treiben. Wer sich wagt, sich den teilweise etwas grummligen Teilnehmern in den Zweiradklassen zu nähern, wird viele Geschichten erfahren, viele leuchtende Augen sehen und sich fragen: War das bei den Autos nicht auch einmal so?