Volkswagen
Der Golf überzeugt auch als Kombi

Einst war der Golf Variant eher unscheinbar - jetzt ist er sowohl chic wie praktisch. Das bewies er im AZ-Test.

Peter Ruch
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VW Golf Variant

VW Golf Variant

HO

Die Schweizer lieben den VW Golf: auch 2013 wird er wieder die Nummer 1 unter den meistverkauften Autos sein, das stand schon Ende Oktober fest. Und die Schweizer lieben Kombis, gerade Volkswagen kann davon ein Liedchen singen: beim Passat liegt der Anteil der Variant-Variante bei 95 Prozent. Beim Golf fristete der Kombi allerdings immer so etwas wie ein Schattendasein, was verwundert, denn bei den anderen Kompakten (Opel Astra, Ford Focus, etc.) ist das zumeist anders. Doch der Golf Variant war halt in der Vergangenheit immer – zu bieder?
Nun, der Golf 7 ist sicher der beste Golf, den es je gab. Volkswagen hat mit dem Modularen Querbaukasten (MQB) eine Plattform geschaffen, die der Konkurrenz nicht bloss Kopfweh macht, sondern auch noch heftige Magenschmerzen bereitet. Dass der VW in Sachen Design nicht gerade Grenzen sprengt, darf nicht wundern, als Marktleader und Bestseller gibt es keinen Raum für Experimente. Erfreulich ist aber nun, dass die Kombi-Variante des Golf 7 deutlich eleganter ist, schicker als der Vorgänger – ohne deshalb besonders aufregend zu wirken. Kombis werden heutzutage nicht mehr von Metzgern und Malern gekauft, sondern in erster Linie vom Familien und jungen Paaren mit hohem Freizeit-Raumbedarf. Es geht also unbedingt auch um Lifestyle - und folglich um das Aussehen.
Und wer es schafft, frisches Design mit viel Platz zu kombinieren, der muss sich nicht um Kundschaft sorgen. Der Golf Variant vermag als mit einem gewissen Schick zu punkten - und packt auch jede Menge weg, 605 Liter gross ist der Kofferraum schon in der normalen Konfiguration, bei abgeklappten Rücksitzen sind es 1620 Liter. Und noch eine wichtige Zahl: es lassen sich Gegenstände mit einer Länge von bis zu 2,67 Metern im Variant verstauen. Das ist beachtlich, das ist besser als beim Vorgänger - und dazu ist der Golf-Kombi auch noch rund 100 Kilo leichter als bisher.
Das spürt man im Fahrbertrieb. Unseren Variant-Test absolvierte ein 2-Liter-Diesel mit 150 PS, quasi so etwas wie die feinste derzeit erhältliche Motorisierung. Mit dem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe soll er nur gerade 4,5 Liter Diesel auf 100 Kilometern schlucken; im Test waren es dann 5,7 Liter. Das ist für ein Automobil, das in weniger als 9 Sekunden von 0 auf 100 km/h rennt und fast 220 km/h schnell ist, ein mehr als nur anständiger Wert. Denn er vermittelt auch jede Menge Fahrfreude, der 2-Liter-Diesel-Kombi, da kann man flott durch die Landschaft gleiten. Was wir weiterhin nicht so ganz verstehen: der Selbstzünder versieht seinen Dienst ziemlich gut vernehmbar, das können gewisse Konkurrenten – Hyundai i30, zum Beispiel – besser. Aber dafür ist die Durchzugskraft des 2-Liter-Diesel beeindruckend, 320 Nm maximales Drehmoment sind in einem 1,4 Tonnen schweren Fahrzeug ein guter Grund für viel Fahrfreude. Dass das Fahrwerk des Golf 7 auch noch bedeutend mehr Leistung locker wegsteckt, das dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.
Die Bedienung ist selbstverständlich auch im Variant über jeden Zweifel erhaben. Die Rücksitze lassen sich mittels «Fernbedienung» vom Kofferraum aus abklappen - und bei einigen Ausstattungsversionen lässt sich auch der Beifahrersitz flachlegen (dann geht sich das auch aus mit dem 2,67 Metern langen Gegenständen). Ergonomie, Haptik - auf höchstem Niveau. Die Verarbeitung auch, da kann Audi kaum mehr einen Vorsprung erreichen. Und den Audi A3 gibt es ja nicht als Kombi. Den Skoda Octavia, der auch auf dem MQB basiert, allerdings schon (mit noch etwas mehr Platz). Und den Seat Leon als ST auch (der ist sogar noch etwas schicker, optisch). Den Golf Variant gibt es ab 25'350 Franken. Mit dem 2-Liter-Diesel sind mindestens 35'150 Franken fällig. Damit ist der Wagen dann definitiv kein Schnäppchen mehr. Doch er bietet halt auch alles, was man aktuell von einem guten Automobil erwarten kann.