Volkswagen
Der echte Luxus ist der Raum

Der VW Sharan ist nach seiner Überarbeitung zwar nicht grösser, aber ausgereifter geworden – und überzeugt auch mit seiner Geräuschdämmung.

Markus Chalilow
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VW Sharan

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HO

Volkswagen hat vor kurzem alle seine Raumwunder überarbeitet oder neu aufgelegt. Nach Touran und T6 (auch als VW Bus bekannt) also auch den Sharan. Der ist zwar nicht ganz neu, aber doch deutlich gereift – und bleibt damit ein hervorragendes Familienauto. Wobei man Familienauto eigentlich in Klammern setzen muss. Denn die Preise sind doch nicht jedermanns Sache. Unser Testwagen, ein 2.0 TDI (mit Euro-VI-Motor, also nicht vom Abgasskandal betroffen) mit 184 PS, DSG und Vorderradantrieb steht mit 48'750 Franken in der Preisliste. Allerdings hat man den Prüfling ordentlich aufgerüstet, allein das grosse Panoramadach kostet 1540 Franken zusätzlich, das Fahrassistenzsystem-Paket kostet fast 1200 Franken und die Sitze in der dritten Reihe gar satte 1600 Franken. So kommt der Siebensitzer auf einen Testwagenpreis von 58'760 Franken. Dafür will man natürlich auch etwas geboten bekommen. Optisch gibts allerdings nicht viel mehr als beim Vorgänger. Der Sharan sieht von vorne aus wie jeder andere Volkswagen. Das ist natürlich so gewollt. Was auf den ersten Blick gar nicht so auffällt: Das Auto ist riesig. 485 cm lang, 190 cm breit und 174 cm hoch, der Sharan bietet innen zwar viel Raum, braucht aber aussen auch entsprechend viel Platz. Das merkt gut, wenn man in einen engen Stellplatz im Parkhaus einfädeln will.

VW Sharan

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Natürlich ist der Motor, den man seit dem Modellwechsel deutlich weniger gut hört, mit dem 1,8 Tonnen schweren Auto nicht überfordert, schliesslich gesellen sich zu den 184 PS auch noch 380 Nm an Drehmoment. Richtig spritzig wirkt der VW allerdings nicht. Das mag auch an der konservativen Abstimmung des Doppelkupplungsgetriebes DSG liegen. Die Kupplung schliesst beim Anfahren spät, was den Eindruck der Trägheit verstärkt. Einmal in Fahrt rollt der Sharan aber sehr souverän, durchaus bequem (trotz des verbauten, optionalen Sportfahrwerks) und verwöhnt die Passagiere wie erwähnt mit einem grossen Geräuschkomfort. Dreht man den Vierzylinder-Diesel nicht übermässig (also über 3000/min) ist der Selbstzünder akustisch extrem zurückhaltend.

Auch das Einsteigen in den VW ist wirklich bequem. Die vorderen Türen geben genau wie die riesigen Schiebetüren im Fond eine grosse Öffnung frei – da gibts keinen Grund zur Klage. Natürlich sind die Schiebetüren in den erwähnten, engen Parklücken sehr praktisch. Auch keinen Grund zur Klage gibt es beim Verbrauch. VW verspricht einen Durchschnittsverbrauch von 5,3 Liter pro 100 Kilometer. Das ist etwas gar optimistisch. Im Test waren es im Schnitt 6,5 L/100 km. Aber, für einen 1,8-Tonner mit diesen Fahrleistungen ist das immer noch sehr okay. Kommen wir zum wichtigsten Punkt des Sharan, dem Innenraum. Da gibt es nicht nur Platz in Hülle und Fülle, auch die Verarbeitung ist erstklassig. Das hat man in Wolfsburg wirklich im Griff. Obwohl zahllose Ablagefächer verbaut sind, sieben Sitze zur Verfügung stehen und man auch noch einiges Zubehör verbaut hat (die kleinen Abfalleimer in den Schiebetüren sind der Hit) klappert oder knarzt rein gar nichts im VW. Hinzu kommt das viele Licht, welches durch das Panoramadach in den Innenraum fällt. Keinesfalls verzichten sollte man auf die Dreizonenklimaanlage (Aufpreis nur Fr. 150.–), denn so viel Glas bringt bei schönem Wetter auch viel Temperatur im Interieur mit sich.

Natürlich kann man den Sharan auch etwas sportlicher bewegen, Sinn ergibt dies aber keinen. Er ist eher der Gleiter, schluckt Unebenheiten wunderbar und der Wagen ist dank der grossen Fensterflächen auch sehr übersichtlich. Allerdings ist wegen der Fahrzeughöhe auch die Seitenneigung bei Kurvenfahrt ausgeprägt. Wenn man also keine Beifahrer möchte, denen es schwindlig wird, gleitet man mit dem Sharan einfach so dahin. Dann sind alle glücklich und die Kids können sich in Ruhe dem optionalen Rearseat-Entertainmentsystem widmen. Und falls man mal was vom Möbelmarkt abholen muss, ist das auch kein Problem. Maximal 2430 Liter passen in den grossen Volkswagen, das ist eine ganze Menge. In dieser Zahl noch nicht enthalten sind die insgesamt 33 Ablagen und Fächer, die im Wagen verbaut wurden. Ein Wunder, wenn man da alles noch findet, was man über die Jahre so «verstaut» hat. In der Summe ist der neue Sharan ein hervorragender Minivan mit viel Platz, aber auch einem relativ hohen Basispreis. Aber wir wissen ja: Platz ist der wahre Luxus.