Ford

Der grosse Spagat

Ford Focus ST

Ford Focus ST

Viel Leistung, viel Raum und hoher Nutzwert im Alltag– der Ford Focus ST ist ein echter Kunstturner und schafft diesen Spagat ziemlich locker.

Sehr viel Leistung und Drehmoment, Vorderradantrieb und relativ geringes Fahrzeuggewicht. Das sind eigentlich nicht die besten Voraussetzungen für ein sportliches Automobil. Da die Vorderräder neben den Lenk- auch die Beschleunigungskräfte übertragen müssen, sind sie relativ rasch überfordert. Einige Hersteller wie zum Beispiel VW oder Opel greifen da auf ein Sperrdifferenzial zurück, welches aber meist nur gegen Aufpreis erhältlich ist. Ford hat beim Focus ST auf ein solches spezielles Differenzial verzichtet. Was bedeutet, dass der Kölner deutlich schwächer am Lenkrad «reisst», als die beiden genannten Konkurrenten. Gehen also die 250 PS (345 Nm) bei Ford einfach in Rauch auf? Nein, denn man hat es bei Ford geschafft, eine Motorabstimmung zu finden, die perfekt aufs Fahrwerk zugeschnitten ist.
6,5 Sekunden verspricht Ford für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h. Das mag sein, aber es ist eigentlich egal. Denn wir haben lange keinen Turbobenziner mehr bewegt, der derart spontan anspricht. Um flott aus der Kurve zu kommen, reichen 2500 Umdrehungen. Der Ford braucht keine hohen Drehzahlen, das massive Drehmoment und eben das spontan reagierende Vierzylinder-Triebwerk geben einem das Gefühl, mit dem guten alten Fünfzylinder unterwegs zu sein. Wobei, auch Ford hat in Sachen Traktion ins Trickkistchen gegriffen. Mit gezielten Bremseingriffen wird die Traktion so gut wie möglich sichergestellt. Das funktioniert tadellos. Der Ford ist zudem nicht nur schnell, sondern auch einfach beherrschbar. Klar, auch beim Focus ST sind die Lenkeinflüsse, wenn man ihn hart ans Gas nimmt, nicht ohne. Aber alles im grünen Bereich.

Ford Focus ST

Ford Focus ST

 

Natürlich ist der Ford keine Sänfte, aber im Vergleich zu einem Corsa OPC zum Beispiel ist er sehr bequem. Und im Vergleich mit einem Golf GTI Performance sicher ebenbürtig. Dazu kommt, dass die Federwege so lang sind, dass auch schlechte Strassen kein Problem darstellen. Im Gegenteil: Je heftiger die Wellen und Schläge, desto erstaunter ist man ob des Fahrgefühls. Wie sich der Ford über derartiges Geläuf scheuchen lässt, ist tief beeindruckend. Hinzu kommt der sehr gute Grip der Goodyear-Reifen (Eagle F1 im Format 235/45 R 18). Wem das zu wenig ist, kann auch 19-Zöller zusammen mit einer sehr mächtigen Bremsanlage (Scheiben-Durchmesser vorne 33,5 cm) ordern – für sehr faire 1400 Franken. Keine Option hat man beim Getriebe. Sechs Gänge, von Hand geschaltet. Zum Glück ist die Schalthebelführung exakt und sind die Schaltwege recht kurz – auch dieser Punkt passt beim Focus ST.


Und wenn wir schon bei den Preisen sind: 37'050 Franken nennt Ford als Basisgebot für den Focus ST mit fünf Türen. Den Testwagen in der Version «ST-3» mit erweiterter Ausstattung gibts ab 40'950 Franken. Das sind überaus faire Angebote, allein wenn man bedenkt, dass der Opel Corsa OPC – so wie er von uns vor kurzem getestet wurde – 38'150 Franken gekostet hat. Klar, es gibt auch bei Ford jede Menge Optionen, aber der ST-3 hat beispielsweise die famosen Sitze von Recaro, Bi-LED-Leuchten und viel mehr mit an Bord. Auch die Konnektivität ist vorzüglich, die Anbindung von Smartphones funktioniert einfach und schnell. Einzig optisch kommt das Bediensystem etwas altbacken daher. Was der einfachen Bedienung eigentlich keinen Abbruch tut. Nur hat man bei Ford etwas gar viele Funktionen auf einmal auf den Bildschirm gesetzt. Man muss zuweilen schon sehr treffsicher sein, um das gewünschte Menu zu aktivieren. Schön ist, dass das Navigationssystem anscheinend eine gute Rechenleistung hat. Zieleingabe oder Neuberechnungen der Route erfolgen sehr schnell.


Natürlich sind die hervorragenden Fahrleistungen nicht möglich, ohne ein gewisses Mass an Benzin einzusetzen. Und wie zu erwarten war, ein Sparmeister ist der scharfe Ford nicht. 6,8 Liter pro 100 Kilometer hat man bei Ford als Normverbrauch ausgeknobelt. Wir haben es allerdings nicht geschafft, diesen Wert zu erreichen. Mindestens sieben Liter verbrauchte der Focus ST im Schonprogramm.
Im wahren Leben waren es dann 8,7 Liter. Und, wie bei Turbomotoren üblich, ist die Spreizung gross. Als Gegensatz zum genannten Minimalwert sind es bei sehr scharfer Gangart auch mal 9,5 Liter, die durch die vier Einspritzdüsen plätschern. Unser Fazit lautet dennoch: Der Focus ST ist etwas vom Besten, das sich in dieser Klasse tummelt.

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