Jeep
Darf es noch ein bisschen mehr sein?

Fahrleistungen, Design, Komfort und Sicherheit: Beim neuen Jeep Grand Cherokee ist alles noch besser.

Claudia Nussbaumer
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Jeep Grand Cherokee

Jeep Grand Cherokee

HO

Es kommt nicht oft vor, eigentlich eher selten, dass man sich als ausgewachsenes Mädel wie ein «Bad Boy» fühlt. Und richtig gut, das dann auch noch. Ob es an den 486 PS liegt und dem Drehmoment von 624 Nm bei 4100 Umdrehungen, die der SRT des Jeep Grand Cherokee bietet? Oder vielleicht, dass die Fahrten auf Sizilien stattfinden? Wie auch immer: Tritt man, ganz sachte, auf das Gaspedal des 6,4 Liter V8, ertönt unmittelbar ein sattes, wohliges Röhren. Zeitgleich beschleunigt der Riese auf vier Rädern als wäre er leicht wie eine Feder und nicht ein veritables, fahrbares Wohnzimmer von fast 2,4 Tonnen Leergewicht. Bliebe man unbeirrt auf dem Gaspedal, würde die Beschleunigung erst bei 257 km/h enden. Drückt man an der Ampel voll durch, braucht das Auto genau 5 Sekunden auf 100 km/h. Für den optimalen Vortrieb sorgt auch das neue Achtgang-Automatikgetriebe sowie das ebenfalls neue Allradsystem, das im «Track Modus» noch mehr Leistung an die Hinterräder schaufelt. Selbstverständlich ist derartige Power nicht umsonst, erst recht nicht bei den aktuellen Benzinpreisen: Stolze 14 Liter, schreibt das Werk auf weisses Papier, benötigt er auf 100 Kilometer, und das ist nur der Durchschnitt. Diesbezüglich lässt sich wohl nicht viel schönreden. Ausschauen tut der SRT ähnlich wie die zivilisierteren Varianten. Die Front ist etwas überarbeitet, hier und dort noch ein Spoiler angebracht. Die Fünfspeichen-Leichtmetallräder mit Breitreifen geben ihm aber definitiv den bösen Buben.
Wem das Aussehen zwar wichtig ist, aber doch etwas mehr Understatement bevorzugt, soll sich mal den neuen «Summit» anschauen. Er verkörpert «den Gipfel der Grand Cherokee-Modellreihe», verspricht Jeep. Weiches Leder auf den Sitzen, Echtholz-Intarsien allenthalben und «Wildleder-ähnliches» Bezugsmaterial für A-Säulen und Dachhimmel sollen das Herz jedes Ästheten höher schlagen lassen. Die Best-of-Klassik-CD schiebt der kultivierte Mensch in die Anlage mit dem Surround-Audiosystem (19 Lautsprecher, Zwölfkanal-Verstärker) von Harman/Kardon. Hier sind wir den 3,6 Liter V6 Benziner gefahren, und natürlich ist sein Vortrieb (286 PS) nicht mit dem eines SRT vergleichbar, man spürt das Gewicht doch um einiges mehr, aber komfortabel ist er allemal. Die Sitze sind denn auch eher wie Sessel, breit, bequem und elektrisch verstellbar in gefühlte 57 Richtungen. Aber das stattliche Gefährt kann mehr als nur auf geteerten Strassen rumgurken, selbst mit dem edlen Summit sind wir in die garstigen Gassen abgebogen. Elektronische Helferlein (Selec-Terrain-Traktionsmanagement) tragen ihren Teil dazu bei, dass er auch unwirtliches Gelände leicht überwinden kann. Leider dürfen wir den wirklich interessanten Teil (sehr steil, sehr felsig) nicht selber ausprobieren: Nichts mit Klettermaxe und wir wollen doch nur spielen; zum Zuschauer sind wir degradiert. Die gemässigtere Offroadstrecke, die wir fahren dürfen, zeigt uns aber, dass er sicher mehr kann, als nur wuchtig ausschauen, hat er doch sehr rauhes Terrain mit viel Nonchalance bewältigt. Ein Jeep, halt doch. Was es sonst noch Neues gibt: Uconnect-System mit 8,4“ Touchscreen, Dreispeichen-Lenkrad, noch mehr und noch bessere Sicherheitsausstattung; feines Facelift, innen und aussen. Was er immer schon hatte, der grosse Indianer, und auch heute noch bietet: Platz, ausreichend. Vorne, hinten. Für lange Passagiere und auch kurze. Und für Gepäck, en masse.
Der SRT setzt das Limit auf der Preisliste: Er kostet 97'900 Franken. Wer sich bescheiden gibt, nimmt den Laredo für 57'900 Franken, das ist ein 3,0 Liter Diesel mit 190 PS. Den eleganten Summit, den wir gefahren sind, der 3,6 Liter Benziner V6 mit 286 PS, gibt es ab 79'400 Franken.

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